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Unimedizin Mainz und Verdi erreichen in Tarifgesprächen Teileinigung

Donnerstag, 28. November 2019

Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz /dpa

Mainz – Die Mainzer Universitätsmedizin und Verdi haben sich auf zentrale Schritte zur Entlastung vor allem von Pflegekräften geeinigt und damit vorerst einen Streik am größten Klinikum in Rheinland-Pfalz abgewendet. Das gelang auf den letzten Drücker, denn für heute hatte die Gewerkschaft schon zu einem Warnstreik aufgerufen, der gestern am Abend abgesagt wurde.

Komplettes Aufatmen ist damit aber nicht angezeigt, Details müssen noch ausgehandelt werden, beide Seiten erwarten schwierige Gespräche, die am kommenden Dienstag (3. Dezember) weitergehen sollen. Auch ein Streik zu einem späteren Zeitpunkt ist noch nicht vom Tisch.

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Konkret vereinbarten Unimedizin und Verdi Soll-Zahlen für die personelle Besetzung einzelner Stationen. Diese betreffen nicht nur Pflegefachkräfte, sondern auch Hilfskräfte oder Kräfte für Verwaltungsaufgaben. Festgelegt wurde auch, dass Beschäftigten bei Un­terschreitung der Soll-Zahlen ein Belastungsausgleich gewährt werden soll. Wie der ge­nau aussehen soll, ist aber noch nicht klar.

Verdi-Verhandlungsführer Frank Hutmacher sagte, für die Gewerkschaft komme ei­gentlich nur ein Freizeitausgleich infrage. Der kaufmännische Vorstand der Unimedizin, Christian Elsner, sagte, er sei durch das Ultimatum der Gewerkschaft mehr oder weniger zu der Teil­einigung gezwungen worden. „In meiner kaufmännischen Brust schlagen zwei Her­zen“, sagte Elsner. Es sei gut, dass nun eine Art Definition vorliege, was es für gute Pflege brauche. Jetzt müsse geschaut werden, wie sie sich das in der Realität darstellen lasse.

Seit längerem hatten beide Seiten über den Tarifvertrag Entlastung gestritten. Auch die Landespolitik hat das Thema längst erreicht. Vorgestern hatten Pflegekräfte der Unime­di­zin im Gesundheitsausschuss des Landtages eine Petition an Staatssekretär Alexander Wil­helm (SPD) überreicht. Die oppositionelle CDU-Fraktion will die Situation in der Klinik in einer gemeinsamen Sondersitzung des Gesundheits- und Wissenschaftsausschusses erneut aufgreifen.

Verdi-Vertreter Hutmacher sagte, durch die Öko­nomi­sierung der Krankenhäuser sei der Druck auf die Beschäftigen immens gestiegen. Das führe zu teils gefährlichen und belas­tenden Bedingungen, es mache auch den Pflegeberuf nicht gerade attraktiver. Die Soll-Zahlen an der Unimedizin seien ein erster Schritt und brächten Entlastung. „Das heißt aber nicht, dass morgen alles gut ist.“

Hutmacher bezeichnete die Gespräche mit der Klinikleitung als härteste Auseinander­set­zung, die es bei hausinternen Verhandlungen jemals gegeben habe. Er gehe davon aus, dass die kommenden Gespräche noch härter würden. Ein neues Ultimatum sei durchaus denkbar, aber bislang nicht geplant.

Vorstand Elsner betonte, trotz aller Belastung gebe es an der Unimedizin eine hervorra­gende Versorgung. Der Mangel an Pflegekräften beruhe nicht darauf, dass die Unimedizin nicht einstellen wolle. Mitarbeitern würden sogar Prämien gezahlt, wenn sie Pflegekräfte anwerben. Es seien jedoch schlicht nicht genügend verfügbar. Dass mehr Pflegekräfte nötig seien, darüber bestehe Einigkeit.

Wie viel neue Beschäftigte es brauche, um die Soll-Zahlen zu erfüllen, lasse sich noch nicht sagen, erklärte Elsner. Ein Teil der Arbeiten und der Besetzung solle erreicht wer­den, indem bestehende Beschäftigte weitergebildet und so noch weitere Tätigkeiten übernehmen könnten. Als ein Beispiel nannte er Intensiv-Transporte.

Mit Blick auf den 3. Dezember sagte Elsner, er werde sich nicht völlig erpressen lassen. Wenn er das Unternehmenswohl gefährdet sehe, müsse er in weiteren Verhandlungen hart bleiben. Zur ohnehin schon angespannten Finanzlage des Hauses sagte der Vor­stand: „Sicherlich können wir mehr Geld vom Land gebrauchen.“ Man sei in konstruktiven Gesprächen. Das Abwenden des Streiks sei wichtig gewesen, denn jeder Tag koste rund eine Million Euro. Ein mehrtägiger Streik könne die Unimedizin vom eingeschlagenen Sanierungskurs abbringen. © dpa/may/aerzteblatt.de

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