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Report stellt Ambulantisierung der Pflege fest

Donnerstag, 28. November 2019

/thodonal, stockadobecom

Berlin – Immer mehr Pflegebedürftige in Deutschland suchen Alternativen zum Alten­heim und wollen im betreuten Wohnen und Wohngemeinschaften leben. Zugleich gebe es aber dafür noch keine Qualitätssicherungsverfahren, sagte der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Christoph Straub, heute bei der Vorstellung des Barmer Pflegereports. Es gebe Anzeichen dafür, dass die Pflegequalität schlechter sei.

Aktuell leben laut Barmer in diesen Einrichtungen bereits 181.000 Pflegebedürftige, 150.000 davon in betreutem Wohnen. Bundesweit existierten bis zu 8.000 betreute Wohn­anlagen und 4.000 Pflege-Wohngemeinschaften. Etwa jede dritte dieser Anlagen sei in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Allein 2018 seien weitere 340 Anlagen des betreuten Wohnens mit 10.000 Pflegeplätzen in Bau oder zumindest in Planung gewesen.

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Der Report zeige, dass betreutes Wohnen und Wohngemeinschaften im Vergleich zu Pfle­geheimen nicht mit mehr Pflegequalität aufwarten könnten, so Straub. Indizien dafür sei­en zum Beispiel weniger Arztkontakte. Während 86,6 Prozent der Pflegeheimbewohner einmal im Monat ihren Hausarzt sähen, sei dies in betreutem Wohnen und in Wohnge­meinschaften nur bei rund 80 Prozent der Fall.

Neue Dekubitusfälle seien in betreutem Wohnen zu 66 Prozent wahrscheinlicher als im Pflegeheim. Zugleich müssten 3,6 Prozent der Bewohner des betreuten Wohnens wegen Erkrankungen ins Krankenhaus, die sich eigentlich ambulant gut behandeln ließen. In Pflegeheimen träten nur 2,4 Prozent solcher Fälle je Monat auf.

„Wir fordern eine Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen zwischen den Bundesländern und einen Pflege-TÜV für die neuen Wohn- und Pflegeformen“, so Straub. Außerdem sollten die Länder generell für die Pflege die Aufsicht übernehmen und für mehr Transparenz auf dem Markt sorgen.

Dass die neuen Wohn- und Pflegeformen sowohl für Bewohner als auch Betreiber finan­ziell attraktiv sind, resultiert laut Studienautor Heinz Rothgang von der Uni Bremen aus ihrer besonderen Konstruktion. Die neuen Shootingstars des Pflegemarktes kombinierten Elemente der ambulanten und stationären Pflege mit Leistungen der Krankenkassen, etwa der häuslichen Krankenpflege. So ließen sich in neuen Wohn- und Pflegeformen maximale Leistungssummen erzielen, die doppelt so hoch seien wie in der vollstationä­ren Pflege.

„Betreutes Wohnen und Wohngemeinschaften richten sich immer mehr an der Pflege aus und werden in steigendem Maße direkt von Pflegeeinrichtungen angeboten. Wir spre­chen deshalb zu Recht von einer Ambulantisierung der Pflege“, so Rothgang. Während 2018 jede vierte betreute Wohnanlage unabhängig von Pflegeeinrichtungen betrieben worden sei, sei es 15 Jahre zuvor noch fast jede zweite gewesen. © kna/aerzteblatt.de

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