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Medizin

MR-Mammografie vermeidet bei röntgendichter Brust Intervalltumore, erhöht aber die Zahl unnötiger Biopsien

Donnerstag, 28. November 2019

Diese 4 Mammogramme zeigen eine automatisierte, volumetrische Brustdichtemessung, klassifiziert als Dichtegrad 1, 2, 3 und 4 (Volpara). /Radiological Society of North America

Utrecht – Eine zusätzliche Magnetresonanztomografie (MRT) hat in einer randomisierten Mammografie-Studie aus den Niederlanden bei Frauen mit extrem röntgendichten Brustdrüsen die Zahl der Intervallkarzinome halbiert. Ein Nachteil des MRT-Screenings war der Publikation im New England Journal of Medicine (2019; 381: 2091-2102) zufolge eine hohe Zahl falsch positiver Ergebnisse.

Ein röntgendichtes Brustdrüsengewebe ist für die Mammografie ein doppeltes Dilemma. Zum einen haben Frauen mit einer röntgendichten Brust ein erhöhtes Krebsrisiko, zum anderen ist die Gefahr größer, dass ein Tumor bei der Mammografie übersehen wird. Viele Radiologen raten den Frauen deshalb zu einer Zusatzuntersuchung, wobei heute häufig dem MRT gegenüber einer Ultraschalluntersuchung der Vorzug gegeben wird.

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Die niederländische DENSE-Studie („Dense Tissue and Early Breast Neoplasm Screening“) hat erstmals an einer größeren Gruppe von Frauen untersucht, ob eine zusätzliche MRT die Rate der Intervalltumore senkt, was ein erster Hinweis auf einen Nutzen der Zusatz­untersuchung ist. Intervalltumore sind Tumore, die in der Zeit zwischen 2 Mammografien auftreten.

Die Studie umfasste 40.373 Frauen, bei denen im Rahmen des nationalen Mammografie-Screenings eine extrem röntgendichte Brust aufgefallen war (Grad 4 in der Einteilung der Volpara-Software). Die Frauen wurden im Verhältnis 1 zu 4 auf eine zusätzliche MRT oder auf eine Kontrollgruppe ohne zusätzliche MRT randomisiert. Eine 2. Kontrollgruppe bestand aus den 41 % der Frauen, die das Angebot einer zusätzlichen MRT abgelehnt hatten.

Wie ein Team um Carla van Gils vom Universitair Medisch Centrum Utrecht berichtet, wurde bei 2,5 von 1.000 Frauen, bei denen zusätzlich eine MRT durchgeführt wurde, vor der nächsten Untersuchung in 2 Jahren ein Mammakarzinom diagnostiziert. In der Kontrollgruppe ohne Einladung zum MRT wurde bei 5,0 pro 1.000 Frauen ein Intervalltumor entdeckt. In der 2. Kontrollgruppe, in der die Frauen die Einladung ausgeschlagen hatten, waren es 4,9 Intervalltumore auf 1.000 Frauen. Die Differenz von 2,5 Intervalltumore auf 1.000 Screenings war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,0 bis 3,7 statistisch hochsignifikant. Die MRT ist bei Frauen mit extrem röntgendichter Brust in der Lage, die Zahl der Intervalltumore um die Hälfte zu senken.

Hohe Rate an falsch positiven Befunden im MRT

Ein Nachteil des MRT-Screenings ist die hohe Zahl von falsch positiven Ergebnissen. Insgesamt wurde bei 454 MRT-Untersuchungen (9,5 %) ein verdächtiger Befund gefunden. Bei 300 Frauen (6,3 %) wurde daraufhin eine Brustbiopsie durchgeführt. Nur bei 79 dieser Frauen wurde ein Brustkrebs entdeckt und nur bei 64 Frauen handelte sich um ein gefährliches invasives Karzinom (die anderen 15 Diagnosen waren duktale in situ-Karzinome, DCIS).

Der positive Vorhersagewert, also der Anteil an den im MRT „verdächtigen“ Frauen, bei denen tatsächlich ein Brustkrebs vorlag, betrug nur 17,4 %. Bezogen auf die Biopsien waren es immerhin 26,3 %. Letzteres bedeutet, dass die Biopsie bei 73,7 % der Frauen unnötigerweise durchgeführt wurde.

Frauen mit röntgendichter Brust, die vor der Entscheidung für ein zusätzliches MRT-Screening stehen, müssen abwägen zwischen der Chance, dass bei 16,5 auf 1.000 Screenings ein Krebs entdeckt wird und dem Risiko von 79,8 auf 1.000 Screenings mit einem falsch positiven Ergebnis.

Dass ein frühzeitig entdeckter Krebs die Überlebenschancen verbessert, ist nicht sicher. Im Einzelfall könnte das Screening aber über Leben und Tod entscheiden. Ein falsch positives Ergebnis wäre mit einer Verunsicherung und eventuell einer unnötigen Biopsie verbunden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #644376
Radiologe5678
am Freitag, 29. November 2019, 12:46

Mammografie vermeidet bei röntgendichter Brust Intervalltumore,

Hier ist wohl MR-Mammographie gemeint,
Es kann durch diesen Aufmacher zu fatalen
Schlußfolgerungen kommen.

Da haben Sie natürlich recht.

Viele Grüße

Redaktion DÄ
Avatar #644376
Radiologe5678
am Donnerstag, 28. November 2019, 21:42

Dichte Brüste

ACR III und IV Brüste gehören nicht ins Screenings, sondern sollten zusätzlich zur kurativen Mammographie alle 2 Jahre mit Palpation und Ultraschall untersucht werden.
Wird der Ultraschall nur bei malignitätstypischen Veränderungen als maligne gewertet, fallen hier schon mal die falsch positiven Ergebnisse heraus. Rechnet man die beim Screening übersehenen Tumoren die durch Palpation entdeckt werden und durch Ultraschall hinzu, sowie die durch MR-Mammographie übersehenen Tumoren, dann verbleibt nur ein geringe Rest von Intervallkarzinomen und durch Screening übersehene nicht Intervallkarzinome. Das heutige alleinige Screening ist die schlechteste aller Lösungsmöglichkeiten.
Außer den Intervallkarzinomen entdeckt die MR-Mammographie ja auch noch die bis zu 40 % nicht Intervallkarzinome die beim Screening
übersehen wurden, dann sieht die Bilanz schon wieder ganz anders aus, der Benefit der MRT schrumpft weiter und man fragt sich ob das Screening überhaupt ein Benefit hat wenn ohne weitere Untersuchungen 5/1000 Tumore übersehen werden.


Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 28. November 2019, 19:13

Was ich nicht verstehe, …

… ist, dass man der Bevölkerung nicht empfiehlt, krebshemmende Nahrungsergänzungsmittel zu konsumieren. Wie der Artikel https://kurier.at/gesund/studie-zwiebel-und-knoblauch-senken-brustkrebsrisiko/400635677 zeigt, befinden sich in Pflanzen tatsächlich krebshemmende Inhaltstoffe. Es gibt weit mehr Nahrungsmittel als die im Artikel genannten, die krebshemmende Wirkstoffe enthalten. Zudem sind solche Wirkstoffe selektiv wirksam, also ohne Nebenwirkungen. Sonst nichts zu tun, als sich regelmäßig untersuchen zu lassen, ist unklug.
LNS

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