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Medizin

Feinstaub provoziert Krankenhausaufnahmen von Senioren

Freitag, 29. November 2019

rauchende Schornsteine /kristo74, stock.adobe.com
/kristo74, stock.adobe.com

Boston – Feinstaub könnte das Risiko auf mehr Erkrankungen erhöhen als bisher ange­nommen. Eine epidemiologische Studie im britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 367: l6258) zeigt, dass bei einem Anstieg der Feinstaubwerte in der Außenluft die Zahl der Klinikaufnahmen älterer Patienten wegen einer Vielzahl von Erkrankungen zunimmt.

Staubpartikel in der Größe von 2,5 µm (PM2,5) gelangen über die Atemwege in den Blutkreislauf. Sie können deshalb nicht nur den Lungen, sondern auch anderen Organen schaden. Die Global Burden of Disease Study 2017 hatte bereits ermittelt, dass Feinstaub ein wichtiger Auslöser von Infektionen der unteren Atemwege, aber auch von Herzerkrankungen ist.

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Nach den jetzt von einem Team um Francesca Dominici von der Harvard T. H. Chan School of Public Health in Boston vorgestellten Daten ist die Feinstaubbelastung noch mit einer Reihe von weiteren Erkrankungen assoziiert. Die Forscher haben die Abrechnungsdaten von mehr als 95 Millionen Begünstigten der staatlichen Kran­ken­ver­siche­rung von Senioren (Medicare) mit den gemessenen Feinstaubkonzentrationen am Wohnort in Verbindung gesetzt.

Um Verzerrungen gering zu halten, wurden in einer Case-Crossover-Analyse verschiedene Zeitpunkte im Leben der einzelnen Senioren verglichen. Dies war einmal der Tag, an dem sie wegen einer Erkrankung im Krankenhaus behandelt wurden und dann einige zufällig ausgewählte Tage in den Wochen, Monaten oder Jahren davor oder danach. Aus dem Abgleich mit den Feinstaubdaten schlossen die Forscher auf den Einfluss, die die Luftverschmutzung auf die Krankenhauseinweisung hatte.

Neue Erkrankungen in Verbindung mit Feinstaub

Der Feinstaubgehalt in der Luft war nicht nur mit Klinikbehandlungen wegen Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert, sondern auch mit Morbus Parkinson, dem Typ 2-Diabetes, Phlebitis, Thrombophlebitis und Thromboembolien. Für diese Erkrankungen war in früheren Untersuchungen bereits ein Zusammenhang vermutet worden. Dominici fand jedoch heraus, dass auch die Zahl der Klinikeinweisungen wegen Septikämie, wegen Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts sowie wegen akuter oder nicht näher spezifizierter Nierenerkrankungen mit dem Feinstaubgehalt zunimmt, wenn die Feinstaubbelastungen in der Außenluft ansteigt. Diese Erkrankungen waren bisher nicht mit Feinstaub in Verbindung gebracht worden.

Allein für diese Erkrankungen ist laut Dominici jeder Anstieg der PM2,5-Konzentration um 1 µg/m3 mit 2.050 zusätzlichen Krankenhauseinweisungen, 12.216 Tagen im Krankenhaus und Behandlungskosten von 31 Mio. US-Dollar (28 Mio. Euro) verbunden.

Die Assoziationen waren nicht auf Feinstaub-Expositionen oberhalb des Grenzwerts der Welt­gesund­heits­organi­sation von 25 µg/m3 beschränkt. Auch geringere Schadstoffmengen könnten schädlich für die Gesundheit von Senioren sein. Ob eine ähnliche Assoziation auch bei jüngeren Menschen besteht, müsste noch in weiteren Untersuchungen geklärt werden.

Wie immer in epidemiologischen Studien lässt sich nicht ganz ausschließen, dass andere Faktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum oder Drogen die Assoziationen erklären. Menschen, die diesen Faktoren ausgesetzt sind, könnten beispielsweise häufiger in Gegenden leben, in denen der Feinstaubgehalt der Luft höher ist. Das Case-Crossover-Design macht diese Erklärung allerdings eher unwahrscheinlich. © rme/aerzteblatt.de

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