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Medizin

Satralizumab: Weiterer Antikörper bei der Neuromyelitis optica wirksam

Freitag, 29. November 2019

Nahaufnahme eines Auges /Pavel Losevsky, stockadobecom
Bei Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) kann es je nach Manifestationsort unter anderem zu Visusminderung bis hin zur Erblindung kommen. Epileptische Anfälle, Paresen und Übelkeit sind ebenso Symptome. /Pavel Losevsky, stockadobecom

Tokio – Nachdem es lange Zeit keine befriedigende Behandlung der seltenen Auto­immunerkrankung Neuromyelitis optica gab, konnte in den letzten Monaten gleich für 3 Antikörper eine Senkung der Schubfrequenz belegt werden. Nach Eculizumab und Inebilizumab wurden jetzt im New England Journal of Medicine (2019; 381: 2114-2124) günstige Ergebnisse zu Satralizumab vorgestellt.

Die Neuromyelitis optica oder genauer Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) ist selten. In Deutschland leiden Schätzungen zufolge höchstens 2.000 Menschen daran. Frauen sind 9-mal so häufig betroffen wie Männer.

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Die NMOSD wurde lange für eine Variante der Multiplen Sklerose (MS) gehalten. Beide Erkrankungen beginnen häufiger mit Sehstörungen, die auf einer Entzündung des Sehnerven beruhen, beide verlaufen typischerweise schubförmig, und beide gehören zu den Autoimmunerkrankungen, die im Schub mit Kortison oder starken Immunsuppressiva behandelt werden.

Anders als die MS, die erst nach vielen Jahren bis Jahrzehnten zu neurologischen Ausfällen führt, verläuft die NMOSD häufig rasch. Die körperlichen Beeinträchtigungen, zu denen Muskelschwäche, Lähmungen und Erblindungen gehören, können sich innerhalb kurzer Zeit einstellen.

Während im Schub die gleichen Medikamente wie bei der MS eingesetzt werden, haben sich die MS-Medikamente zur Schubprävention wie Interferon beta, Natalizumab oder Fingolimod als unwirksam wenn nicht sogar als schädlich erwiesen.

Ursache von NMOSD und MS unterscheiden sich

Der Grund dürfte in der unterschiedlichen Pathogenese begründet sein. Die MS ist Folge eines Angriffs auf die Myelinscheiden, der vom zellulären Immunsystem getragen wird. Die Ursache der NMOSD war lange unklar. Mittlerweile scheint festzustehen, dass Autoantikörper die Immunattacken auslösen.

Bei den meisten Patienten sind diese Antikörper gegen den Aquaporin-4-Kanal gerichtet, der den Wasserhaushalt von Nervenzellen reguliert. Die Folge ist eine Kaskade von Immunreaktionen, die unterschiedliche Angriffspunkte für Medikamente bietet.

Im Juli wurden Studienergebnisse zu Eculizumab vorgestellt. Der Antikörper blockiert das Komplementsystem durch die Neutralisierung des Proteins C5. Die Schubfrequenz wurde so deutlich gesenkt, dass die Phase 3-Studie vorzeitig abgebrochen werden konnte (NEJM 2019; 381: 614-625).

Auch die Studie zu dem Anti-CD19-Antikörper Inebilizumab musste vorzeitig beendet werden, nachdem es in der Placebo-Gruppe 3-mal häufiger zu Krankheitsschüben gekommen war, die bei NMOSD häufig bleibende Schäden hinterlassen (Lancet 2019; 394: P1352-1363).

Jetzt stellen Takashi Yamamura vom nationalen Institut für Neurowissenschaften Japans in Tokio die Ergebnisse einer Phase-3-Studie zu Satralizumab vor. Der Antikörper neutralisiert Interleukin-6, das über verschiedene Mechanismen an der Entstehung der NMOSD beteiligt ist, unter anderem indem es die Entwicklung von Aquaporin-4-Antikörpern und schädlichen Immunzellen im Blut fördert.

An der Studie, die an verschiedenen neurologischen Zentren weltweit durchgeführt wurde, nahmen 83 Patienten teil, die auf eine Behandlung mit Satralizumab und Placebo randomisiert wurden. Beide Gruppen erhielten zusätzlich eine Basis-Immuntherapie, welche die Funktion des Immunsystems hemmt, jedoch allein nicht in der Lage ist, die Entzündung zu unterdrücken.

Weniger Krankheitsschübe unter Satralizumab

Wie Yamamura berichtet, erlitten in der Satralizumab-Gruppe 8 der 41 Patienten (20 %) einen erneuten Krankheitsschub. In der Placebo-Gruppe waren es 18 von 42 Teilnehmern (43 %). Yamamura ermittelt eine Hazard Ratio von 0,38, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,16 bis 0,88 hochsignifikant war.

Satralizumab wirkte besonders stark bei Patienten, bei denen der Aquaporin-4-Antikörper im Serum nachgewiesen worden war. Hier kam es in der Satralizumab-Gruppe bei 11 % der Patienten zu einem erneuten Schub gegenüber 43 % der Patienten in der Placebo-Gruppe (Hazard Ratio 0,21; 0,06 bis 0,75).

Die Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen vergleichbar. Der Hersteller rechnet sich deshalb gute Chancen auf eine baldige Zulassung aus, mit der in den USA und in Europa bereits im nächsten Jahr zu rechnen ist, nachdem die Arzneimittelbehörden einer raschen Bearbeitung der Anträge zugestimmt haben. © rme/aerzteblatt.de

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