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Psychiatrische Patienten können von Apps profitieren

Freitag, 29. November 2019

Worawut - stock.adobe.com

Berlin – Internetgestützte und mobilbasierte Diagnostik- und Interventionsmöglichkeiten finden in der Psychiatrie zunehmend Verbreitung. Häufig handelt es sich dabei um Angebote zur Selbsthilfe und Prävention, aber auch um Formate zur Selbstbeobachtung und Selbsterfassung von Symptomen durch die Patienten. Diese Apps und Chatformate können Patienten einen Nutzen bedeuten.

Darin waren sich die Experten bei der Diskussion zum Thema „Psychiatrie im digitalen Zeitalter – Big Data, big benefit“ im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) heute in Berlin einig. E-Mental-Health könne helfen, durch Algorithmen Stimmungen, Stressoren und Krankheitsverläufe präziser und frühzeitiger sowie ortsunabhängiger erkennen.

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„Die Verordnung von digitalen Gesundheitsanwendungen kann Patienten und Ärzten im Rahmen von Diagnostik und Intervention helfen, muss aber durch Ärzte oder Psychotherapeuten erfolgen, denn sie tragen letztlich die Verantwortung“, betonte die Neurologin und ärztliche Psychotherapeutin Iris Hauth, von 2015 bis 2016 DGPPN-Präsidentin. Dass Krankenkassen auch Apps verordnen könnten, sieht sie kritisch. „Es muss immer erst ein Erstkontakt zum Arzt erfolgen“, sagte sie. Dann hätte Big Data durchaus die Chance, die ärztliche Diagnostik zu verbessern – nicht nur in der Dermatologie und der Radiologie, sondern auch in der Psychiatrie. „Auch hier gibt es viele messbare Daten, wie beispielsweise den Hautwiderstand oder die Sprache, deren Analyse die Diagnostik unterstützen können“, sagte sie.

Die Zeit für das persönliche Arzt-Patienten-Gespräch darf nicht leiden

Dass Anwendungen des E-mental-Health Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten bei ihrer Arbeit unterstützen können, ist auch Ansicht von Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen und Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer. Die Systeme könnten zudem die Patientenautonomie stärken und Zeit für persönliche Zuwendung schaffen. „Sie sind aber kein Ersatz für eine ärztliche Indikationsstellung und dürfen nicht zu einer weiteren Kürzung der für das persönliche Arzt-Patienten-Gespräch verfügbaren Zeit führen“, betonte Gitter.

Wichtig ist der Kinderchirurgin zudem eine gute wissenschaftliche Validierung der Apps und Online-Interventionen. „Durch eine am nachweisbaren Patientennutzen orientierte Bewertung und Vergütung muss eine kommerzielle Ausrichtung der Entwicklung von elektronischen Anwendungen vermieden werden“, erklärte sie. Sonst könne der potenzielle Nutzen für die Patienten ins Gegenteil umschlagen. Zudem müssten Ärzten im Rahmen ihrer Aus- und Weiterbildung für die Nutzung solcher Tools qualifiziert werden.

Der Psychiater Andreas Meyer-Lindenberg, Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, wies auf den besonderen Schutz hin, den diese gesundheits­bezogenen Daten benötigen. „Die Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorgaben sollte für Ärzte wie Patienten transparent sein“, meinte er. Eine wissenschaftliche Bewertung und Prüfung der E-Mental-Health- Anwendungen hält er jedoch für schwierig, da es sich dabei um selbstlernende Systeme handele, die sich immer wieder veränderten.

Kristina Wilms, Gründerin des jungen Start-ups „Arya“, sieht in Apps ein großes Potenzial, Menschen mit psychischen Erkrankungen zu helfen. „Den Versorgungsprozess zu bewältigen, ist für Betroffene oft nicht leicht, sagte sie und verwies dabei auf ihre persönlichen Erfahrungen als Patientin mit Depression. Ihr Anliegen sei deshalb, wirklich nutzerzentrierte Produkte zu entwickeln, die Menschen im Alltag und während der Therapie optimal unterstützen können. © ER/aerzteblatt.de

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