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Medizin

Studie: PPI erhöhen Risiko auf Magen-Darm-Grippe

Freitag, 29. November 2019

/kanachaifoto, stock.adobe.com

Paris –Die Behandlung mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI) geht in den Wintermonaten mit einer erhöhten Zahl von akuten Gastroenteritiden einher. Dies zeigt eine Auswertung von Apotheken-Daten aus Frankreich in JAMA Network Open (2019; 2: e1916205).

PPI können die Magensäure-Produktion vollständig blockieren. Dies schützt die Patienten zwar vor Säureattacken auf die Schleimhaut im Magen und bei Sodbrennen in der Speiseröhre. Die Säureproduktion im Magen hat jedoch physiologische Aufgaben, zu denen unter anderem der Schutz vor Krankheitserregern zählt. Menschen, die regelmäßig und – wie viele Forscher kritisieren – häufig ohne Notwendigkeit PPI einnehmen, könnten deshalb ein erhöhtes Risiko auf gastrointestinale Infektionen haben.

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Anfälliger für Magen-Darm-Infekte

Zu den häufigsten Infekten gehört eine Magen-Darm-Grippe, die vor allem in den Wintermonaten auftritt. PPI-Anwender könnten sich leichter infizieren. Sie würden dann häufiger in der Apotheke nach bestimmten Medikamenten fragen wie Antiemetika, Probiotika, Prokinetika, Kohletabletten oder krampflösende Mittel.

Ana-Maria Vilcu von der Université Sorbonne in Paris hat diese Hypothese an der LTD-Kohorte (Longitudinal Treatment Dynamics) überprüft. Es handelt sich um eine Datenbank, die die Medikamentenabgaben an 7.000 Apotheken sammelt, die etwa 30 % der französischen Bevölkerung versorgen. In einer Kohortenstudie stellten die Forscher 233.596 Patienten, denen in den Wintermonaten 2015 und 2016 PPI verordnet worden waren, jeweils drei Personen gleichen Alters und Geschlechts gegenüber, die keine PPI-Anwender waren.

Ergebnis: 3.131 PPI-Anwender (1,3 %) erhielten in den beiden Wintern wenigstens ein Medikament zur Behandlung einer Magen-Darm-Grippe. In der Kontrollgruppe der Nicht-PPI-Anwender waren es 4.327 Personen (0,7 %), also relativ gesehen weniger. Vilcu ermittelt ein adjustiertes relatives Risiko (ARR) auf eine akute Gastroenteritis von 1,81, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,72 bis 1,90 signifikant war. Auf 153 PPI-Anwender kam eine zusätzliche Magen-Darm-Grippe („number needed to harm“).

Am meisten gefährdet waren ältere Patienten. Für die Über-75-Jährigen ermittelt Vilcu eine ARR von 1,98 (1,82 bis 2,15). Für die Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen betrug die ARR sogar 2,19 (1,98 bis 2,42) und für Personen zwischen 45 und 64 Jahren 1,66 (1,54 bis 1,80). Jüngere Anwender von PPI erkrankten nicht häufiger als andere an einer Magen-Darm-Grippe (oder kurierten diese nicht mit Mitteln aus der Apotheke).

Auch die Verordnung von Histamin-2-Rezeptor-Antagonisten, die die Magensäure-Produktion nur teilweise blockieren, war mit einem erhöhten Risiko auf eine akute Gastroenteritis in den Wintermonaten verbunden. Die ARR betrug hier 2,08. Das 95-%-Konfidenzintervall war wegen der selteneren Verordnung dieser Mittel mit 1,27 bis 3,39 relativ weit, der Zusammenhang aber statistisch signifikant.

Für die Editorialistin Mina Tadrous vom Women’s College Hospital in Toronto sind die Ergebnisse der Studie ein weiteres Argument für einen zielgerichtete Einsatz von PPI, die zu den am häufigsten verordneten Medikamenten gehören. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 30. November 2019, 08:52

Wissenschafts- und erkenntnistheoretischer Unsinn

"Association Between Acute Gastroenteritis and Continuous Use of Proton Pump Inhibitors During Winter Periods of Highest Circulation of Enteric Viruses" von Ana-Maria Vilcu et al. https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2755852
beschreibt, wie man es gerade nicht machen sollte:

Apotheken-Datensätze erlauben keinerlei diagnostische und therapeutische Rückschlüsse, da den Apothekern das dafür notwendige Rüstzeug bzw. die Heilkundeerlaubnis fehlen. Fahradhändler können i.d.R. in der Winterzeit bei sinkenden Umsätzen dies auch nicht auf "Magen-Darm-Grippe" zurück führen bzw. keine Daten zu angeblich Grippe fördernden, schädlichen Kfz-Emissionen liefern.

Wie genau ist denn die Diagnose-Sicherheit "Acute Gastroenteritis" durch EnterovIren in der Winterperiode oder "Magen-Darm-Grippe"? Wie viele larvierte Salmonellen-, Shigellen-, Campylobacter jejuni-, Yersinien- und sonstige Enteritis-Keime bzw. Dyspepsie-, GERD-, NERD-, Barrett- und Reizdarm-Symptome mit prädominanter Diarrhoe haben die Apotheken damit übersehen oder falsch zugeordnet?

Massenweise unkritische PPI-Verordnungen und die Freiverkäuflichkeit beliebiger Mengen in beliebig vielen Apotheken sind selbstverständlich deutlich zu kritisieren. Aber eine auf das doppelte aufgeblasene Vergleichsgruppe setzt die Autorenschaft der JAMA-Publikation dem Verdacht aus, ihre Studienergebnisse bereits vorfabriziert zu haben.

Denn derzeit wird in vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu einer regelrechten Hatz auf PPI's geblasen. Das kommt auch bei den Laien an, die wie hier mit "isabel45" belegt, selbst nach Magenteilresektion Ursache und Wirkung verwechseln.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund ( z.Zt. St. Moritz/CH)
Avatar #739272
isabel45
am Freitag, 29. November 2019, 21:26

PPI VORSICHT!!!! Vermeiden!!!!

So schnell und so lange man auch bei völlig undefinierbaren Magen/Bauchproblemen PPIs verschrieben bekommt(eigene Erfahrung!!!).....diese Dinger wenn möglich sehr schnell wieder vermeiden!
;Man hatte mir nach einer Magenteilresektion 9 (NEUN !!!) Jahre lang PPIs als unbedingt notwendig verschrieben. Mit dem Erfolg dass ich überhaupt nichts mehr verdauen konnte....nach Absetzung des Mittels blieb eine Verdauungsschwäche für immer,- mehr als eine halbe bis ganze Semmel auf einmal vertrage ich nicht mehr. Keine Mahlzeiten mehr möglich.Nur bestimmte leichtverdauliche , auch ballaststoffreiche Nahrung wird akzeptiert..
Dies zur info und zum HANDELN!!!!
LNS

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