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Medizin

Lassafieber in den Niederlanden, Kontaktpersonen auch in Deutschland in Quarantäne

Montag, 2. Dezember 2019

/jarun011, stock.adobe.com
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Stockholm – In den Niederlanden sind 2 Personen am Lassafieber erkrankt, von denen eine gestorben ist. Die beiden Angehörigen der Gesundheitsberufe hatten sich in Sierra Leone bei einer Operation infiziert. Da die Erkrankung erst nach der Rückkehr diagnostiziert wurde, werden derzeit zahlreiche Kontaktpersonen untersucht und bis zum Vorliegen der Testergebnisse isoliert.

Das Lassavirus wurde erstmals 1969 bei einer Krankenschwester in der Stadt Lassa im Norden Nigerias isoliert. Es ist heute in mehreren Ländern Westafrikas verbreitet. Zu den wichtigsten Endemiegebieten gehört neben Nigeria der westafrikanische Staat Sierra Leone. Dort haben sich vermutlich am 4. November während einer chirurgischen Operation 2 Niederländer mit dem Virus infiziert.

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Beide entwickelten am 11. November erste Symptome. Zu dieser Zeit (11. bis 12. November) hatten sie an einer internationalen chirurgischen Fortbildung in Sierra Leone teilgenommen. Dort hatten auch andere Personen aus den Niederlanden, Deutschland, Dänemark und Großbritannien teilgenommen. Diese Personen wurden bereits kontaktiert. Sie dürfen bis zum Vorliegen der Testergebnisse ihre Wohnungen nicht verlassen. Unter häuslicher Quarantäne stehen auch die 4 Besatzungsmitglieder einer deutschen Fluglinie, die den inzwischen verstorbenen Niederländer transportiert hatten.

Das Lassafieber ist in Westafrika vor allem in ländlichen Regionen verbreitet. Die Infektionen mit dem Lassavirus verlaufen meist asymptomatisch. Wenn es allerdings zu einer Erkrankung kommt, endet diese häufig tödlich. In Westafrika kommt es jedes Jahr schätzungsweise zu 300.000 bis 500.000 Erkrankungen und 5.000 bis 10.000 Todesfällen. Zu vereinzelten importierten Erkrankungen kommt es selten. In Deutschland wurden seit 1974 7 Krankheitsfälle bekannt.

In den Niederlanden wurden bis zum 28. November 132 Personen identifiziert. Darunter waren 19 Hoch-Risiko-Kontakte. Als solche gelten Personen, die mit Körperflüssigkeiten von Erkrankten in Berührung waren, also Ärzte/Pflegepersonen und Angehörige. 2 dieser Hoch-Risiko-Kontakte waren mit Linienflügen zurückgekehrt (als noch kein Verdacht geschöpft wurde). Die anderen Hoch-Risiko-Kontakte wurden mit Sonderflügen repatriiert.

Eine der Personen mit niedrigem Risiko ist inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt. Andere sind nach Dänemark und einer nach Norwegen gereist. Die britischen Behörden haben insgesamt 18 Risikokontakte identifiziert. Außerhalb Europas sind auch Personen nach Uganda und Indien gereist.

Wesentlicher Lassa-Überträger kommt in Europa nicht vor

Das Risiko einer Ausbreitung der Viren in Europa wird vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) als sehr niedrig eingestuft. Eine lokale Ausbreitung sei nicht möglich, da der wesentliche Überträger, die Vielzitzenmaus (Mastomys natalensis) in Europa nicht vorkommt. Das Nagetier ist in Westafrika verbreitet. Die Übertragung dort wird durch schlechte Wohnverhältnisse gefördert, die den Mäusen das Eindringen in die Häuser ermöglicht. Dort werden die Nahrungsmittel durch Urin und Exkremente kontaminiert. Der wichtigste Ratschlag für Touristen in ländlichen Regionen ist deshalb, auf saubere Nahrungsmittel zu achten.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch, die in Westafrika für etwa ein Fünftel der Erkrankungen verantwortlich ist, setzt einen engen Kontakt mit den Erkrankten oder deren Körperflüssigkeiten voraus, weshalb vor allem Angehörige der Gesundheitsberufe betroffen sind.

Dass die Gefahr einer lokalen Ausbreitung ernst genommen werden muss, zeigte sich 2016 bei einem aus Togo zurückgekehrten US-Bürger, der an einer Klinik in Köln am Lassafieber starb. Ein Beerdigungsunternehmer, der die Leiche für den Transport präparierte, infizierte sich, obwohl er Handschuhe trug, aber auf einen Mundschutz verzichtet hatte. Der Patient überlebte die Infektion (EuroSurveillance 2017; 22: pii=16-00728).

Bei dem Patienten war erst der 2. Test (Polymerasekettenreaktion) auf die Viren positiv ausgefallen. Das ECDC empfiehlt deshalb 2 Tests im Abstand von 4 Tagen, was die häusliche Quarantäne entsprechend verlängert. © rme/aerzteblatt.de

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