NewsPolitikMehr Verbesserungen für Menschen mit Behinderung nötig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Mehr Verbesserungen für Menschen mit Behinderung nötig

Montag, 2. Dezember 2019

/cunaplus, stockadobecom

Berlin – Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, drängt auf wei­te­re Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen. So müsse es endlich mehr barrie­re­freie Arztpraxen geben, sagte Dusel heute in Berlin. Zudem müsse barrierefreies Woh­nen endlich Standard werden. Für Arbeitgeber, die keine Menschen mit Behinderungen einstellten, müsse die Ausgleichsabgabe erhöht werden.

Dusel übergab heute entsprechende Teilhabeempfehlungen der Bundesregierung. Anlass ist die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention vor zehn Jahren. Vor rund zwei Jahren trat in Deutschland das Bundesteilhabegesetz in Kraft. Zudem gibt es seit 2002 das Behindertengleichstellungsgesetz. Kritiker bemängeln, dass private Bereiche wie Arztpraxen weitgehend ausgeklammert seien.

Anzeige

„Die Teilhabeempfehlungen sollen der Bundesregierung Hinweise geben, an welchen Stellen Handlungsbedarf besteht. Wichtig ist mir: Inklusion ist eine gesamtgesellschaftli­che Aufgabe – und damit ist sie auch eine gemeinsame Aufgabe aller Ressorts der Bun­desregierung“, sagte Dusel.

Auch auf Europäischer Ebene (EU) gab es vor dem morgigen Welttag der Menschen mit Behinderung den Ruf nach Verbesserungen. Die EU-Abgeordnete Katrin Langensiepen (Grüne) sprach sich zum Beispiel für die Einführung eines europäischen Behindertenaus­weises aus.

Transparentes Beurteilungssystem nötig

„Reisen, leben, arbeiten innerhalb der EU ist für viele Menschen mit Behinderung aktuell undenkbar“, sagte sie. Zu hoch sei das Risiko, dass in einem anderen Land der nationale Behindertenstatus nicht anerkannt und notwendige Leistungen wie eine Assistenz ver­wehrt würden.

„Das europäische Grundprinzip, sich frei in Europa zu bewegen, wird dadurch faktisch ausgehebelt. Das ist schlicht und einfach diskriminierend“, kritisierte die EU-Abgeordnete. Derzeit gebe es keine gegenseitige Anerkennung des Behindertenstatus zwischen den EU-Staaten, stattdessen definiere und beurteile jedes Mitgliedsland eine Behinderung selbst.

Um das zu ändern, müsse in der EU ein transparentes Beurteilungssystem geschaffen wer­­den, das in einem ersten Schritt die gegenseitige Anerkennung des nationalen Behin­dertenstatus erforderlich mache. Die Kommissarin für Gleichstellung, Helena Dalli, müsse dieses Vorhaben sowie die Einführung eines EU-Behindertenausweises in ihre Strategie für Menschen mit Behinderung für den Zeitraum 2020 bis 2030 aufnehmen, so Langen­siepen.

Seit 2016 wird ein europäischer Behindertenausweis in acht EU-Staaten getestet. Betei­ligt sind Belgien, Italien, Slowenien, Zypern, Estland, Finnland, Malta und Rumänien. Der Ausweis soll Menschen mit Behinderungen in allen teilnehmenden Staaten einen gleich­berechtigten, vergünstigten Zugang zu den Bereichen Kultur, Freizeit, Sport und Mobilität gewährleisten. Wer ein solches Dokument erhält, bestimmen die Länder selbst aufgrund ihrer Definition von Behinderung.

Ein belgischer Inhaber eines solchen EU-Behindertenausweises kann damit zum Beispiel unterschiedliche Vergünstigungen in Malta erhalten, etwa einen kostenlosen Audioführer oder Führungen in Gebärdensprache. Um welche Vergünstigungen es sich konkret han­delt, entscheidet die Einrichtung, die die Ausweise akzeptiert. Die EU-Kommission analy­siert das Pilotprojekt derzeit, um über eine mögliche Erweiterung nachzudenken.

In der EU leben rund 80 Millionen Menschen mit einer Behinderung. Die EU-Grundrechte­charta verbietet eine Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen und hält ihr Recht auf Integration fest. Gleichzeitig ist die EU auch Vertragspartei der UN-Behinder­ten­rechtskonvention, dem ersten internationalen, rechtsverbindlichen Instrument, das Mindeststandards für Menschen mit Behinderung bestimmt hat. Das Abkommen wurde von allen EU-Staaten ratifiziert. Darüber hinaus existiert eine eigene europäische Strate­gie zugunsten von Menschen mit Behinderungen.

Dennoch würden Menschen mit Behinderung immer noch in fast allen Lebensbereichen diskriminiert, so Langensiepen. 29 Prozent der Betroffenen leben demnach in Armut und erfahren soziale Ausgrenzung, nur 50 Prozent der behinderten Menschen haben eine An­stellung. Zudem seien Frauen mit einer Behinderung in Deutschland öfter von sexuellem Missbrauch betroffen als der Bevölkerungsdurchschnitt. © kna/may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #749998
MCS
am Dienstag, 3. Dezember 2019, 01:12

Mehr Verbesserungen für Menschen mit Behinderung nötig

Sehr geehrte Damen und Herren,
um welche Behinderungen geht es hier? Ich vermisse wie so oft MCS. Menschen mit MCS reagieren auf unterschiedliche Chemikalien. In Büchern der Neurotoxikologie wird tabellarisch aufgeführt, welche Chemikalien welche Symptome hervorrufen können. Außerdem finde ich, dass es auch wie bei einer Kreuzallergie funktioniert. Z. B.: Ich habe u. a. eine Latexallergie. Dazu kamen im Laufe der Jahre Kreuzallergien - ähnliche Eiweißmoleküle, die der Körper nicht auseinanderhalten kann. Dann kommt u. a. noch die Additive dazu. U. a. Weichmacher: Nicht nur die L-Handschuhe, sondern jetzt sind auch der Reifenabrieb ein Problem, Weichspüler usw. Diphenylguanidin: ein Teil davon phenyl oder gua in einem anderem chem. Produkt löst die gleichen Probleme aus - wie bei einer Kreuzallergie. Dann kommen noch die Allergien auf alle Desinfektionsmittel dazu, auch Alkohol. In allen öffentlichen Gebäuden und immer öfter auch in privaten Haushalten wird mit desinfektionshaltigen Mitteln gereinigt, Parfums und Rasierwasser - Alkohol lösen Gedächtnisschwund, Schwindel usw. aus und Darmblutungen. Ohne Arbeitsschutz damals wurden die Zytostatika ohne jeden Schutz zubereitet (Zellschäden). Dies alles zusammen hat mich so behindert in meinem Leben gemacht und arm, da die Richter meinen, dass das alles privaten Ursprungs ist. Allergiepässe von früher wurden nicht kopiert, sondern geschreddert, Blutabnahme, die nicht gemacht wurde, wurde von einem Labor, das es nicht gibt untersucht. Alle Befunde, die sowieso für meine Erkrankungen irrelevant waren, waren super. Vielleicht hat mal ein Arzt Interesse - darum schrieb ich das. Fehler bitte ich zu entschuldigen, aber ich bin froh, dass ich überhaupt wieder so gut schreiben kann - sehr langsam zwar. Ich hab so viel Zeit.
LNS

Nachrichten zum Thema

5. Dezember 2019
Berlin – Nach heftiger Kritik an einem Gesetz zur Reform der Reha- und Intensivpflege, hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) heute seine Reformpläne geändert. Demnach soll deutlicher formuliert
Spahn ändert nach Protest Reformpläne für Intensivpflegepatienten
4. Dezember 2019
Berlin – Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) hat für ein Miteinander von Kindern mit und ohne Behinderung geworben. „Eine inklusive Gesellschaft beginnt im Kindesalter: Wenn Kinder und
Inklusion: Giffey für Miteinander von Kindern mit und ohne Behinderung
29. November 2019
Bonn – Die Arbeitsmarktsituation für Menschen mit Behinderung hat sich laut Inklusionsbarometer 2019 verbessert. Dennoch haben Menschen ohne Behinderung die deutlich besseren Chancen auf einen Job,
Menschen mit Behinderung bei Jobsuche weiterhin im Nachteil
27. November 2019
München – Das Erste will künftig auch den überwiegenden Anteil der Programmtrailer mit Untertitel anbieten. Das kündigte der Bayerische Rundfunk (BR) heute in München an. Damit werde der Wunsch der
Das Erste baut Service für Gehörlose und Schwerhörige aus
27. November 2019
Bukarest – In Rumänien werden immer mehr Missstände in psychiatrischen Einrichtungen bekannt. In einem neuropsychiatrischen Rehabilitationszentrum für geistig Behinderte bei Urlati würden Patienten
Ministerin beklagt Isolation geistig Behinderter in Rumänien
7. November 2019
Berlin – Menschen, die während der nationalsozialistischen Diktatur als sogenannte „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ verfolgt oder in Konzentrationslagern inhaftiert worden sind, sollen als NS-Opfer
„Euthanasie“-Opfer sollten als Nazi-Verfolgte anerkannt werden
6. November 2019
Berlin – In Berlin kommt nur ein Drittel der öffentlichen und privaten Unternehmen der Verpflichtung nach, mindestens fünf Prozent der Stellen an schwerbehinderte Menschen zu vergeben. Die übrigen
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER