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Gynäkologen wollen Screeningstart für Zervixkarzinom verschieben

Montag, 2. Dezember 2019

/fotoliaxrender, stockadobecom

Berlin – Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) fordert, das neue Zervixkarzinom-Früh­er­kennungsprogramm nicht wie vorgesehen Anfang des neuen Jahres zu starten. „Trotz viel­facher Bemühungen der beteiligten Institutionen muss heute, einen Monat vor In­kraft­tre­ten der Neuregelungen in der Praxis, festgestellt werden, dass wesentliche Fragen zur Umsetzung des neuen und aufwändigen Zervixkarzinoms-Screenings offen sind und eine flächendeckende Versorgung nicht gewährleistet ist“, schreibt der Verband.

Er appelliert an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) „den Erfolg des organisier­ten Krebsfrüherkennungsprogramms nicht durch die vielen ungeklärten Fragen zur Pra­xisorganisation, Qualifikation, ausreichenden Finanzierung, zu den strukturellen Voraus­setzungen und zum Datenschutz der Patientinnen“ zu gefährden.

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Laut GKV-Spitzenverband arbeiten alle beteiligte Seiten daran, das Programm rechtzeitig beginnen zu lassen. Im Moment liefen noch Gespräche zwischen der Kassenärztlichen Bun­desvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband unter anderem zur Finanzierung der Abklärungskolposkopie sowie zu Anschaffungs- und Supportkosten.

„Wir sind zuversichtlich, dass wir termingerecht bis 31. Dezember 2019 eine Verständi­gung erreichen. Auch hier lässt sich Anfang Dezember kein strukturelles Problem ablei­ten, wenn die Frist noch gar nicht ausgeschöpft ist“, teilte der GKV-Spitzenverband dem Deutschen Ärzteblatt mit.

Dem Berufsverband zufolge gibt es Bundesländer, in denen nur ein bis zwei Ärzte abklä­rungskolposkopisch tätig sind beziehungsweise die entsprechende Qualifikation gemäß der neuen Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung Abklärungskolposkopie erwerben konnten. Vor diesem Hintergrund sei unklar, wie die die flächendeckende Versorgung gelingen solle.

Ungeklärt sei außerdem die Finanzierung der Abklärungskolposkopie und der neu konzi­pierten und in ihrem Umfang aufwändigen Krebsfrüherkennungsuntersuchung. Dies sei aber ein entscheidender Aspekt für eine flächendeckende und nachhaltige Versorgung. Zudem seien die notwendigen Softwaremodule noch nicht in die Arztinformationssys­te­me der Praxen implementiert. Die Anschaffungs- und Supportkosten dafür seien eben­falls ungeklärt, so der Verband.

„Insgesamt sind grundlegende Strukturfragen, Versorgungsfragen und Fragen des Daten­schutzes ungeklärt, die den geplanten Beginn des organisierten Krebsfrüherkennungs­pro­gramms „Zervixkarzinom“ am 2. Januar unmöglich machen“, so das Fazit des Berufs­ver­bandes.

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss hatte das Programm zur Früherkennung des Zervix­karzinoms im Herbst 2018 neu strukturiert. Neu ist laut KBV unter anderem, dass Frauen ab 35 alle drei Jahre Anspruch auf ein kombiniertes Screening, eine sogenannte Ko-Tes­tung, haben. Diese besteht aus einem PAP-Abstrich und einem HPV-Test. Bei der zytolo­gischen Untersuchung ist neu, dass sie künftig als konventioneller Abstrich oder mittels Dünnschichtverfahren durchgeführt werden kann.

Unabhängig von dem Screening können Frauen ab dem Alter von 20 Jahren weiterhin jährlich die klinische gynäkologische Untersuchung in Anspruch nehmen. Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren haben zudem wie bisher Anspruch auf eine jährliche zytologische Untersuchung. Ab 35 soll dann das kombinierte Screening einsetzen. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #107625
Bjoekah
am Mittwoch, 4. Dezember 2019, 01:18

Zervix Screening ab 01.01.2020

Leider lässt uns der Berufsverband völlig hängen, von der KV bekommt man nur nichts sagende Aussagen. Der BVF ist ein deconjunierter Jasager-Verein, man schaue sich nur die Gesichter der Protagonisten an. Es wird reagiert am 29.11.2019. Halbherzig. Lau. Lenorgespült. Dieser Berufsverband ist vollkommen unnötig. Wir Niedergelassen werden das nun als IGeL durchziehen oder untergehen. Eier zeigen oder ohne Eier in den Konkurs. Bei mir sieht es positiv aus, aber dieser Berufsverband gehört von seinen Mitgliedern wegen sträflicher Unterlassung verklagt und abgeschafft. Braucht der Gynäkologe wie Sandalen und Adidas-Socken am Strand.
Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 3. Dezember 2019, 16:54

Mitleid mit Frauenärzten!

Nicht, weil sie in wenigen Wochen Früherkennungsuntersuchungen vornehmen müssen, von denen sie heute noch gar nicht wissen, wie sie aussehen.
Selbst, dass in den EDV-System heute noch nichts hinterlegt ist und man pünktlich zum Quartalswechsel (oder auch einige Tage später) ein Softwareupdate zur Früherkennungsuntersuchung erhält, welches man schon im November 2019 hätte einspielen sollen.
Auch nicht, weil bezüglich des Dokumentationaufwandes der neuen Früherkennungsuntersuchungen nur klar ist, dass er drastisch ansteigen wird.
Selbst, dass völlig unklar ist, wie eine noch zu spezifizierende neue Leistung, honoriert werden wird.
Nicht einmal, weil man dem Frauenarzt mit den Honorarbestimmungen eine extrem hohe Regressgefahr aufdrückt. [Die Früherkennungsuntersuchung darf nur alle 3 Jahre gemacht werden. Führt ein Arzt bei einer Patientin eine solche durch (erstmaliger Besuch in der Praxis und gem. Angaben der Patientin liegt die letzte Früherkennung schon über 5 Jahre zurück) und stellt die Kassen dann ex post fest, dass die letzte Untersuchung vor einem Jahr bei einem anderen Frauenarzt in einem anderen KV-Gebiet stattfand, wird der Frauenarzt zum Regress verdonnert.
Frauenärzte kennen diese Art von Regress schon von den Schwangerschaften. Vergisst die Patientin die Wahrheit, erbringt der Arzt zwar alle Leistungen, aber diese werden von der Kasse Jahre später als Regress zurückgefordert. Begründung: Der Arzt hätte diese Leistungen nicht abrechnen dürfen. Wie der Arzt das hätte wissen sollen, darüber schweigen Kassen und KVen.]

Das sind zwar alles Gründe, deretwegen man
- den Kassen den Vogel zeigen könnte
- in Anlehnung an einen sächsischen Fürsten sagen könnte „dann macht doch euren Dreck alleene“
- den KVen die Zulassung vor die Füße werfen könnte
- die Durchführung dieser Leistung schlicht und ergreifend verweigern könnte
- ….. (noch beliebig zu ergänzen)
Das wären Handlungsoptionen für eine Facharztgruppe, die einen Arsch in der Hose hat. So wie in Teilen die HNO-Ärzte aus wirtschaftlichen Gründen die Tonsillotomien verweigen, Urologen die Zystoskopien nicht mehr erbringen und Radiologen in Bayern keine MRT machen, so könnten die Frauenärzte hier ein Exempel statuieren mit der Botschaft: So depp sind nicht einmal wir (Frauen-)Ärzte, dass wir ohne relevante Bezahlung solche Leistungen erbringen werden.

Mitleid könnte man mit den Frauenärzten haben, weil sie ganz offenkundig einen Berufsverband haben, der völlig panne ist. Seit über einem Jahr ist die Beschlusslage des GBA klar. Und dann fällt es dem Berufsverband kurz vor knapp ein, dass da was schief gehen wird. Man könnte sich natürlich auch auf den Standpunkt stellen, dass die Frauenärzte kein Mitleid verdient haben. Denn es waren schließlich die Frauenärzte selbst, die sich genau die Repräsentanten an die Spitze ihres Berufsverbandes gewählt haben, die das alles zugelassen haben. Wer sich solche Funktionäre wählt, den bestraft das Leben.
LNS

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