NewsPolitikKoalitionäre in Sachsen betonen Freiberuflichkeit der Ärzte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Koalitionäre in Sachsen betonen Freiberuflichkeit der Ärzte

Montag, 2. Dezember 2019

/guukaa, stock.adobe.com

Dresden – CDU, Grüne und SPD in Sachsen haben sich ausdrücklich zur Freiberuflichkeit der Ärzte und der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen bekannt. Man bekenne sich zu den beiden Prinzipien, heißt es im Koalitionsvertrag der drei neuen Regierungsparteien des Landes. Und man setzte sich dafür ein, „dass die Partner der Selbstverwaltung alle Spielräume im Sinne einer guten Patientenversorgung nutzen“.

Die sogenannte Kenia-Koalition kündigte in ihrem Vertrag eine Reihe von Vorhaben für das Gesundheitswesen an. Ein besonderes Augenmerk legen die Koalitionäre auf den ländlichen Raum. Dort seien neue Versorgungsformen notwendig wie beispielsweise Ge­sundheits­zentren, Medizinsche Versorgungszentren oder die „Poliklinik Plus“, heißt es in dem Papier.

Anzeige

Fördern will die künftige Landesregierung beispielsweise Praxisnetze, Digitalisierungs­pro­jekte und die Unterstützung von Ärzten durch besonders geschulte Praxisassistenten. „Die mögliche Delegation ärztlicher Tätig­keiten eröffnet dem mittleren medizinischen Personal neue berufliche Perspektiven“, lautet eine Formulierung im Koalitionsvertrag.

Der sieht zudem vor, dass mobile Versorgungsvarianten wie ein MediBus, als Möglichkeit, Menschen in abgelegeneren Regionen zu versorgen, geprüft werden. Um die ärztliche Ver­sorgung weiterhin sicherstellen zu können, will die Koalition unter anderem am be­stehenden Stipendienprogramm für Hausärzte festhalten. Eine Erweiterung auf Facharzt­gruppen soll geprüft werden. Ebenso soll ein Medizinstudium an der Universität Pécs in Ungarn weiter finanziert werden.

Angekündigt wird zudem eine Landarztquote im Medizinstudium. Damit wolle man „flä­chendeckend eine hochwertige medizinische Versorgung im ländlichen Raum“ sichern, sagte der Landesvor­sitzende der Sächsischen Union, Ministerpräsident Michael Kretsch­mer. Auch schaffe man für den ländlichen Raum ein neues, eigenes Ministerium.

Ausbauen wollen CDU, Grüne und SPD darüber hinaus die Versorgung psychisch kranker Menschen. Dem Krankenhaussektor verspricht die Koalition, in den nächsten fünf Jahren die Inve­ti­tionen zu erhöhen. Widmen will man sich zudem der Digitalisierung in den Kliniken und der Verbesserung der geriatrischen Versorgung.

Über das Personal der kommenden Regierungskoalition gibt es bisher keine offiziellen Äußerungen. Ob die bisherige Sozial- und Ge­sund­heits­mi­nis­terin Barbara Klepsch (CDU) ihr Amt weiterführen kann, ist unklar.

Der Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Erik Bodendieck, zeigte sich heute zu­frieden mit den Inhalten des Koalitionsvertrages und mit dem klaren Bekenntnis zu den Prinzipien der Freiberuflichkeit und der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. „Die Ko­alitionspartner haben die aus unserer Sicht wesentlichen Handlungsfelder identi­fiziert und aufgezeigt“, sagte er. Nun gelte es mit hoher Priorität die zum Teil schon angestoße­nen beziehungsweise laufenden Maßnahmen weiterzuverfolgen.

Mit der Sicherung der flächendeckenden Versorgung unter Mitwirkung der Kommunen, der Entwicklung neuer – sektorenübergreifender - Versorgungsformen, wie beispiels­wei­se Gesundheitszentren, der Unterstützung von Praxisnetzen neben der Sicherung selb­st­ständiger ärztlicher Tätigkeit, dem Abbau der Bürokratie bei den medizinischen und pfle­gerischen Berufen, dem Vorantreiben der Digitalisierung im Gesundheitswesen, dem Be­kenntnis zum öffentlichen Gesundheitsdienst und diversen weiteren Vorhaben, geben sich die Koalitionspartner ein umfangreiches Arbeitsprogramm für die Legislaturperiode. © may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #79783
Practicus
am Montag, 2. Dezember 2019, 23:50

Bisher

wurde die Freiberuflichkeit der Ärzte stets nur beschworen, wenn danach ein Frontalangriff auf eben diese erfolgte. Angefangen mit Seehofer, der aus der KV ein unentrinnbares Gefängnis für die Vertragsärzte machte, über alle seine Nachfolger bis hin zu Spahn: Ärzte sind Manövriermasse, mit der die Politik machen kann, was sie will - schließlich sind wir ja die Beutelschneider, die sich an der Gesundheit der Bevölkerung bereichern, wir haben gefälligst den Mund zu halten...
Avatar #550935
Dr. med. Armin Conradt
am Montag, 2. Dezember 2019, 19:37

Die Planwirtschaft ist wieder da.

Die neosozialistische Einheitspartei in Sachsen will "die Freiberuflichkeit der Ärzte erhalten". Hurra!
Was nützt "Freiberuflichkeit", wenn sie in einer Monopolstruktur der Krankenkassen stattfindet, wenn, wie in Sachsen 95% der Kunden Anspruch auf kostenfreie Behandlungen der GKV haben und wenn die Hohnorierung dieser Behandlung noch nicht einmal kostendeckend ist.
Erschwerend für den politisch verantworteten Ärztemangel kommt hinzu, dass das Honorar-Niveau nur 80% des Westniveaus beträgt. Also pro Behandlung nur ca. 10 Euro statt 13.
So lange diese ausbeuterisch niedrigen Kassenarzthohnorare nicht verdreifacht werden, nützen auch Polikliniken, Schwestern und Mobile Arztbusse nichts gegen den fortgesetzten Ärztemangel. Und es nützt auch keine Hetze von Politikern und Kassenfürsten.
LNS

Nachrichten zum Thema

5. Dezember 2019
München – Zur Deckung des Ärztemangels in Bayern gibt es ab sofort eine Landarztquote. Der heute vom Landtag mit großer Mehrheit beschlossene Gesetzentwurf der Staatsregierung sieht vor, vom
Bayern hat ab jetzt eine Landarztquote
4. Dezember 2019
Hannover – Im Kampf gegen den Ärztemangel hat sich Niedersachsens Ge­sund­heits­mi­nis­terin Carola Reimann (SPD) erneut für eine Landarztquote im Medizinstudium stark gemacht. „Wir brauchen in
Reimann plädiert erneut für Landarztquote in Niedersachsen
3. Dezember 2019
Düsseldorf – Der Strukturfonds, den die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) im Oktober des vergangenen Jahres eingerichtet hat, um freie Arztsitze schneller wieder besetzen zu können, kommt
Strukturfonds zur Niederlassungsförderung in Nordrhein kommt an
3. Dezember 2019
Saarbrücken – Betriebliche Gesund­heits­förder­ung gelingt in Krankenhäusern und in Pflegeeinrichtungen häufig nur schleppend. Das geht aus einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie des
Krankenhäuser und Pflegeheime hinken bei Gesundheitsförderung der Mitarbeiter hinterher
3. Dezember 2019
Jena – Trotz Engpässen bei der der ärztlichen Versorgung in ländlichen Regionen sind die Menschen in Thüringen mit der eigenen Gesundheit sowie der medizinischen Versorgung in Thüringen und in
Thüringer trotz Ärztemangels mit Versorgung überwiegend zufrieden
28. November 2019
Hürup – Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) im Amt Hürup erhält rund 460.000 Euro aus dem Versorgungssicherungsfonds des Landes Schleswig-Holstein. Der entsprechende Förderbescheid ist gestern
Pflegeeinrichtung übernimmt Hausarztversorgung
26. November 2019
Berlin – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, hat für „kreative Lösungen“ geworben, um dringend benötigte Hausärzte für ländliche Gebiete zu gewinnen. „Man könnte darüber
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER