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Initiative tilgt Medizinschulden armer Amerikaner

Dienstag, 3. Dezember 2019

Die Gründer der 2014 ins Leben gerufenen Initiative RIP Medical Debt, Craig Antico (links) und Jerry Ashton (rechts), machen sich ihr jahrelanges Insiderwissen aus dem Inkassogeschäft zunutze. Jedes Jahr verschicken sie Briefe, in denen sie die Schulden für unbezahlte Krankheitskosten tilgen. /picture alliance
Die Gründer der 2014 ins Leben gerufenen Initiative RIP Medical Debt, Craig Antico (links) und Jerry Ashton (rechts), machen sich ihr jahrelanges Insiderwissen aus dem Inkassogeschäft zunutze. Jedes Jahr verschicken sie Briefe, in denen sie die Schulden für unbezahlte Krankheitskosten tilgen. /picture alliance

Chicago – Kurz vor Thanksgiving hat die protestantische „Trinity United Church of Christ“ in Chicago fast 6.000 Familien im Cook County ihre Schulden erlassen. Pfarrer Otis Moss beziffert den Betrag auf 5,3 Millionen US-Dollar, mit denen die Kirche in Zusammenarbeit mit der Initiative „RIP Medical Debt“ (Ruhe in Frieden) existenzbedrohende Kosten für Arzt- und Krankenhausrechnungen der „Ärmsten der Armen“ tilgte.

Mit Blick auf die dramatische Verschuldungsquote vieler armer US-Amerikaner durch un­bezahlte Arztrechnungen nannte Moss die Zeit gekommen, „den moralischen Kompass“ wieder einzunorden. Mit der Spende will er ins öffentliche Bewusstsein rücken, was Ver­schuldung durch Krankheit bedeutet und die auch im Wahljahr zum Thema machen.

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Das Konzept der RIP-Initiative: Sie kaufen medizinische Schulden von Gesundheitsdienst­leistern auf, die diese kaum eintreiben können. Allerdings zahlt die RIP-Initiative nur ei­nen kleinen Teil der jeweiligen Summen und erlässt sie dann den Schuldnern. Die Gläu­biger lassen sich darauf ein, weil sie so wenigstens eine Teilsumme zurückbekommen.

Für einen Spendendollar der Chicagoer Gemeinde übernahm RIP die Tilgung von 142 Dollar an Medizinschulden. Für 38.000 Dollar konnte die Trinity-Kirche damit mehr als fünf Millionen Dollar Medizinschulden auslösen.

Für einen Schuldenerlass bewerben können sich bei RIP alle, deren Verdienst unterhalb der Armutsgrenze von 25.000 US-Dollar jährlich für eine vierköpfige Familie liegt und deren Schulden fünf Prozent oder mehr des Nettoeinkommens ausmachen. Auch wer mehr Außenstände als Vermögenswerte belegen kann, kommt für RIP als Empfänger in­frage.

Medizinschulden verursachen 60 Prozent der US-Privatinsolvenzen

Jeder fünfte US-Amerikaner kämpft mit medizinischen Schulden. Kosten für Ärzte und Kran­kenhäuser sind der Grund für 60 Prozent aller US-Privatinsolvenzen. Mehr als 40 Pro­zent der Bevölkerung können nicht einmal 400 US-Dollar für Notfallkosten aufbringen.

Anfangs operierte RIP nur mit einem Budget von ein paar tausend Dollar. Nach einem TV-Auftritt explodierten dann die Spendeneinnahmen. Für dieses Jahr strebt der in New York registrierte Verein ein Budget an, das eine Milliarde Dollar an Medizinschulden erlassen könnte.

Neben Trinity machen laut RIP-Mitbegründer Craig Antico bereits 68 Kirchen mit, rund 200 weitere Gemeinden haben Interesse gezeigt, die Initiative zu unterstützen. Der Vor­teil besteht für die Kirchen in der Hebelwirkung der Spendengelder. Damit sind auch kleine Kirchengemeinden in der Lage, Hunderte Familien vor dem Bankrott zu retten. © kna/aerzteblatt.de

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