NewsMedizinOlaparib zeigt Wirkung beim kastrations­resistenten Prostatakarzinom
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Olaparib zeigt Wirkung beim kastrations­resistenten Prostatakarzinom

Mittwoch, 4. Dezember 2019

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Chicago und London – Der PARP-Inhibitor Olaparib, der die DNA-Reparatur in Krebszellen verhindert, kann neben dem Ovarial- und Mammakarzinom der Frau auch beim Prostata­karzinom des Mannes das Tumorwachstum vorübergehend stoppen. Dies zeigen 2 klini­sche Studien, von denen eine auf dem Europäischen Krebskongress (ESMO) in Barcelona vorgestellt und die andere jetzt in Lancet Oncology (2019; doi: 10.1016/S1470-2045(19)30684-9) publiziert wurde. Voraussetzung für eine Wirkung ist ein Ausfall der „DNA Damage Response“ etwa durch BRCA1/2-Mutationen.

PARP-Inhibitoren, deren erster Vertreter Olaparib ist, wurden ursprünglich zur Behand­lung von Krebserkrankungen bei Frauen mit BRCA1/2-Mutationen entwickelt. Diese Mu­ta­tionen sind nicht nur für Brustkrebs und Ovarialkarzinome, sondern auch für einen Teil der Prostatakarzinome verantwortlich.

Anzeige

BRCA1/2-Mutationen sind einerseits Ursache der Neoplasie, weil sie die Reparatur der im Lauf des Lebens unvermeidlichen Mutationen verhindern. Andererseits schwächen sie die Krebszellen, in denen sich infolge der raschen Zellteilungen schneller Mutationen anhäu­fen. Die Krebszellen müssen dann auf andere Formen der „DNA Damage Response“ (DDR) ausweichen, an denen unter anderem die Poly(ADP-ribose)-Polymerasen (PARP) beteiligt sind. Dieser Ausweg wird durch PARP-Inhibitoren wie Olaparib versperrt.

Nachdem das Prinzip sich beim Ovarial- und Mammakarzinom mit BRCA1/2-Mutationen oder anderen DDR als erfolgreich erwiesen hat, wird derzeit mit dem Prostatakarzinom ein weiteres Einsatzgebiet untersucht.

An der „PROfound“-Studie nahmen 387 Patienten mit kastrationsresistentem Prostata­karzinom teil, bei denen mindestens eine von 15 verschiedenen DDR in Tumorproben nachgewiesen worden war. Die Patienten wurden in der offenen Phase 3-Studie auf die Standardbehandlung mit Enzalutamid oder Abirateron oder auf eine Behandlung mit Olaparib randomisiert.

Wie Maha Hussain vom Robert H. Lurie Comprehensive Cancer Center in Chicago Ende September auf der ESMO-Tagung in Barcelona berichtete, wurden die besten Ergebnisse bei Patienten mit BRCA1/2-Mutationen erzielt. Hier vergingen in der Olaparib-Gruppe 7,39 Monate bis zur erneuten radiologischen Tumorprogression gegenüber nur 3,55 Mo­na­ten unter der Standardbehandlung.

Die Hazard Ratio von 0,34 war mit einem 95-%-Konfidenz­intervall von 0,25 bis 0,47 sta­tistisch hochsignifikant. Die Überlebenszeit wurde von 15,11 Monate unter der Standard­behandlung auf 18,5 Monate in der Olaparib-Gruppe verlängert (Hazard Ratio 0,64; 0,43 bis 0,97). Bei den Patienten mit anderen DDR waren die Ergebnisse nicht ganz so günstig. In der Gesamtgruppe blieben die Vorteile gegenüber der Standard­behandlung jedoch signifikant.

Die jetzt vorgestellten Ergebnisse der „TOPARP-B“-Studie bestätigen die gute Wirksamkeit von Olaparib. An der Phase 2-Studie nahmen 98 Patienten teil, die mit 2 unterschied­li­chen Dosierungen von Olaparib behandelt wurden. Wie in der „PROfound“-Studie wurden die besten Ergebnisse bei Patienten erzielt, bei denen BRCA1/2-Mutationen vorlagen.

In dieser Gruppe kam es nach den von Johann de Bono vom Institute of Cancer Research in Sutton vorgestellten Ergebnissen bei 83,3 % der Patienten mit BRCA1/2-Mutationen entweder zu einer Verbesserung des radiologischen Befundes, zu einem Rückgang des PSA-Werts um mindestens 50 % oder zu einer Abnahme der im Blut nachgewiesenen zirku­lierenden Krebszellen auf unter 5 Zellen pro 7,5 ml Blut (den 3 Kriterien für ein Ansprechen der Therapie).

Von den Patienten mit PALB2-Mutationen sprachen 57,1 % auf die Behand­lung an, bei ATM-Mutationen waren es 36,8 %, bei CDK12-Mutationen 25,0 % und bei den übrigen DDR 20,0 % der Tumore.

Das mediane Gesamtüberleben mit Olaparib betrug 17,7 Monate bei Patienten mit BRCA1/2-Mutationen, verglichen mit 16,6 Monaten bei Männern mit ATM-Mutationen und 13,9 Monaten bei Patienten mit PALB2-Mutationen.

Für diese Ergebnisse müssen die Patienten einige Nebenwirkungen ertragen. Am häufigs­ten kam es zu Anämien, Übelkeit, Müdigkeit/ Asthenie, vermindertem Appetit und Durch­fall. In der „PROfound“-Studie brachen 16 % der Patienten die Behandlung wegen Neben­wirkungen vorzeitig ab. In der „TOPARP-B“-Studie starb ein Patient 11 Tage nach Behand­lungsbeginn an einem Herzinfarkt, der nach Einschätzung der Prüfärzte auf die Behand­lung mit Olaparib zurückzuführen war.

Ein weiteres Einsatzgebiet von Olaparib könnte das Pankreaskarzinom sein. Die im Juni veröffentlichten Ergebnisse der POLO-Studie haben gezeigt, dass der PARP-Inhibitor die Progression des in der Regel Chemotherapie-resistenten Tumors verlangsamen kann. © wis/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

24. Januar 2020
Berlin – Auch Daten aus elektronischen Patientenakten und aus den Abrechnungen der Krankenkassen sollten in die Bewertung des Zusatznutzens neuer Arzneimittel einfließen. Dafür hat sich heute in
Pharmaverband will breiteres Spektrum an Versorgungsdaten zur Nutzenbewertung
22. Januar 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) will Hinweise für Ärzte zur Austauschbarkeit von biologischen Referenzarzneimitteln durch Biosimilars im November vorlegen. Das kündigte die
Hinweise zur Austauschbarkeit von Biosimilars sollen im November vorliegen
16. Januar 2020
Berlin – Arzneimittel gelangen aufgrund von Ausscheidungen, aber auch durch unsachgemäße Entsorgung in Gewässer und das Grundwasser. Eine Gesundheitsgefährdung für Menschen besteht Wissenschaftlern
Forscher sehen keine Gefahr durch Arzneimittelrückstände im Trinkwasser
10. Januar 2020
Berlin – In der Debatte um Lieferengpässe bei Medikamenten macht sich der Apothekerverband ABDA erneut für eine verstärkte Arzneimittelproduktion in Europa stark. „Auf längere Sicht sollten
Apotheker für Produktion von Arzneimitteln in der EU
9. Januar 2020
Berlin – Angesichts anhaltender Lieferprobleme bei Arzneimitteln setzen sich die Grünen im Bundestag dafür ein, bestehende Meldepflichten für Lieferengpässe auszuweiten und ein zentrales Register beim
Arzneimittelengpässe: Grüne wollen Meldepflichten ausweiten
20. November 2019
Sydney – Die regelmäßige Einnahme von Statinen hat in einer prospektiven Beobachtungsstudie die kognitiven Fähigkeiten von älteren Patienten nicht beeinträchtigt. Bei Patienten mit Herzerkrankungen
Studie findet keine Hinweise auf kognitive Störungen im Alter durch Statineinnahme
18. November 2019
Istanbul/Zürich – Der Phosphodiesterase 4 (PDE4)-Hemmer Apremilast, der zur Behandlung der Psoriasis zugelassen ist, hat in einer Phase 3-Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2019; 381:
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER