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Darmkrebs: Vorsorgezeitraum für Frauen sollte verlängert werden

Mittwoch, 4. Dezember 2019

/dpa

Berlin – Die Früherkennung von Darmkrebs ist für Frauen zu kurz gehalten und sollte über das 75. Lebensjahr hinausgehen. Das erklärten Experten heute auf der Jahrespresse­konferenz der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) in Berlin.

„Die Erkrankungsrate steigt bei Frauen nach dem 75. Lebensjahr noch einmal an“, sagte Thomas Schiedeck, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax und Kinderchirurgie am Klinikum Ludwigsburg.

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„Wir finden speziell bei älteren Frauen viele große Tumoren im rechtsseitigen Darm, die bei Darmspiegelung und Stuhltests nicht aufgefallen sind. Bei Frauen muss deshalb das Vorsorgefenster verlängert werden“, erklärte er weiter.

Bei Männern dagegen beginne die Darmkrebsvorsorge mit 50 Jahren tendenziell zu spät, so Schiedeck. Mehr und mehr Studien zeigten einen Einfluss des Geschlechts auf die Vor­sorge, Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen. Doch bislang hätten diese Er­kenntnisse noch keinen Eingang in aktuelle Strategien gefunden.

Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Darmkrebspatienten gibt es zum Beispiel hinsichtlich Erkrankungshäufigkeit und Erkrankungsalter. So liegt die Prävalenz von Darmkrebserkrankungen bei über 75-Jährigen Männern bei 7.477/100.000 – aber bei über 75-jährigen Frauen bei 4.438/100.000.

Frauen erkranken im Schnitt später an einem kolorektalen Karzinom. „Es ist bekannt, dass Östrogen die Tumorprogression bei Darmkrebs verhindert“, so Schiedeck. „Deshalb er­kran­ken Frauen erst nach der Menopause.“ Trifft es sie dann aber, sind „andere Abschnitte des Darms betroffen, die aggressivere Tumorformen ausbilden“.

Aber nicht nur Prävalenz und Erkrankungsalter unterscheiden sich zwischen den Ge­schlech­tern, wie Schiedeck klarstellte. Männer und Frauen können auch unterschiedlich auf Chemo- und Immuntherapien ansprechen.

Die wichtigste Maßnahme zur Heilung einer Darmkrebserkrankung ist die Operation. Ne­ben der Ernährung beeinflussen auch chemotherapeutische Konzepte die Operations­chan­cen und -risiken. Auch hier – bei der Wirkungsweise oder dem Risikoprofil der Che­mo­therapie – spielt das Geschlecht der Betroffenen eine immer wichtigere Rolle.

„Es gibt Situationen, in denen Darmtumoren bei weiblichen Patienten weniger auf eine Chemotherapie reagieren“, so Schiedeck. Dann stelle sich die Frage, inwiefern die Be­troffe­nen durch eine genderbe­dingt schlecht wirkende Therapie unnötig belastet werden würden.

Den größten Einfluss hat das Geschlecht aktuellen Daten zufolge bei der Immuntherapie. „Wir wissen heute, dass die Immunkompetenz durch das X-Chromosom vermittelt wird“, berichtete Schiedeck. Immuntherapien sprächen bei ihnen deshalb mitunter besser an.“

„In den letzten zehn Jahren haben wir intensiv an der Standardisierung von Tumorthera­pien gearbeitet“, so Schiedeck. Doch jetzt müsse dennoch darüber nachgedacht werden, ob ein Behandlungskonzept für männliche und weibliche Patienten ausreicht.

„Diese Entscheidung hängt aber letzten Endes auch von dem individuellen genetischen Profil ab, nicht nur von dem Geschlecht, weshalb eine genetische Analyse immer wichtiger wird“, betonte Schiedeck. © nec/aerzteblatt.de

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