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Politik

Behandlung von Demenzkranken: „Eine mitfühlende Haltung entwickeln“

Donnerstag, 5. Dezember 2019

/highwaystarz, stock.adobe.com

Essen – Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) hat dazu aufgerufen, Demenzkranken auf Augenhöhe zu begegnen. Das Leitbild des Handelns solle dabei sein, Menschen mit Demenz verstehen zu wollen. Das geht aus der Grundsatz­stellungnahme „Menschen mit Demenz – Begleitung, Pflege und Therapie“ des MDS hervor. „Es geht darum, eine Beziehung aufzubauen und jenseits aller Fachlichkeit eine mitfüh­lende Haltung gegenüber dem Menschen mit Demenz zu entwickeln“, sagte Andrea Kimmel, Seniorberaterin Pflege beim MDS, heute bei der Vorstellung der Stellungnahme vor Jour­nalisten in Berlin.

Im Jahr 2008 hat der MDS die erste Auflage der Grundsatzstellungnahme als Praxisleitfaden für die stationäre Pflege veröffentlicht. Die nun überarbeitete Version fasst die aktuellen fachlichen Standards für die medizinische und pflegerische Versorgung von Menschen mit Demenz zusammen.

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„Menschen mit Demenz sind stark auf andere Personen angewiesen, die sie immer wieder aufs Neue in die Welt zurückholen müssen“, sagte Kimmel. Für die Angehörigen sei das keine leichte Aufgabe, zumal ihnen oft das Fachwissen über den richtigen Umgang mit Demenzkranken fehle. Kimmel rief Ärzte, Pflegeberater und Pflegedienstmitarbeiter dazu auf, pflegende Angehörige durch gezielte Beratung zu entlasten.

Der Geschäftsführer des MDS, Peter Pick, forderte, nicht-medikamentöse Verfahren wie das Training kognitiver Funktionen und von Alltagsaktivitäten, Verfahren zur Beziehungs­ge­staltung und zur körperlichen Aktivierung stärker in der Therapie und Begleitung von Menschen mit Demenz zu verankern. „An vielen Stellen sollte den nicht-medikamentösen Verfahren eine Priorität gegenüber medikamentösen Verfahren eingeräumt werden“, sagte Pick. „Dabei müssen wir uns im Klaren sein, dass nicht-medikamentöse Verfahren personal- und zeitintensiv sind, sodass hierdurch Fragen der Personalbemessung und -besetzung angesprochen sind.“

Die medikamentöse Behandlung von Demenzerkrankungen sei ein wesentliches Element einer umfassenden Therapie, sagte Kimmel. Dennoch gelte es, den Nutzen und die Risiken der Medikamentenversorgung, insbesondere bei längerfristigem Einsatz, in jedem Einzelfall abzuwägen und gerade bei psychischen Verhaltenssymptomen nicht-medikamentöse Verfahren als Alternative zu prüfen. „Aus Studien wissen wir, dass über die Hälfte aller Heimbewohnerinnen und -bewohner Psychopharmaka erhalten – oftmals ohne dass der Ursache für sogenanntes herausforderndes Verhalten nachgegangen wird. Dabei kommt es darauf an, zu fragen: Wer ist der Mensch mit Demenz und was könnte ihm in der konkreten Situation helfen?“, so Kimmel.

„Darüber hinaus müsse das Thema Demenz vermehrt sektorenübergreifend gedacht werden: von der Pflegeberatung über die Pflege, in der Haus- und Facharztpraxis ebenso wie in den Krankenhäusern“, sagte Pick. Wichtig sei die Vernetzung und Kooperation.

Derzeit leben etwa 1,7 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland. Bis zum Jahr 2030 könnten es zwei Millionen, bis 2050 knapp drei Millionen sein. Zwei Drittel der Betroffenen werden dem MDS zufolge von ihren An- und Zugehörigen im häuslichen Umfeld versorgt, ein Drittel lebt in Pflegeheimen. Der Anteil der Heimbewohnerinnen und -bewohner mit Demenz liegt bei etwa 70 Prozent. © fos/aerzteblatt.de

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