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Politik

BKKen fordern mehr Aktivitäten von Unternehmen zum Erhalt der psychischen Gesundheit der Mitarbeiter

Donnerstag, 5. Dezember 2019

/zinkevych, stock.adobe.com

Berlin – Der Anstieg der Arbeitsunfähigkeits(AU)-Tage aufgrund psychischer Störungen hält bei BKK-versicherten Arbeitnehmern unverändert an: sie haben sich seit 2008 mit 129 % mehr als verdoppelt. „Psychische Erkrankungen haben mit aktuell durchschnittlich 37 Fehltagen je Fall auch die längsten Ausfallzeiten“, sagte Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbands, heute bei der Vorstellung des BKK-Gesundheitsreports in Berlin. Im Jahr 2018 wurden 15,7 Prozent der AU-Tage werden durch eine psychische Erkrankung verursacht, das macht sie zur drittgrößten Ursache für Fehltage unter den BKK-Versicherten nach Atem­wegserkrankungen (16,4 Prozent) und Muskel-Skeletterkrankungen (23,8 Prozent).

Mehr als 90 Prozent der AU-Tage aufgrund psychischer Erkrankungen sind dem BKK-Report zufolge den Diagnosen Depression, Angststörungen, Zwangsstörungen und somatoforme Belastungsstörungen zuzuordnen. Die „depressive Episode“ (F-32) ist dabei die bedeu­tendste Einzeldiagnose.

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„Die Prävalenz psychischer Erkrankungen ist zwar seit Jahren stabil, aber die Abrechnungs­zahlen steigen an“, konstatierte Knieps. Auch wenn Arbeitslosigkeit der größte Risikofaktor für eine psychische Erkrankung ist, brauchen wir mehr Aktivitäten, damit die Betriebe präventiv für ihre Arbeitnehmer tätig werden“, forderte er. Bisherige Angebote müssten bedarfsgerechter ausgestaltet, und neue Angebote in die Fläche gebracht werden.

Risiko für psychische Erkrankungen bei Gesundheitsberufen hoch
Branchen und Berufe, die einer hohen psychosozialen Belastung ausgesetzt sind, haben dem Gesundheitsreport zufolge das höchste Risiko für eine psychische Erkrankung der Beschäftigten. Mit 4,09 Fehltagen je Mitarbeiter stehen dabei die Sicherheitsberufe an der Spitze, gefolgt von Gesundheitsberufen (3,64) und Reinigungsberufen (3,59).

Autonomie und selbstbestimmtes Arbeiten gilt als wichtiger Schutzfaktor vor psychischen Erkrankungen. Darauf wies Holger Pfaff, Direktor des Instituts für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft an der Universität Köln hin. Monotones Arbeiten und geringe Eigenverantwortung führten im Gegenzug zu einem höheren Risiko.

Mangel an Wertschätzung für Mitarbeiter in deutschen Unternehmen
Zuträglich für den Erhalt der psychischen Gesundheit im Arbeitsleben ist Pfaff zufolge Lob und Anerkennung durch Führungskräfte beziehungsweise den Arbeitgeber. Hier sieht er jedoch ein Manko: „Es mangelt immer noch an Wertschätzung für die Mitarbeiter in deutschen Unternehmen.“ Auch ein positives Klima unter Kollegen mit gegenseitiger sozialer Unterstützung könne das Risiko für psychische Erkrankungen minimieren.

Ein besonderes Problem sieht der Medizinsoziologe auch im sogenannten Präsentismus. Das heißt, Mitarbeiter kommen mit psychischen Erkrankungen, beispielsweise Depres­sionen, zur Arbeit und können dort aber nicht das leisten, was gefordert ist. Dies habe für die Unternehmen enorme ökonomische Verluste zufolge.

„Wichtig ist ein betriebliches Versorgungsmanagement, das ermöglicht, Betroffene schnell in psychotherapeutische Behandlung zu bringen“, erklärte Pfaff. Große Unternehmen könnten eine „psychosomatische Sprechstunde“ auf dem Betriebsgelände einrichten. Kleine und mittelständige Unternehmen hätten solche Möglichkeiten nicht.

Der Vorstand des BKK-Dachverbands Knieps wies auf psyGA hin, dem Portal für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Hier finden Führungskräfte, Mitarbeiter und Fachkräfte des Betrieblichen Gesundheitsmanagement Handlungshilfen, mit denen Sie gezielt die psychische Gesundheit Ihrer Mitarbeiter fördern können: https://www.psyga.info

Psychiater fordern Prävention, rechtzeitige Therapie und effektive Reha
Für die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nerven­heilkunde (DGPPN) sind die im BKK-Report genannten Zahlen „ein Alarmzeichen“. „Sie zeigen nachdrücklich die gesamtgesellschaftliche Relevanz des Themas und die Notwen­digkeit weiterer Anstrengungen auf“, heißt es in einer Pressemitteilung der Fachgesell­schaft. Der Schlüssel zur Vermeidung von AU-Fällen und auch Frühverrentungen liege in der Stärkung von Präventionsmaßnahmen, einer rechtzeitigen und bedarfsgerechten Therapie und einer effektiven Rehabilitation von psychischen Erkrankungen.

Hierzu sollten Konzepte wie das Supported Employment, das Betroffene darin unterstützt, möglichst schnell wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, noch stärker gefördert und flächendeckend umgesetzt werden, fordert die DGPPN. © PB/aerzteblatt.de

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