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Medizin

Wirbelmetastasen: Einmalige Bestrahlung kann Gehfähigkeit wiederherstellen

Donnerstag, 5. Dezember 2019

eldarnurkovic - stock.adobe.com

London – Eine Radiotherapie hat in einer randomisierten Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2019; 322: 2084-2094) die Gehfähigkeit der meisten Krebspatienten mit Wirbelmetastasen in den letzten Lebenswochen erhalten oder wieder hergestellt. Eine einmalige Bestrahlung erzielte dabei nur unwesentlich schlechtere Ergebnisse als eine höher dosierte Radiotherapie mit fünf Bestrahlungsterminen.

Brust-, Lungen- und Prostatakrebs streuen häufig in die knöcherne Wirbelsäule. Eine mögliche Folge sind Kompressionen des Spinalkanals. Die Patienten leiden nicht nur unter starken Schmerzen, die durch Opiate behandelt werden können. Es kommt auch häufig zu Lähmungen, die die Lebensqualität der Patienten stark einschränken.

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Eine Radiotherapie kann in dieser Situation die Metastasen zurückdrängen. Viele Patienten erlangen noch einmal ihre Gehfähigkeit zurück, was ihre Lebenssituation und die Palliativ­pflege erleichtert. An vielen Zentren erhalten die Patienten derzeit 20 Gray, die auf 5 Teilbestrahlungen von jeweils 4 Gray aufgeteilt werden. Für viele Patienten ist die Behand­lung infolge der täglichen Anreise mit zusätzlichen Belastungen verbunden, wenn nicht sogar ein stationärer Aufenthalt notwendig wird.

Die American Society for Radiation Oncology (ASTRO) schlägt deshalb als Alternative eine einzelne Bestrahlung mit 8 Gray vor. Die SCORAD-Studie hat beide Varianten einem direkten Vergleich unterzogen. An 42 Zentren in Großbritannien und fünf Kliniken in Australien nahmen insgesamt 686 Patienten mit krebsbedingter Spinalkanalstenose an der rando­misierten Studie teil. Der primäre Endpunkt war die Gehfähigkeit 8 Wochen nach der Behandlung.

Peter Hoskin vom Vernon Cancer Centre in Northwood konnte zu diesem Zeitpunkt noch 342 Patienten untersuchen. 255 waren bereits an ihrem Krebsleiden gestorben. Nach der einzelnen Bestrahlung waren 115 von 166 Patienten (69,3 %) in der Lage, sich ohne Hilfen fortzubewegen. Darunter waren 12 Patienten (7,2 %), die zuvor nicht mehr gehfähig waren. Nach der sequenziellen Bestrahlung waren 128 von 176 Patienten (72,7 %) gehfähig, darunter 18 Patienten (10,2 %), die es vor der Bestrahlung nicht waren.

Die Ergebnisse der sequenziellen Bestrahlung waren damit etwas besser. Die Studie hatte ihr Ziel, die Nicht-Inferiorität der Einmalbestrahlung zu belegen, nicht erreicht. Sie hatte den Patienten jedoch eine schwierige Woche mit mehreren Bestrahlungsterminen erspart, was angesichts der geringen Lebenserwartung ein Vorteil sein könnte. Nach 12 Wochen war in beiden Gruppen etwa die Hälfte der Studienteilnehmer gestorben.

Die geringere Strahlendosis führte auch seltener zu Hautreaktionen (12 versus 19 %) und Müdigkeit (49 versus 55 %), sodass Hoskin den Patienten zu einer Einmalbestrahlung raten würde. Eine Ausnahme könnten Patienten mit Metastasen im unteren Bereich der Wirbel­säule sein. Hier gelang es unter der Mehrfachbestrahlung häufiger, die Blasenfunktion wieder herzustellen. © rme/aerzteblatt.de

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