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Politik

Bayern hat ab jetzt eine Landarztquote

Donnerstag, 5. Dezember 2019

/dpa

München – Zur Deckung des Ärztemangels in Bayern gibt es ab sofort eine Landarztquote. Der heute vom Landtag mit großer Mehrheit beschlossene Gesetzentwurf der Staats­regierung sieht vor, vom Wintersemester 2020/21 an bis zu 5,8 Prozent der bayerischen Medizin­studienplätze für Studierende zu reservieren, die ein Interesse an der hausärztlichen Tätigkeit im ländlichen Raum haben – sie müssen auch nicht den sonst vorgeschriebenen Noten­durchschnitt im Abitur nachweisen.

Dafür verpflichten sie sich, mindestens zehn Jahre lang als Hausarzt in einer Region zu arbeiten, die medizinisch unterversorgt oder davon bedroht ist. Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) bezeichnete die Landarztquote als einen von vielen wichtigen Schritten, die medizinische Versorgung langfristig zu sichern. „Wir wollen das gute Niveau auch für die Zukunft erhalten, für nachfolgende Generationen.“ Das erste Bewerbungs­verfahren solle im Februar 2020 stattfinden, das erste Auswahlverfahren dann im Frühjahr/Sommer 2020.

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Für ein solches Medizinstudium gibt es verschiedene Auswahlkriterien: So muss neben der generell vorhandenen Hochschulzulassung auch ein Medizinertest bestanden werden, auch wird die berufliche Qualifikation in einem Gesundheitsberuf sowie ein ausgeübtes Ehrenamt berücksichtigt. Damit junge Mediziner es sich nach dem Studium nicht doch anders überlegen und einen Arbeitsort auf dem Land ablehnen, sieht das Konzept für den Fall eine Vertragsstrafe von 250.000 Euro vor.

Neben der Landarztquote tritt zum 1. Januar 2021 im Freistaat auch die „1-Prozent-ÖGD-Quote“ in Kraft „Wir müssen die hohe Bedeutung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) mehr in den Vordergrund rücken“, betonte Huml. Ein Prozent aller Medizinstudien­plätze werden dann für Studierende vorgehalten, die sich verpflichten, nach Abschluss der Weiterbildung für eine Dauer von zehn Jahren ausschließlich im Öffentlichen Gesundheitsdienst tätig zu sein.

Das Landarztgesetz ist eine von vielen Maßnahme, den Ärztemangel in Bayern zu minimieren - bisher kann aber in einigen Regionen noch keine Entwarnung gegeben werden. Dazu gehöre die Ausweitung an Studienplätzen ebenso wie die Förderung von Niederlassungen und entsprechende Stipendienprogramme, bei denen über vier Jahre je 600 Euro pro Monat an Studierende ausgezahlt werden. Auch sie verpflichten sich im Gegenzug, für mindestens fünf Jahre in einem bestimmten Gebiet ärztlich tätig zu sein.

In Bayern gibt es aktuell nur einen Ort mit einer Unterversorgung – im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen fehlen Augenärzte. Hinzu kommen laut Kassenärztlicher Vereinigung aber noch 14 weitere Regionen - meist im Norden Bayerns – in denen unter anderem auch bei klassischen Hausärzten, aber auch bei einigen Fachärzten eine Unterversorgung droht – etwa in der Stadt Dinkelsbühl (Landkreis Ansbach) seit 2014 und seit etwa einem Jahr sogar in der Großstadt Ingolstadt.

Die Opposition kritisierte, dass das Konzept erst in 22 Jahren wirkliche Ergebnisse in Form ausgebildeter Ärzte zu Tage fördere. Bereits in den nächsten Jahren würden aber bayernweit rund 3200 Ärzte aus Altersgründen ihre Praxen aufgeben. Auch seien die jungen Mediziner auf dem Land wegen sonst drohender „existenzbedrohender Vertragsstrafen“ zum Erfolg verdammt. Es seien frustrierte Ärzte programmiert, betonten Redner von SPD, FDP und Grünen. © dpa/aerzteblatt.de

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