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Medizin

Mehr als zehn Prozent der Großhirnrinde an der Verarbeitung von Tastsinn-Infor­mationen beteiligt

Freitag, 6. Dezember 2019

Ein größerer Teil der Großhirnrinde als bisher angenommen ist an der Verarbeitung von Informationen unseres Tastsinns beteiligt. /RUB, Marquard

Bochum – An der Verarbeitung von Informationen des Tastsinns sind mehr als 10 % der menschlichen Großhirnrinde beteiligt. Dies sei mehr als bislang angenommen, berichten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der Ruhr-Universität Bochum in der Fachzeitschrift Scientific Reports (doi 10.1038/s41598-019-53637-w).

„Welche Gehirnareale für die Berührungswahrnehmung zuständig sind, ist noch weitest­gehend unbekannt“, erläutert Burkhard Pleger, Neurologe an den Berufsgenossenschaft­lichen Kliniken Bergmannsheil in Bochum und Mitautor der Studie. Zusammen mit Wissenschaftlern aus Leipzig hat er die Gehirne von 70 Patienten mittels struktureller Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht.

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Die Studienteilnehmer litten infolge einer Verletzung oder eines Schlaganfalls unter einer gestörten Körperwahrnehmung, beispielsweise einer Hypästhesie, bei der das Druck- und Berührungsempfinden der Haut eingeschränkt ist. Durch den Abgleich der Hirnläsionen mit den Ausfällen des Tastsinns identifizierten die Wissenschaftler verschiedene Bereiche, die mit einem eingeschränkten Berührungsempfinden zusammenhingen. Sie konnten so nach eigenen Angaben neue Hirnareale ausfindig machen, die zuvor noch nicht mit der Wahr­nehmung von Berührungen in Verbindung gebracht wurden.

Die Wissenschaftler konnten zum Beispiel zeigen, dass die Berührungswahrnehmung nicht nur im somatosensorischen Cortex stattfindet, sondern auch Teile des präfrontalen Cortex und des hinteren Scheitellappens in diese Sinneswahrnehmung involviert sind – Hirn­regionen, von denen man weiß, dass sie für die Aufmerksamkeitsfokussierung und die Körperwahrnehmung essentiell sind.

„Die Studie zeigt, dass das für die Wahrnehmung von Hautberührungen zuständige Hirnnetzwerk viel komplexer ist als bisher angenommen“, sagte Pleger.

Die Studie wurde unter anderem durch Mittel des Sonderforschungsbereiches 874 unter­stützt, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit 2010 an der Ruhr-Universität Bochum fördert. © hil/aerzteblatt.de

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