NewsÄrzteschaftVertragsärzte wollen bessere Patientensteuerung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Vertragsärzte wollen bessere Patientensteuerung

Freitag, 6. Dezember 2019

KBV-Vize Stephan Hofmeister /Lopata

Berlin – Eine bessere Steuerung der Patienten durch das Gesundheitssystem hat heute erneut der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereini­gung (KBV), Stephan Hofmeister, gefordert. „Dieser Herausforderung muss sich die Politik endlich stellen“, erklärte Hofmeister bei der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung in Berlin. Zurzeit werde Versorgung gesteuert, indem die Honorare von Ärzten und Psychotherapeuten gedeckelt würden.

Man müsse aber beim Patienten ansetzen. Die ersten Erfahrungen mit der medizinischen Ersteinschätzung am Telefon im Rahmen der Reform der Notfallversorgung zeigten, dass die Patienten die Koordination dankbar annähmen und sich ernst genommen fühlten.

Anzeige

Ähnlich wie zuvor schon sein Vorstandskollege Andreas Gassen kritisierte Hofmeister die „iterative Gesetzgebung“ von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU). Gesundheit sei ein zu wichtiges Thema für ein Vorgehen nach dem Motto: „Schauen wir mal, ob es klappt“, erklärte Hofmeister. „Das ist nicht vermittelbar und für die Patienten möglicher­weise sogar gefährlich.“

Die Tücken der iterativen Vorgehensweise zeigten sich insbesondere beim Anschluss der Ärzte und Psychotherapeuten an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI). Engste mit Sanktionen bewehrte Fristen hätten dazu geführt, dass Schnelligkeit beim Anschluss der Praxen über Gründlichkeit und Sorgfalt gegangen sei.

Und für Lücken im Datenschutz würden jetzt die Ärzte verantwortlich gemacht, kritisierte Hofmeister. Diese seien aber für fehlerhafte Anschlüsse nicht haftbar zu machen. „Wir lassen uns nicht den schwarzen Peter zuschieben“, sagte Hofmeister. Die Ärzte müssten sich darauf verlassen können, dass die IT-Techniker ihren Job gut machten. Unter diesen Umständen sei es schwierig, den Praxen Lust auf Digitalisierung zu machen.

Mit Blick auf den sich abzeichnenden Fachkräftemangel im Gesundheitswesen räumte Hof­meister ein, dass Aufgaben zwischen den Gesundheitsberufen neu verteilt werden müssten. Es gehe aber dabei immer um die Delegation und nicht die Substitution ärztli­cher Leistungen.

„Diagnose und Therapieentscheidung gehören zum Kerngeschäft des Arztes“, sagte Hof­meister. Dabei seien Ärzte nicht ersetzbar. „Wir müssen die Entwicklung aber konstruktiv begleiten“, forderte der KBV-Vorstand. Denn Aufgaben zu delegieren, schaffe Bewegungs­freiheit und ermögliche es den Ärzten, sich auf urärztliche Leistungen zu konzentrieren. Dafür sei es notwendig, andere Gesundheitsberufe aufzuwerten und zum Teil auch zu akademisieren.

Kritisch sah Hofmeister die Versuche, dem Fachkräftemangel in Deutschland durch das Anwerben von Gesundheitspersonal aus dem Ausland entgegenzuwirken. Es sei moralisch und ethisch fragwürdig, wenn dadurch die Gesundheitssysteme anderer, womöglich är­me­rer Länder ausgesaugt würden und dringend benötigte Fachkräfte verlören. Nur wenn Menschen in ihrer Heimat keine Aussicht auf eine Zukunft hätten, könne man über eine Anwerbung nachdenken.

„Wir müssen uns um eigenen Nachwuchs bemühen“, erklärte Hofmeister und führte als Beispiel die Allgemeinmedizin an. Dort stiegen seit einiger Zeit die Absolventenzahlen wieder, weil Förderprogramme aufgelegt und das Image verbessert worden sei. „Hier dürfen wir nicht nachlassen. Dafür brauchen wir einen langen Atem“, betonte Hofmeister. © HK/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

20. Januar 2020
Berlin – Digitale Gesundheitsanwendungen sollen nach Willen des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums möglichst schnell die medizinische Versorgung unterstützen. Die notwendigen Anforderungen, die Hersteller
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums fordert absolute Transparenz von App-Herstellern
20. Januar 2020
München – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hat sich nachdrücklich für den anonymisierten Einsatz von Patientendaten in der medizinischen Forschung ausgesprochen. „Wenn tausende Patienten mit
Spahn: Daten für Gesundheitsforschung nutzen
20. Januar 2020
Saarbrücken – Die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Saarland hat eine positive Bilanz zum Start des der Servicenummer 116117 gezogen. Alles sei reibungslos verlaufen, hieß es dazu von der KV. Demnach
Gelungener Start der Servicenummer 116117 im Saarland
20. Januar 2020
Kiel – Das Warten auf Ergebnisse von Untersuchungen zur Brustkrebs-Früherkennung wird in Schleswig-Holstein kürzer. Dies ergibt sich aus der vollständigen Digitalisierung des Programms „QuaMaDi“, wie
Digitalisierung beschleunigt Brustkrebsfrüherkennung
20. Januar 2020
Nürnberg – Die Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) hat Nachbesserungsbedarf beim Entwurf für das neue Notfallversorgungsgesetz angemahnt. So ist aus Sicht der DGAI
Notärzte fordern Nachbesserungen am Notfallversorgungsgesetz
17. Januar 2020
Berlin – Das c´t-Magazin hat die im Konnektor von T-Systems eingesetzte Software (Firmware 1.4.13) für die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) untersucht und dabei offenbar Sicherheitsmängel festgestellt.
c´t-Magazin sieht Hinweise auf Sicherheitslücken in Konnektor von T-Systems
17. Januar 2020
Berlin – Die geplante Reform der Notfallversorgung sorgt weiter für Kontroversen. Insbesondere Krankenhausträger und Verbände lehnen die Pläne von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) ab.
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER