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Medizin

Typhus abdominalis: Neuer Impfstoff erzielt hohe Schutzwirkung

Montag, 9. Dezember 2019

/cassis, stock.adobe.com

Oxford – Ein neuer Impfstoff gegen Salmonella Typhi, dem Erreger des Typhus abdomi­nalis, hat in einer randomisierten Feldstudie in Nepal die Zahl der schweren Erkrankun­gen bei Kindern um über 80 % gesenkt, wie die jetzt im New England Journal of Medicine (2019; 381: 2209-2218) veröffentlichten Ergebnisse zeigen.

Während in Deutschland jährlich weniger als 100 Menschen an Typhus abdominalis erkranken, ist die Infektionserkrankung in Ländern mit mittlerem oder niedrigem Ein­kom­men noch weit verbreitet. Weltweit erkranken jedes Jahr schätzungsweise 11 Millio­nen Menschen, von denen 117.000 bis 161.000 sterben.

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Zu den Ländern mit der größten Verbreitung zählt Nepal, wo S. Typhi in bis zu 45 % aller positiven Blutkulturen nachgewiesen wird. Die Problematik hat sich in den vergangenen Jahren durch die Verbreitung von antibiotikaresistenten S. Typhi noch verschärft. Auf dem indischen Subkontinent, wo sich die Bevölkerung inzwischen den Einsatz von neueren Antibiotika leisten kann, sind XDR-Varianten aufgetreten, was die Behandlung weiter erschwert hat.

Die bisherigen Impfstoffe haben die Ausbreitung von S. Typhi nicht stoppen können. Die Kapseln des oralen Lebendimpfstoffs Ty21a sind für kleine Kinder zu groß und der syn­the­tische ViPS-Impfstoff („Vi polysachharide“) erzeugt bei Kindern nur eine schwache Immunität. Er ist bei Kindern unter 2 Jahren nicht zugelassen.

Der neue Impfstoff Typbar-TCV, den die indische Firma Bharat Biotech International aus Hyderabad/Indien entwickelt hat, erzielt auch in den ersten Lebensjahren eine Schutzwir­kung, wie die jetzt von der Bill und Melinda Gates-Stiftung gesponserte Studie zeigt.

An der Studie nahmen 20.019 Kinder im Alter von 9 Monaten bis 16 Jahren aus Lalitpur südlich von Kathmandu in Nepal teil. Die Hälfte der Kinder erhielt eine intramuskuläre Dosis Typbar-TCV, in der anderen Hälfte wurde der Meningokokken-Impfstoff MenA verimpft. Die Effektivität wurde durch Blutkulturen von Impflingen geprüft. Sie wurden bei allen Kindern durchgeführt, die in der Region wegen einer hochfiebrigen Erkrankung im Kranken­haus behandelt wurden.

Wie ein Team um Merryn Voysey vom Centre for Clinical Vaccinology and Tropical Medi­cine der Universität Oxford berichtet, kam es nur bei 7 geimpften Kindern zu durch Blutkulturen bestätigten Typhus-Erkrankungen gegenüber 38 Fällen in der Kontrollgruppe. Dies ergibt eine Effektivität des Impfstoffs von 81,6 %, die aufgrund der niedrigen Zahl von Erkran­kungen jedoch mit einem relativ weiten 95-%-Konfidenzintervall von 58,8 bis 91,8 % behaftet ist.

Die immunologischen Untersuchungen an 1.343 Kindern zeigten, dass es bei 99,1 % der Kinder 4 Wochen nach der Impfung zu einer Serokonversion gekommen war (2,1 % in der Kontrollgruppe). Der Antikörper-Titer betrug im Durchschnitt 2.038 ELISA-Einheiten (EU) pro Milliliter (7 EU/ml in der Kontrollgruppe).

Die Verträglichkeit war nicht schlechter als nach der Meningokokken-Impfung. Bei 5,0 % der Kinder kam es zu einer fiebrigen Reaktion (5,4 % in der Kontrollgruppe). Schwere Komplika­tionen wurden bei 7 Kindern (10 in der Kontrollgruppe) festgestellt. Darunter war ein Kind, das innerhalb von 24 Stunden nach der Impfung hohes Fieber entwickelte und im Kranken­haus behandelt werden musste. Es erholte sich dort laut Voysey innerhalb von 12 Stunden.

Der neue Impfstoff ist in Indien bereits seit 2013 zugelassen. Die Weltgesundheitsorga­nisation (WHO) hat ihn im letzten Jahr in ihre Empfehlungen aufgenommen. Die Impfalli­anz Gavi will den Einsatz von Typbar-TCV in Asien und Afrika fördern.

Wie dringend ein effektiver Impfstoff benötigt wird, zeigt beispielhaft ein Typhus-Aus­bruch in der pakistanischen Stadt Hyderabad mit 101 bestätigten Fällen, die allerdings nur die Spitze eines Eisbergs waren, weil nicht alle Kinder in Krankenhäusern behandelt werden und dort die Möglichkeiten zur Diagnostik begrenzt sind.

Die mikrobiologischen Untersuchungen ergaben, dass der Ausbruch von einem S. Typhi-Stamm getragen wurde, der gegen Ampicillin, Chloramphenicol, Cotrimoxazol, Ciprofloxacin und auch gegen Ceftriaxon resistent war (Clinical Infectious Diseases 2019; 68: S16–21). © rme/aerzteblatt.de

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