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Medizin

Zervixkarzinom in vielen ärmeren Ländern häufigste Krebstodesursache

Montag, 9. Dezember 2019

/fotoliaxrender, stockadobecom

Brüssel – Obwohl eine Heilung durch Früherkennung seit langem möglich ist und seit einigen Jahren auch eine Impfung die meisten Erkrankungen vermeiden kann, ist das Zervixkarzinom in 42 Ländern mit niedrigem Einkommen weiterhin die häufigste Krebstodesursache. Eine Studie in Lancet Global Health (2019; DOI: 10.1016/S2214-109X(19)30482-6) schätzt, dass der Gebärmutterhalskrebs im letzten Jahr weltweit bei 570.000 Frauen diagnostiziert wurde und etwa 311.000 Patientinnen daran starben.

Bei keiner anderen Krebserkrankung sind die Unterschiede in der Sterblichkeit größer als beim Zervixkarzinom. Im Königreich Eswatini, dem früheren Swasiland, erkrankten im letzten Jahr 6,5 % aller Frauen vor dem 75. Lebensjahr am Zervixkarzinom und die meisten sterben daran. In Finnland hat es dagegen auf 2,8 Millionen Frauen gerade einmal 182 Erkrankungen und 64 Todesfälle gegeben. In dem skandinavischen Land wird das Screening weiterhin gut angenommen, in Eswatini gibt es wie in den meisten Ländern Afrikas südlich der Sahara keine geordnete Früherkennung.

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Auch Unterschiede im Sexualverhalten dürften eine Rolle spielen, da das Zervixkarzinom durch humane Papilloma-Viren (HPV) verursacht wird, die sexuell übertragen werden. In Ländern mit einem strengen Sexualkodex ist die Zahl der Erkrankungen deshalb niedrig. Zu den 16 Ländern mit einer altersstandardisierten Inzidenzrate von unter 5 auf 100.000 Frauen gehören 13 Länder des islamischen Kulturraums in Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten. Die drei anderen Ländern mit derart niedriger Inzidenzrate sind Finnland, Malta und Israel.

Die meisten Erkrankungen gab es in China und Indien, die allerdings auch die bevöl­kerungsreichsten Länder sind: In China erkrankten 2018 schätzungsweise 106.000 Frauen an einem Zervixkarzinom mit 48.000 Todesfällen, in Indien waren es 97.000 neue Erkrankungen und 60.000 Todesfälle.

Der Tod am Zervixkarzinom tritt für Krebserkrankungen relativ früh ein. Das weltweite Durchschnittsalter an lag bei 59 Jahren und reichte von 45 Jahren (in Vanuatu) bis 76 Jahren (auf Martinique).

Die Zahlen, die ein Team um Marc Arbyn vom Belgischem Krebszentrum in Brüssel zusammengetragen hat, unterstützen einen Aktionsplan, den die Weltgesundheits­organisation im letzten Jahr initiiert hat und der im nächsten Jahr auf dem G20-Gipfel in Riad beschlossen werden soll. Das hochgesteckte Ziel ist die weitgehende Eliminierung des Zervixkarzinoms bis zum Jahr 2030. Erreicht werden soll dies durch eine verbesserte Früherkennung und vor allem durch die verstärkte Impfung gegen die onkogenen HPV-Varianten.

Bei der Früherkennung setzt die WHO vermehrt auf den direkten Virusnachweis im Zervixabstrich. Die klassische Zytologie nach Papanicolaou gilt nicht mehr als zeitgemäß. Dass die Grenzen der klassischen Früherkennung erreicht sind, zeigt sich nach Ansicht von Experten auch darin, dass die Erkrankungszahlen in Schweden, den Niederlanden und in England in den letzen Jahren wieder angestiegen sind. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #682954
Markus 67
am Dienstag, 10. Dezember 2019, 13:54

Pläne aus Wolkenkuckucksheim

So, so, bis 2030 soll eine weitgehende Elimination des Cervixkarzinoms erfolgen, also binen 10 J...
1. HPV-Impfung: möglich vor Beginn von GV, also vielleicht bis zum Alter von 14 J, in Afrika eher bis 12J. Alle Frauen ab derzeit 14 J sind aber weiterhin gefährdet, Lebenserwartung (hoffentlich) deutlich länger als 10 Jahre... Effekt von Impfungen vielleicht in einigen Jahrzehnten zu erwarten, wenn flächendeckend durchgeführt.
2. Früherkennung: dazu braucht es ausreichend Kapazitäten sowohl zum Nehmen der Proben als auch entsprechende Fachleute zum Befunden. Und hier gibt es zum Abstrich bisher keine Alternative. Denn was wäre die Konsequenz bei pos. Nachweis von HP im Cervixabstrich - Konisation oder Hysterektomie prophylaktisch? Wer sollte das machen bei völlig unzureichenden Op-Kapazitäten in Afrika? Und wenn der Abstrich PAP 3D ist - häufig bei den grassierenden Infektionen - wie bekomme ich die Patientinnen wieder zur Kontrolle, wenn sie sowieso nicht so oft zum Arzt können, weil es weit ist und üblicherweise auch kostet?
Letzteres ist generell ein großes Problem für die armen Bevölkerungsschichten, die aber zahlreich sind und häufig vom Cervixkarzinom betroffen sind?
Der "nicht so strenge Sexualkodex" sowie die häufigen Vergewaltigungen u.a. gerade im Raum Südafrika tun ein Übriges.
Deshalb leider keine großen Hoffnungen auf einen schnellen Effekt im Kampf gegen das Cervixkarzinom geschweige denn eine Elimination bis 2030...
Avatar #772524
Julius Senegal
am Montag, 9. Dezember 2019, 17:02

wie könnte man HP-Viren bekämpfen?

Falls es einen Impfstoff gäbe, der eine HPV-Infektion verhindert, dann könnten diese Viren ja keinen Krebs auslösen. Das wäre doch mal ein Ding.

Oh moment, den gibt es ja schon, der ist sogar wirksam und sicher: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1054139X19303532?via%3Dihub
LNS

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