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Politik

Wie sich vertrauenswürdige Gesundheits­informationen gewinnen lassen

Montag, 9. Dezember 2019

/ picture alliance / Westend61

Köln – Ökonomische Interessen können zu Verzerrungen in der Forschung und bei der Interpretation von Forschungsergebnissen führen, ebenso wie in der medizinischen Aus- und Weiterbildung sowie in der klinischen Praxis. Daran erinnert eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern im British Medical Journal (BMJ, DOI: 10.1136/bmj.l6576).

Die Autoren, denen auch Beate Wieseler vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) angehört, rufen daher dazu auf, die Verflechtungen von Entscheidungsträgern und Gesundheitsindustrie auf jeder Ebene aufzulösen. „Wir sind uns einig, dass mehr Studien wertvoll sind und dass die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschern bei der Entwicklung von Produkten nützlich ist, aber die Forschung zur Bewertung von Produktnutzen und -schäden und deren Verbreitung muss unabhängig von Unternehmen erfolgen, die diese Produkte verkaufen“, schreiben die Wissenschaftler.

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„Obwohl die Industrie nach wie vor ein dominanter Förderer der Forschung ist, gibt es Beispiele für alternative Vorgehensweisen“, heißt es in dem Beitrag. Ein Beispiel dafür sei ein Modell, „das seit einem halben Jahrhundert von US-Politikern gefördert wird, aber bisher erfolgreich von der Industrie bekämpft wurde“, so die Autoren. Dieses Modell sieht vor, dass Unternehmen die Produkttests finanzieren. Durchführen sollen die Tests aber unabhängige Forschungsteams, die von öffentlichen Aufsichtsbehörden damit beauftragt werden.

Ein erster wichtiger Schritt ist laut den Autoren, Gesetze zu schaffen, die die umfassende und zugängliche Offenlegung von Zahlungsflüssen zwischen den verschiedenen Beteiligten in der Forschung vorschreiben.

Die Ausweitung der öffentlichen Mittel für die Forschung und ihre Regulierung sei „eindeutig eine große Herausforderung“, so die Autoren, aber das Geld könnte an einigen Stellen zum Teil aus Einsparungen durch niedrigere Arzneimittelpreise und weniger unangemessene Verschreibungen erfolgen, hieß es.

Die Wissenschaftler erheben mit ihren Vorschlägen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. „Ziel ist vielmehr, eine fundamentale Reform in Forschung, Aus- und Fortbildung sowie Praxis anzustoßen und zu katalysieren“, schreiben sie. © hil/aerzteblatt.de

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