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Medizin

Mammakarzinom: Akzelerierte Teilbrustbestrahlung in Studie langfristig mit schlechteren kosmetischen Ergebnissen

Dienstag, 10. Dezember 2019

/Axel Kock, stock.adobe.com

Hamilton/Ontario – Eine beschleunigte Teilbrustbestrahlung, die die Radiotherapie von einem Monat auf eine Woche verkürzt, hat in einer randomisierten Studie nach einer brusterhaltenden Lumpektomie langfristig gleich gute Ergebnisse erzielt wie eine kon­ventionelle Radiotherapie. Es kam jedoch häufiger zu Spättoxizitäten, und die kosmeti­schen Ergebnisse stellten laut der Publikation im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)32515-2) viele Patientinnen nicht zufrieden.

Die akzelerierte, also beschleunigte Teilbrustbestrahlung soll Patientinnen nach einer Lumpektomie die quälend langen Bestrahlungszeiten ersparen, die sich über mehr als einen Monat hinziehen können. Die Einzelbestrahlungen, die normalerweise über mehre­re Wochen verteilt sind, werden auf wenige Tage gebündelt, an denen jeweils zwei Be­strahlungen stattfinden.

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In der RAPID-Studie („Randomized Trial of Accelerated Partial Breast Irradiation“) bestand die akzelerierte Teilbrustbestrahlung aus zehn Fraktionen mit einer Gesamtdosis von 38,5 Gy, die über fünf bis acht Tage appliziert wurden. In der Vergleichsgruppe erhielten die Frauen eine Ganzbrustbestrahlung mit 42,5 Gy verteilt auf 16 Fraktionen über 21 Tage oder mit 50 Gy in 25 Fraktionen über 35 Tage.

An der Studie nahmen zwischen Februar 2006 und Juli 2011 an 33 Zentren in Kanada, Australien und Neuseeland 2.135 Patientinnen über 40 Jahre mit einem duktalen Carcino­ma in situ oder einem invasiven Mammakarzinom ohne Befall der Lymphknoten teil, bei denen eine Lumpektomie durchgeführt worden war. Die Bestrahlung wurde mit einer 3D-konformalen Bestrahlungstechnik durchgeführt.

Obwohl die Gesamtdosis niedriger war als bei der konventionellen Radiotherapie, waren die Ergebnisse gleich gut. Der primäre Endpunkt, der Nachweis eines erneuten Krebs­wachstums auf der behandelten Seite, trat in den ersten acht Jahren nach der akzelerier­ten Teilbrustbestrahlung bei 3,0 % der Patientinnen auf gegenüber 2,8 % der Frauen nach der konventionellen Ganzbrustbestrahlung. Timothy Whelan von der McMaster Universi­tät in Hamilton/Ontario und Mitarbeiter ermitteln eine Hazard Ratio von 1,27, die mit einem 90-%-Konfidenzintervall von 0,84 bis 1,91 nicht signifikant war.

Die akute Strahlentoxizität war nach der akzelerierten Radiotherapie trotz der fehlenden Erholungszeiten zwischen den Bestrahlungen günstiger. Nebenwirkungen vom Grad 2 oder höher traten in den ersten drei Monaten nach der Strahlentherapie nur bei 300 der 1.070 Patientinnen (28 %) auf – gegenüber 484 von 1.065 Patientinnen (45 %) nach der konventionellen Ganzbrustbestrahlung.

Umso überraschender war es, dass die Spättoxizitäten nach der akzelerierten Teilbrust­bestrah­lung häufiger auftraten. Whelan gibt die Häufigkeit mit 32 % nach der akzele­rier­ten Bestrahlung an gegenüber nur 13 % nach der Ganzbrustbestrahlung.

Zu den Spät­kom­plikationen gehörten Teleangiektasien und eine Verhärtung des Brustge­webes, was von vielen Patientinnen als kosmetisch störend empfunden wurde. Insgesamt waren nach drei Jahren 11,3 % mehr als in der Vergleichsgruppe nicht mit den Ergebniss­en der Behandlung zufrieden. Nach fünf Jahren stieg die Differenz auf 16,5 % und nach sieben Jahren auf 17,7 %.

Die langfristig schlechteren Ergebnisse sprechen nach Ansicht von Whelan derzeit gegen die Empfehlung einer akzelerierten Teilbrustbestrahlung. Derzeit werde in einer klini­schen Studie untersucht, ob die Beschränkungen auf eine einzelne Bestrahlung pro Tag die Langzeittoxizität der akzelerierten Radiotherapie vermindern kann. Die Ergebnisse der aktuellen Studie waren im letzten Jahr bereits auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellt worden. © rme/aerzteblatt.de

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