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Medizin

Umstieg auf E-Zigaretten verbessert kardiovaskuläre Gesundheit bei starken Rauchern

Dienstag, 10. Dezember 2019

Älterer Mann mit weißem Bart raucht eine E-Zigarette. /Armin Staudt stock.adobe.com
Laut Statistiken der britischen Regierung verwenden etwa 6% der erwachsenen Bevölkerung Großbritanniens einen Verdampfer, obwohl die Auswirkungen der Geräte auf die Gefäßgesundheit bisher unklar sind. /Armin Staudt stock.adobe.com

Dundee – Zigarettenraucher, die auf nikotinhaltige Verdampfer umsteigen, könnten ihre Gefäßgesundheit verbessern. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der University of Dundee in einer prospektiv, kontrollierten Studie mit 145 Teilnehmern (Journal of the American College of Cardiology 2019; DOI: 10.1016/j.jacc.2019.09.067). Wie lange der Effekt anhält und ob er sich auf das Herzinfarktrisiko auswirkt, bleibt unklar.

Alle Teilnehmer hatten in den vergangenen 2 Jahren mindestens 15 Zigaretten täglich geraucht und keine kardiovaskuären Erkrankungen. Diejenigen, die gewillt waren, von Zigaretten auf E-Zigaretten umzusteigen wurden zufällig auf 2 Gruppen (je 37 Teilnehmer) aufgeteilt, die entweder mit oder ohne Nikotin dampften. 40 Teilnehmer entschieden sich, weiterhin Zigaretten zu rauchen.

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Nach wenigen Wochen wurde die Endothelfunktion mittels einer flussvermittelten-Dilatation (FMD, engl.: Flow Mediated Dilatation) gemessen. Zudem haben die Forscher als zweiten Endpunkt unter anderem die arterielle Steifigkeit mittels Pulswellen­geschwindigkeit (PWV) gemessen. Beide Parameter sind unabhängige Prädiktoren für das kardiovaskuläre Risiko.

Innerhalb eines Monats nach der Umstellung von Zigaretten auf E-Zigaretten (mit und ohne Nikotin) zeigte sich eine durchschnittliche Verbesserung der Endothelfunktion um 1,5 Prozentpunkte (Mittlere Differenz: 1,49%; 95-%-Konfidenzintervall: 0,93 bis 2,04; p < 0,0001). Die absoulten FMD-Werte stiegen in der Rauchergruppe von etwa 5,5 auf 5,6 % und in den beiden E-Zigarettengruppen von etwa 5,5 auf 6,5 %. Ob die Teilnehmer E-Zigaretten mit oder ohne Nikotin rauchten, spielte demnach keine Rolle. Auch die Gefäßsteifigkeit verbesserte sich (-0,529 m/s; 95% KI: -0,946 bis -0,112; p = 0,014). Frauen erzielten durch den Wechsel größere Gewinne als Männer.

Die Studie namens VESUVIUS wurde von der British Heart Foundation in Auftrag gegeben. Jacob George, Leiter der Studie von der University of Dundee sagte, dass E-Zigaretten zwar als weniger schädlich befunden wurden, die Geräte aber immer noch Gesundheitsrisiken bergen können. „Rauchen jeglicher Art ist ein vermeidbarer Risikofaktor für Herzerkrankungen.“

George betont zudem, dass die Studie nur kurzfristige Effekte zeigen könne. Die längerfristige Wirkung von Nikotin erfordere weitere Studien. © gie/aerzteblatt.de

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Avatar #776990
simon@zippozipp.de
am Mittwoch, 11. Dezember 2019, 17:32

Korrektes Zitat?

In den Englischen Äußerungen von Jacob George kann ich kein Äquivalent zum genannten Zitat „Rauchen jeglicher Art ist ein vermeidbarer Risikofaktor für Herzerkrankungen.“ finden. Seine Aussagen differenzieren sprachlich eigentlich sehr klar zwischen "smoking" und "vaping". Es wäre mir gänzlich neu, dass er beides als Rauchen bezeichnen würde, zumal das ja auch Gegenstand seiner Forschungsarbeit war.
Was genau war denn die originale Aussage und in welchem Rahmen bzw. wem gegenüber hat er sie getroffen?

Anm. d. Red.: Das Zitat stammt aus der Pressemitteilung. „It is crucial to emphasise that e-cigarettes are not safe, just less harmful than tobacco cigarettes when it comes to vascular health. Smoking of any kind is a preventable risk factor for heart disease.“
https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-11/uod-vlh111519.php
Avatar #767798
Cryonix
am Dienstag, 10. Dezember 2019, 21:50

Ein MIssverständnis?

Verehrter B.H.
Mag sein, dass es sich für Sie so darstellt, aber die Studien stehen keineswegs diametral entgegen.

Prof. Münzel hat die unmittelbar nach Exposition auftretenden Veränderungen mittels Doppler an den Halsgefäßen untersucht und die Vasokonstriktion nachgewiesen. Die aber m.E. als bekannt der nikotinergen Wirkung zuzuschreiben ist und nicht sonstigen Bestandteilen in der E-Soße. Eigentlich lang bekannt.

Prof. George hat einen völlig anderen Ansatz, der eher der Struktur des Gesundheitssystems in GB geschuldet ist, da dort der Staat für alle Krankheitskosten aufkommt. Die Folgekosten des Rauchens zu minimieren ist da – neben der Gesundheitsfürsorge – durchaus ein sehr gewichtiges Gebot.

Genau unter dieser Prämisse verfolgt das NHS unvoreingenommen und ergebnisoffen den Ansatz, mittels E-Zigarette dem therapierefraktären Tabakabusus beizukommen. Betrachten Sie es meinetwegen als Teufel mit Beelzebub austreiben - ich hingegen sehe das als ultima ratio durchaus nüchterner. Die Briten sind da keineswegs ideologisch verblendet, noch verblödet oder stehen gar unter dem Einfluss irgendeiner E-Zigaretten Lobby, die es nämlich gar nicht gibt. Die lang vorliegenden Daten bescheinigen der E-Zigarette eine um bis 95% geringere Schädlichkeit gegenüber der Tabakzigarette.

Und dennoch ist man dort fortlaufend besorgt, nicht doch Risiken zu übersehen und forscht gerade in Bezug auf bis dato unbekannte Langzeiteffekte. Und fühlt sich der Beweispflicht schuldig, den postulierten Benefit für Starkraucher nachzuhalten.

Nichts anderes hat George untersucht, daher die Studie mit Rauchern. Ich glaube kaum, dass dort jemand ernstlich dem Neueinsteiger die E-Zigarette wegen kardiovaskulärer Vorteile empfiehlt. Nicht Rauchen, Nicht Vapen ist und bleibt auch dort Goldstandard.

Die Studie war – entgegen der missverständlichen Äußerung aus dem Artikel – als Langzeit- untersuchung angelegt und hat im Ergebnis eine signifikante Verbesserung der Gefäßelastizität schon etwa 4 Wochen nach Rauchstopp und Umstieg auf die E-Zigarette ergeben. Und das ist mitnichten ein Kurzzeiteffekt.

Also ein wertvoller Beitrag, absolut Verzichtunwillige, bei denen es dringend aufgrund von Vor- oder Akuterkrankungen geboten wäre, auf die Vorteile des kleineren Übels – der E-Zigarette hinzuweisen.
Zumindest auf deren hier nachgewiesen kardiovaskulären Verbesserungen bei umgestiegenen RAUCHERN.
Avatar #772729
B.H.
am Dienstag, 10. Dezember 2019, 19:49

E-Rauchen ist gut, ist schlecht, ist gut, ist schlecht... enemenemuh und draus bist du du....

Ich bin zwar schon lange im Gesundheitsbereich tätig, und bin auch fähig zu lesen, aber ich hab das Gefühl man wirft hier einfach eine Studie nach der Anderen auf den Markt, die total konträr sind. Oder hat jetzt die kardiovaskuläre Gesundheit nichts mehr mit Herz- und Kreislauf zu tun????? schon die Aussage, alle Teilnehmer rauchten über 2 Jahre tgl mind. 15 Zigaretten. Man hat es soweit geschafft, die Zigarettenschachteln mit Todesdrohungen zu bedrucken, um der Menschheit klarzumachen, dass sie dadurch Lungenkrebs und sonstigen Krebs bekommen... aber vermutlich ist bei solchen Studien nicht der Parameter "Kardiovaskuläre Gesundheit" beachtet worden,....jetzt hat man plötzlich Teilnehmer für diese Studie, die über 2 Jahre tgl mind. 15 ZIgaretten rauchen und die keine kardiovaskulären Erkrankungen aufweisen. Schon allein diese Tatsache sollte zu denken geben, inwieweit man das Rauchen oder mitrauchen als URSACHEN für zig andere Erkrankungen mit aufführt. Hat man bei diesen jetzt Untersuchungen auf zb. Lungenkrebs gemacht? Wenn sie da frei sind, ab wann macht dann Rauchen eigentlich diese Todesdrohung Lungenkrebs? ich find es erstaunlich, wieviel Möglichkeiten eine Krebserkrankung hat, sich auszusuchen wodurch sie entstehen kann oder darf oder soll. Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier die E-Zigaretten-Lobby die Parameter vorgibt, wie gut E-Rauchen jetzt doch plötzlich wieder sein soll um ein anderes "Risiko" zu vermindern. Wenn diese Raucher mit tgl. 15 Zigaretten dieses Risiko eigentlich widerlegen?
LNS

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