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Medizin

Luftverschmutzung könnte Sterblichkeit nach Herztransplantation erhöhen

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Stickoxid-Luftmessstation am Neckartor, Stuttgart /dpa
Stickoxid-Luftmessstation am Neckartor, Stuttgart /dpa

Cleveland/Ohio – Empfänger von Herztransplantaten, die in Gegenden mit einer vermehrten Feinstaubbelastung der Luft leben, haben nach der Auswertung eines US-Patientenregisters im Journal of the Amercian College of Cardiology (2019; 74: 3026-3035) ein erhöhtes Sterberisiko.

In den USA werden jährlich mehr als 2.000 Herztransplantationen durchgeführt. Trotz des medizinischen Fortschritts ist die Mortalität nach der Transplantation hoch geblieben. Nach 11 Jahren lebt nur noch die Hälfte der Empfänger. Nach den jetzt von einem Team um Sanjay Rajagopalan von der Case Western Reserve University School of Medicine in Cleveland/Ohio vorgestellten Daten könnte eine erhöhte Feinstaubbelastung ein Auslöser für den vorzeitigen Tod sein.

Die Forscher haben die Daten des United Network for Organ Sharing (UNOS), das in den USA für die Verteilung der Spenderorgane zuständig ist, ausgewertet. In den Jahren 2004 bis 2015 wurden 21.800 Herztransplantationen organisiert. Die Empfänger waren im Durchschnitt 52,6 Jahre alt. Während der Nachbeobachtung von 4,8 Jahren sind 5.208 Patienten (23,9 %) gestorben.

Der Abgleich mit der Luftqualität am Wohnort der Empfänger ergab, dass jeder Anstieg der Feinstaubkonzentration (PM2,5) um 10 µg/m3 mit einem um 43 % erhöhten Sterberisiko verbunden war. Die Hazard Ratio von 1,43 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,21 bis 1,49 statistisch signifikant. Die mittlere PM2,5-Exposition am Wohnort betrug 10,6 µg/m3.

Nach der Berücksichtigung von 30 Eigenschaften von Spendern, Empfängern und Wohnumgebungen, die bei UNOS gespeichert wurden, verminderte sich die Hazard Ratio auf 1,26, blieb aber mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,21 bis 1,49 weiterhin signifikant.

Die Forscher führen das Risiko auf eine erhöhte Zahl von Infektionen zurück. Organ­transplantierte sind aufgrund der lebenslangen Einnahme von Immunsuppressiva vermehrt infektionsgefährdet. Die Studie ergab, dass die PM2.5-Exposition mit vermehrten Entzündungsreaktionen, einem Anstieg des Blutdrucks sowie einer Insulinresistenz assoziiert war.

Wie in allen epidemiologischen Studien lässt sich die Kausalität nicht beweisen. Menschen, die in Gegenden mit erhöhten Luftschadstoffen leben, sind häufig sozioökonomisch benachteiligt. Dies könnte in den USA wegen des ungleichen Zugangs zur medizinischen Versorgung leicht zu einer schlechteren Nachsorge der Patienten geführt haben, was sich bei Organtransplantierten auf die langfristige Prognose auswirken könnte. © rme/aerzteblatt.de

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