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Medizin

Blinatumomab verbessert Überlebenschancen von Kindern mit B-Zell-Leukämie mit weniger Nebenwirkungen

Mittwoch, 11. Dezember 2019

/ustas, stock.adobe.com
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Baltimore – Eine Immuntherapie mit dem BiTE-Antikörper Blinatumomab, der den Kontakt zwischen T-Zellen und Krebszellen herstellt, hat in einer randomisierten klinischen Studie die Überlebenschancen von Kindern und Jugendlichen mit B-Zell-Leukämie verbessert, bei denen es nach der Ersttherapie zu einem Rezidiv gekommen war. Die Studie, deren Ergebnisse jetzt auf der Jahrestagung der American Society of Hematology in Orlando/Florida vorgestellt wurden, wurde nach einer Zwischenauswertung abgebrochen. Blinatumomab könnte zum neuen Therapiestandard werden.

Etwa Dreiviertel aller Akuten lymphatischen Leukämien (ALL) werden durch Klone von B-Zellen ausgelöst. Die Behandlungsergebnisse dieser B-ALL sind heute im Kinder- und Jugendalter ausgezeichnet. Etwa 80 % der Kinder werden durch eine intensive Chemotherapie geheilt. Bei den übrigen 20 % sind die Behandlungsergebnisse noch immer schlecht, vor allem wenn es frühzeitig zu einem Rezidiv kommt und es nicht gelingt, die Krebszellen im Knochenmark durch eine erneute Chemotherapie restlos zu beseitigen („minimal residual disease“, MRD).

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Bei diesen Kindern wird heute eine Stammzelltherapie angestrebt. Zur Vorbereitung erhalten die Patienten eine weitere Chemotherapie, die jedoch nicht immer die erhoffte Wirkung erzielt und mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden ist. Die Children’s Oncology Group des US-National Cancer Institute hat jetzt in einer randomisierten Studie die Chemotherapie mit einer Immuntherapie verglichen.

Die Hälfte der Patienten erhielt statt einer Chemotherapie den Antikörper Blinatumomab. Es handelt sich um einen künstlichen bispezifischen (BiTE) Antikörper, der gleichzeitig an 2 verschiedenen Molekülen bindet: auf der einen Seite an CD19, einem Oberflächenprotein der B-ALL-Zellen, auf der anderen Seite an CD3, das von den T-Zellen exprimiert wird, die die B-Zellen angreifen sollen. Der BiTE-Antikörper fördert damit ein „Rendezvous“ zwischen den beiden Zellen, das für die Leukämiezelle tödlich endet.

Blinatumomab ist seit 2015 zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit B-Zell-Vorläufer-ALL zugelassen. Der Einsatz bei Kindern und Jugendlichen mit B-ALL ist dagegen ein neuer Ansatz. Er hat sich in der aktuellen Studie als effektiver und besser verträglich erwiesen.

Negativer MDR-Status bei fast 80 % der jungen ALL-Patienten

Wie das Team um Patrick Brown vom Kimmel Cancer Center in Baltimore berichtet, waren bei 79 % der Patienten nach der Behandlung keine Leukämiezellen mehr nachweisbar (MDR-negativ). Unter der Chemotherapie wurde dieses Ziel nur bei 21 % der Patienten erreicht. Der negative MDR-Status ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Stammzelltherapie. Sie wurde in der Blinatumomab-Gruppe bei 73 % der Patienten durchgeführt gegenüber 45 % in der Chemotherapie-Gruppe. Insgesamt blieben in den folgenden 1,4 Jahren 59,3 % der Patienten versus 41,0 % ohne erneutes Rezidiv. Die Gesamtüberlebensraten lagen bei 79,4 versus 59,2 %.

Die Immuntherapie kann demnach die Überlebenschancen der Patienten deutlich verbessern. Dies hat die Studienleitung bewogen, die Studie nach einer Zwischenaus­wertung vorzeitig abzubrechen. Blinatumomab dürfte aufgrund der Ergebnisse von den Fachgesellschaften schon bald zur bevorzugten Behandlung für Kinder und Jugendliche im ersten Rezidiv der B-ALL eingestuft werden, bei denen vor der Stammzelltherapie Leukämiezellen beseitigt werden müssen.

Die Entscheidung dürfte den Fachgesellschaften umso leichter fallen, als die Immun­therapie mit Blinatumomab sich als besser verträglich herausgestellt hat. Die Patienten blieben von den typischen Zytostatika-Nebenwirkungen wie Fieber, Infektionen, Sepsis und Mukositis weitgehend verschont (an denen in der Chemotherapiegruppe 4 Patienten starben).

In der Blinatumomab kam es häufiger zu einem Zytokinfreisetzungssyndrom („cytokine release syndrome") sowie zu Krampfanfällen und Nervenschäden, von denen sich allerdings alle Patienten erholten. © rme/aerzteblatt.de

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