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Ärzteschaft

Einigung bei EBM-Reform

Mittwoch, 11. Dezember 2019

/photocrew, stockadobecom

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband ha­ben sich heute in Berlin auf eine Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) geeinigt. Die Reform, die unter der Vorgabe der Punktsummen- und Ausgabenneutralität stand, kann damit am 1. April 2020 in Kraft treten.

Auf das Honorar der meisten Vertragsärzte wird sich die Reform der KBV zufolge kaum auswirken. Es sei gelungen, die sprechende Medizin besser abzubilden, erklärte der Vor­standsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, in einer Videobotschaft. Das gehe zwar „ein bisschen“ zulasten der technischen Fächer. Zu übermäßigen Verwerfungen werde es aber nicht kommen. „Das muss man als kleinen Erfolg werten“, sagte Gassen.

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Auf das nächste Jahr verschoben wurde die angestrebte höhere Vergütung für Hausbesu­che. Die Kassen hatten verlangt, die Honorarerhöhung über eine Kürzung der Versicher­ten­pauschale zu finanzieren.

„Das konnten wir in keinem Fall akzeptieren, weil das insbesondere im hausärztlichen Bereich zulasten der Versorger gegangen wäre“, betonte der stellvertretende KBV-Vorsit­zen­de Stephan Hofmeister im selben Videointerview. Der GKV-Spitzenverband habe nach hartem Ringen den Punkt aus dem Erweiterten Bewertungsausschuss zurückgezogen. Im nächsten Jahr werde man sich dem Thema Hausbesuche dann separat zuwenden, kün­dig­te Hofmeister an.

Ambulantes Operieren, Sachkosten und Arztlohn

„Wir sind froh, dass wir die EBM-Reform jetzt abgeschlossen haben“, sagte Gassen. Unbe­friedigend bleibe, dass die Reform ausgabenneutral und ohne frisches Geld gestaltet wer­den musste. Zudem seien viele Punkte bei der aktuellen EBM-Reform noch nicht abge­han­delt worden.

„Wir werden uns im nächsten Jahr mit dem ambulanten Operieren auseinandersetzen und uns die Sachkostenpauschalen ansehen“, kündigte Gassen an. Das seien Bereiche, in de­nen aus Versorgungssicht Änderungen notwendig seien, die aber nicht unter dem Diktat einer Punktsummenneutralität zu erreichen seien. Auch beim kalkulatorischen Arztlohn gebe es erheblichen Nachholbedarf.

Eigentlich sollte die EBM-Reform bereits im Januar 2020 wirksam werden. Weil sich KBV und Krankenkassen aber in wesentlichen Fragen nicht einigen konnten, wurde der Termin auf April verschoben. Insbesondere die höhere Vergütung von Hausbesuchen war bis zu­letzt heftig umstritten.

Der KBV zufolge ging es bei der EBM-Reform in erster Linie darum, die Bewertung der ärzt­lichen und psychotherapeutischen Leistungen an die aktuelle Kostenstruktur anzu­passen. KBV und GKV-Spitzenverband hatten bereits im Jahr 2012 vereinbart, den EBM zu überarbeiten. Außerdem schrieb der Gesetzgeber zwischenzeitlich vor, die sprechende Me­dizin zu fördern und im Gegenzug die Bewertung von technischen Leistungen zu sen­ken.

Ver­tre­ter­ver­samm­lung lehnt ausgabenneutrale Reformen ab

Bei der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung am 6. Dezember hatte Gassen die grundsätzliche Wei­gerung der Krankenkassen kritisiert, zusätzliche Mittel für den kalkulatorischen Arztlohn bereitzustellen.

Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung beschloss, EBM-Reformen, die unter dem Vorbehalt einer Punktzahlneutralität stehen, grundsätzlich abzulehnen. Allerdings sei eine Beteiligung des KBV-Vorstands an der Umsetzung der aktuellen Reform notwendig, hieß es dort. © HK/aerzteblatt.de

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Avatar #699807
yokochi
am Sonntag, 29. Dezember 2019, 16:33

EBM Reform - wieder mal gekniffen

@Johannes1982
Sie haben es treffend beschrieben.

Auch ich, kürzlich niedergelassener Gastroenterologe, bin fassungslos, wie hier ohne sachlichen Grund, Leistungen abgewertet werden. Auch ich sehe einem relevanten Umsatzminus entgegen.
Ich hoffe, der BNG kann sich Gehör verschaffen. Aber 2020 ist gelaufen.
Vielen Dank für gar nichts an alle Reformer.
Avatar #804395
Johannes1982
am Dienstag, 17. Dezember 2019, 16:21

Unglaublich...

…was da für eine „kleine“ EBM Reform erlassen wurde.

"Im Fokus der Reform steht die betriebswirtschaftliche Kalkulation der ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen. Sie wurde an die aktuelle Kostenstruktur der einzelnen Arztgruppen angepasst.“

??????????????????????

Davon merke ich nichts. Als frisch niedergelassener Gastroenterologe, mit hohen Investitionskosten (Praxisübernahme, moderne Endoskopietechnik und Sonogerät, etc…) sind fast minus 10% Abschläge auf nahezu ALLE Leistungen, auch der Grundpauschalen (…hallo?!? Sprechende Medizin???) nicht nur schmerzlich sondern wirtschaftlich schon fast bedrohlich.
Nur die bisher deutlich unterfinanzierte Gastroskopie wurde mit wenigen Punkten zart aufgewertet, dafür hat man aber die Koloskopie mit deutlichen Abschlägen bedacht.

Wie soll ich da noch eine moderne Gastroenterologie machen? Leistungen, die in Leitlinien schon gefordert werden, wie Kontrastmittelsonographie, HR-Darmultraschall, Elastographie, Chromoendoskopie, etc. werden schon gar nicht bezahlt (wenn es denn überhaupt mal passieren wird…)

Bisher konnten solche Leistungen noch irgendwie querfinanziert werden. Dies wird mit dem neuen EBM nicht mehr möglich sein.

Aber macht ja nichts. Dem Patienten wird gesagt - die Kassen zahlen das alles, kein Problem.
Der Doktor macht’s ja auch für weniger Geld oder umsonst - und dem Patienten Untersuchungen vorenthalten wird er schon nicht - gehört ja zum Berufsethos. Ach ja, Leistungen privat liquidieren - gehört sich ja nicht.

Und das bisschen Geld was jetzt fehlt - haben wir uns nicht so - wir verzichten ja gerne.

Wenn die nächste Mieterhöhung kommt, der Energieversorger mehr Geld will, das nächste Endoskop gekauft werden muss, der Sterilisation mal wieder kaputt ist - dann sage ich auch einfach: Nö, ich zahl nur 90% vom Preis - weil mehr passt grad nicht in meine Kostenstruktur.

Mal sehen wie weit ich damit komme………..
Avatar #555880
ziebur311265
am Donnerstag, 12. Dezember 2019, 00:42

EBM-Reform

Da haben sich die Kassen mal wieder auf ganzer Linie durchgesetzt und unsere Standesvertretung hat den Schwanz eingezogen. Um dem Unwillen der gesamten Ärzteschaft zu entgehen, die seit Jahren auf eine adaequate Anpassung der Honorierung an die veränderten Kostenstrukturen wartet, haben unsere Oberen einer Umschichtung von Mitteln für technisch-apparative Leistung zu "sprechenden" Leistungen zugestimmt. Angeblich soll es dadurch keine Verwerfungen geben. Wo fangen Verwerfungen an, Verwerfungen zu sein?
Und unsere Oberen haben den Apfel verspeist, obwohl ihnen von der Verteterversammlung dies untersagt worden war: "Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung beschloss, EBM-Reformen, die unter dem Vorbehalt einer Punktzahlneutralität stehen, grundsätzlich abzulehnen."
Hiermit sei die Ver­tre­ter­ver­samm­lung aufgerufen, die von ihr gewählten Oberen wegen Nichtbeachtung des ihnen gegebenen Mandats und Verhandlung ohne Auftrag, also Kompetenzüberschreitung, abzuwählen und in die Wüste zu schicken. Mögen sie sehen, wie sie da mit der von ihnen verhandelten Anpassungen zurecht kommen!
Avatar #93860
vosue
am Mittwoch, 11. Dezember 2019, 21:18

Wir lassen uns pausenlos über den Tisch ziehen

Nach TSVG nun eine EBM Reform, die Kostenneutral die Ärzte noch mehr belastet, wann wehren wir uns endlich systematisch
Avatar #569328
bohrer
am Mittwoch, 11. Dezember 2019, 18:12

Das gehe zwar „ein bisschen“ zulasten der technischen Fächer. Zu übermäßigen Verwerfungen werde es aber nicht kommen. „Das muss man als kleinen Erfolg werten“, sagte Gassen.

Ein Minus von 9,5 Prozent auf die Gesamteinnahmen und eine zusätzliche Kürzung von 22% der Sachkosten für Strahlentherapeuten kann ohne Zweifel als "ein bisschen" bezeichnet werden, für den der sie nicht zu entrichten hat.
LNS

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