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Medizin

„Sportlabel“ verdirbt Appetit auf hochkalorische Lebensmittel

Donnerstag, 12. Dezember 2019

/seventyfour, stockadobecom
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Loughborough/England – Ein einfacher Aufkleber, der Verbrauchern verrät, wie lange sie für die aufgenommenen Kalorien joggen oder spazieren gehen müssten, könnte viele bewegen, sich für gesündere Nahrungsmittel zu entscheiden. Dies zeigt eine Meta-Analyse im Journal of Epidemiology & Community Health (2019; DOI: 10.1136/jech-2019-213216).

Die Angabe der Kalorienzahl und die Zusammensetzung der Nahrung sind für die meisten Verbraucher nicht anschaulich. Nur wenige sind bereit, ihren täglichen Energiehaushalt zu bilanzieren oder sich ernsthaft Gedanken über den richtigen Anteil von Zucker, Fetten und Proteinen zu machen. Die Kaufentscheidungen am Supermarktregal fallen schnell und impulsiv. Im Einkaufswagen befinden sich meist mehr Kalorien, als bis zum nächsten Ladenbesuch benötigt werden.

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Ein PACE-Label könnte dies möglicherweise ändern. PACE steht für „physical activity calorie equivalent“. Es handelt sich um 3 umrahmte Felder. Das erste Feld nennt die in der Verpackung enthaltenen Kalorien. Die anderen beiden Felder geben die Minuten an, die man laufen oder gehen müsste, um die Kalorien wieder zu verbrauchen. Bei einer Tafel Milchschokolade sind dies beispielsweise für 229 Kalorien 42 Minuten Gehen oder 22 Minuten Laufen. Eine Pizza im Restaurant macht einen 4-stündigen Verdauungsspaziergang erforderlich. Ein Salat wäre dagegen bereits nach 15 Minuten „abgearbeitet“.

Die „UK Royal Society for Public Health“ hat sich bereits 2016 für die Einführung von PACE ausgesprochen, bislang erfolglos, weil ein Beweis für die Wirksamkeit fehlte. Eine erste Meta-Analyse aus dem Jahr 2018 auf der Basis von 7 kleineren Studien kam zu keinem klaren Ergebnis.

Ein Team um Amanda Daley von der Universität Loughborough im mittelenglischen Leicestershire kommt aufgrund einer Analyse von 14 randomisierten Studien zu einer günstigeren Einschätzung. In den Studien, in denen den Verbrauchern verschiedene Nahrungsmittel zur Auswahl angeboten wurden, führte das PACE-Label dazu, dass am Ende 64,9 Kilokalorien weniger im Warenkorb landeten (95-%-Konfidenzintervall 26,6 bis 103,2 Kilokalorien). Bei den Verzehrstudien nahmen die Verbraucher 80,4 Kilokalorien (24,2 bis 136,7) weniger auf, wenn die PACE-Labels ihnen die zum Verbrauch notwendigen körperlichen Aktivitäten vor Augen führten.

Angesichts eines Tagesverbrauchs von etwa 2.000 Kilokalorien eines Erwachsenen mögen die Unterschiede gering erscheinen. Die wissenschaftlichen Beobachtungen zeigen jedoch, dass sich die Adipositas bei den meisten Menschen über längere Zeiträume entwickelt, in denen sie konstant etwa 100 Kilokalorien mehr zu sich nehmen als sie verbrauchen. Die PACE-Kennzeichnung könnte nach Einschätzung von Delay eine einfache aber effektive Methode sein, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Zu den Schwächen der Meta-Analyse gehört, dass die Ergebnisse in den einzelnen Studien teilweise sehr unterschiedlich ausfielen (hohe Heterogenität) und dass Angaben zu den möglichen Verzerrungen („Bias“) häufig fehlten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #555880
ziebur311265
am Donnerstag, 12. Dezember 2019, 19:53

PACE-Label

" führte das PACE-Label dazu, dass am Ende 64,9 Kilokalorien weniger im Warenkorb landeten (95-%-Konfidenzintervall 26,6 bis 103,2 Kilokalorien). Bei den Verzehrstudien nahmen die Verbraucher 80,4 Kilokalorien (24,2 bis 136,7) weniger auf, wenn die PACE-Labels ihnen die zum Verbrauch notwendigen körperlichen Aktivitäten vor Augen führten."

Wieviele Kcal landeten denn insgesamt im Warenkorb? War das nur der Einkauf für den Lunch oder ein Wocheneinkauf? Wie hoch war die Kcal-Tagesaufnahme insgesamt? Nur mit diesen zusätzlichen Angaben wäre eine Beurteilung möglich.
LNS

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