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Politik

Glaukom­früherkennung: Igel-Monitor bewertet HRT mit „tendenziell negativ“

Donnerstag, 12. Dezember 2019

/dpa

Essen – Der Igel-Monitor sieht keinen Nutzen, aber mögliche Schäden der Heidelberg Retina Tomografie (HRT) zur Glaukomfrüherkennung. Die Bewertung durch die Wissen­schaftler des Monitors lautet deshalb „tendenziell negativ“.

Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands zeigte sich in einer ersten Stellung­nah­me irritiert: „Der Berufsverband empfiehlt die HRT nicht zur Früherkennung des Glau­koms. Das Verfahren ist aber sehr gut geeignet zur Verlaufsbeobachtung“, erklärte der Verband dem Deutschen Ärzteblatt.

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Über den Igel-Monitor erhalten Versicherte evidenzbasierte Bewertungen zu Selbstzah­ler­leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen, Igel). Entwickelt wurde das Angebot vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (MDS).

Das Glaukom, auch Grüner Star genannt, ist eine weit verbreitete Augenkrankheit, die den Sehnerv schädigt und schlimmstenfalls zur Erblindung führen kann. Alle Verfahren zur Früherkennung sind individuelle Gesundheitsleistungen und müssen von Versicherten selbst bezahlt werden.

Zu den Verfahren zählt in erster Linie die Kombination aus Augeninnendruckmessung und Augenspiegelung. Darüber hinaus bieten die meisten augenärztlichen Praxen noch wei­tere Maßnahmen an, zum Beispiel die HRT. Die Untersuchung kostet laut Igel-Monitor in der Regel zwischen 70 und 120 Euro.

Die Wissenschaftler des IgeL-Monitors haben nach eigenen Angaben zwei Übersichts­ar­beiten zur Glaukomfrüherkennung gefunden. Deren Autoren konnten jedoch bei ihren Recherchen keine Studien zur konkreten Frage nach dem Nutzen einer Früherkennung mit HRT ermitteln. Das Team des IgeL-Monitors konnte ebenfalls keine einzelnen Studien zu dieser Frage finden.

In einem zweiten Schritt fragte der IgeL-Monitor, ob ein früher Therapiebeginn bessere Ergebnisse erzielt als ein später. „So richtig gut passt jedoch keine Studie, weil die Perso­nen in den Studien nicht die richtigen Voraussetzungen erfüllten, sie zu einem anderen Zeitpunkt behandelt wurden oder weil die Beobachtungszeit zu kurz war“, hieß es vom Igel-Monitor.

Allerdings sind laut den Wissenschaftlern direkte Schäden der HRT bei sachgemäßem Einsatz ebenfalls nicht zu erwarten. Indirekte Schäden seien aber möglich, zum Beispiel durch falsche positive Ergebnisse, die eine unnötige Therapie auslösen könnten. Der Igel-Monitor sieht daher keinen Nutzen, aber mögliche Schäden der HRT zur Glaukomfrüh­erkennung. Die Bewertung lautet deshalb „tendenziell negativ“. © hil/aerzteblatt.de

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