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Medizin

Cochrane-Review: Serotonin-Wiederaufnahme­hemmer nach Schlaganfall

Freitag, 13. Dezember 2019

/psdesign1, stock.adobe.com

Edinburgh – Es gibt im Augenblick keine zuverlässigen Hinweise darauf, dass die routinemäßige Gabe von Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (Selective Serotonin Reuptake Inhibitor, SSRI) die Regeneration nach einem Schlaganfall fördert. Das berichten Wissenschaftler der Cochrane Stroke Group in einem neuen Review (DOI: 10.1002/14651858.CD009286.pub3).

SSRIs sind Antidepressiva, die Serotonintransporter blockieren und so die Konzentration von Serotonin im Gehirn erhöhen. „Unser früherer Cochrane Review, der 2012 veröffentlicht wurde, schlug vor, dass SSRIs die Genesung nach einem Schlaganfall verbessern könnten“, schreiben die Autoren. Seither wurde eine große Studie mit mehr als 3.000 Teilnehmern abgeschlossen, so dass es notwendig sei, den Review zu aktualisieren.

Die Wissenschaftler fanden 63 Studien, in denen 9.168 Überlebende innerhalb eines Jahres nach ihrem Schlaganfall rekrutiert wurden. Etwa die Hälfte der Studien schloss nur Teilnehmer mit einer Depression ein. Allerdings waren laut den Autoren von allen 63 Studien nur drei mit einem geringen Verzerrungsrisiko behaftet. Die Teilnehmer an diesen Studien mussten nicht depressiv sein, um in die Studie aufgenommen zu werden. Sie wurden alle kurz nach dem Schlaganfall rekrutiert.

„Als wir Daten aus diesen drei Studien mit 3.249 Teilnehmern und geringem Bias-Risiko kombinierten, hatten SSRIs keinen oder nur einen geringfügigen Einfluss auf den Invaliditätswert oder die Hilfsbedürftigkeit der Patienten“, schreiben die Autoren. SSRIs reduzierten zwar das Risiko einer zukünftigen Depression, erhöhten aber das Risiko von Problemen mit dem Verdauungssystem.

„Wir fanden keine zuverlässigen Belege dafür, dass SSRIs routinemäßig eingesetzt werden sollten, um die Regeneration nach einem Schlaganfall zu fördern“, lautet das Fazit der Autoren. Die Meta-Analyse der Studien mit geringem Bias-Risiko habe gezeigt, dass SSRIs die Erholung nach einem Schlaganfall nicht verbessern. „Erst in den Analysen, die Studien mit hohem Bias-Risiko umfassten, identifizierten wir Verbesserungspotenziale bei der Invalidität“, erläutern die Autoren.

„Wir sind zuversichtlich, dass die Ergebnisse zuverlässig sind, wenn wir nur die Studien mit geringem Bias-Risiko einbeziehen“, betonen sie jedoch. Die Cochrane-Group weist daraufhin, dass im Augenblick noch zwei große Studien laufen. Der Review soll aktualisiert werden, sobald ihre Ergebnisse vorliegen. © hil/aerzteblatt.de

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