NewsMedizinBrustkrebs: Präventive Wirkung von Anastrozol hält über Ende der Behandlung hinaus an
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Brustkrebs: Präventive Wirkung von Anastrozol hält über Ende der Behandlung hinaus an

Montag, 16. Dezember 2019

/fotoliaxrender, stock.adobe.com

London – Die Einnahme des Aromatasehemmers Anastrozol über fünf Jahre hat in einer randomisierten Studie postmenopausale Frauen mit einem erhöhten Risiko auch über das Ende der Behandlung hinaus vor Brustkrebs geschützt. Nach den auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellten und im Lancet (2019; DOI: 10.1016/S0140-6736(19)32955-1) publizierten Ergebnissen kann die tägliche Einnahme des Wirkstoffs über fünf Jahre jede zweite Brustkrebserkrankung verhindern.

Aromatasehemmer blockieren die Synthese von Östrogenen, die ein wichtiger Wachs­tums­faktor für das Mammakarzinom sind. Die Wirkstoffe werden seit zwei Jahrzehnten erfolgreich zur „Hormontherapie“ des postmenopausalen Mammakarzinoms eingesetzt.

Die „International Breast Cancer Intervention Study II“ (IBIS-II) untersucht seit 2003, ob der Aromatasehemmer Anastrozol auch die Entwicklung eines Mammakarzinoms ver­hindern kann. Vorbild sind frühere Studien zum „Antiöstrogen“ Tamoxifen, das heute als selektiver Östrogenrezeptormodulator, SERM, eingestuft wird, weil es teilweise auch eine stimulierende Wirkung am Östrogenrezeptor hat. Tamoxifen oder der andere SERM Raloxifen haben in klinischen Studien das Brustkrebsrisiko um etwa ein Drittel gesenkt.

Aromatasehemmer haben eine stärkere präventive Wirkung. Dies zeigte sich bereits nach dem Abschluss der 5-jährigen Behandlungsphase von IBIS-II. Von den 1.920 Frauen, die auf die tägliche Einnahme von 1 mg Anastrozol randomisiert worden waren, erkrankten 40 (2 %) an Brustkrebs.

In der Placebogruppe waren es mit 85 von 1.944 Frauen (4 %) doppelt so viele. Das Team um Jack Cuzick vom Wolfson Institute of Preventive Medicine in London errechnete eine Hazard Ratio von 0,47, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,32 bis 0,68 sig­nifikant war. Anastrozol hatte das Krebsrisiko nach Abschluss der fünfjährigen Behand­lung damit um 53 % gesenkt (Lancet 2013; 383: 1041-1048).

Anzahl der Erkrankungen gestiegen

Inzwischen sind weitere fünf bis sieben Jahre vergangen. Die Anzahl der Brustkrebser­kran­kungen ist in der ehemaligen Anastrozol-Gruppe auf 85 (4,4 %) und in der ehema­ligen Placebo-Gruppe auf 165 (8,5 %) gestiegen.

Die präventive Wirkung von Anastrozol hat demnach angehalten, obwohl die Frauen das Medikament schon lange nicht mehr einnahmen. Die Hazard Ratio liegt bei 0,51 und ist mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,39 bis 0,66 weiterhin signifikant. Während die präventive Wirkung in den ersten fünf Jahren bei Östrogenrezeptor-positiven Tumoren (Hazard Ratio 0,39; 0,23 bis 0,66) und beim duktalen Carcinoma in situ (Hazard Ratio 0,29; 0,11 bis 0,80) am stärksten war, gibt es inzwischen kaum noch Unterschiede zwi­schen den einzelnen Formen.

Die Number Needed to Treat, um eine Brustkrebserkrankung zu verhindern, beträgt laut Cuzick nach 12 Jahren 29. Nach der präventiven Gabe von Tamoxifen habe sie zu diesem Zeitpunkt bei 58 gelegen, schreibt Cuzick, was die deutliche Überlegenheit von Anastro­zol in der Primärprävention des Mammakarzinoms anzeige.

Der National Health Service in England bietet die Prävention nach einem positiven Gut­achten des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) aus den Jahr 2017 bereits für postmenopausale Frauen an, die wie die Teilnehmerinnen von IBIS-II ein er­höhtes Risiko haben. Die Einschlusskriterien von IBIS-II waren ein 1,5-fach (im Alter von 60 bis 70 Jahren), zweifach (im Alter von 45 bis 60 Jahren) und ein vierfach (im Alter von 40 bis 44 Jahren) erhöhtes Risiko. Voraussetzung für die Behandlung ist ein Abschluss der Menopause.

Wichtigste Kontraindikation in der Primärprävention ist eine Osteoporose. Der Grund ist die um 11 % erhöhte Rate von Knochenbrüchen während der fünfjährigen Therapiephase. Diese Entwicklung hat sich laut Cuzick nach dem Ende der Behandlung nicht fortgesetzt.

Die Frauen seien auch nicht mehr den Nebenwirkungen von Anastrozol ausgesetzt, zu denen Gelenkbeschwerden, Hitzewallungen, vulvovaginale Trockenheit, Bluthochdruck und trockene Augen gehören. Dies wurde allerdings in der Nachbeobachtungsphase nicht erfragt.

Ein Zusatznutzen ergibt sich aus der Vorbeugung von nicht-melanotischen Hautkrebsen, an denen bisher 43 statt 73 Frauen (Hazard Ratio 0,59; 0,39 bis 0,87) erkrankten. Die Ur­sache für die präventive Wirkung ist nicht klar. Die erwartete Reduktion beim Endometri­um­karzinom (bei dem Östrogene ein etablierter Risikofaktor sind) ist dagegen ausgeblie­ben.

Das Interesse an der Prävention ist auch in Großbritannien gering. Nur etwa ein Zehntel der Frauen, für die sie infrage käme, sollen sie erhalten. In Deutschland dürfte der Anteil noch geringer sein. Die Möglichkeit der Prävention wird in den Leitlinien gar nicht er­wähnt. Ein wichtiger Einwand lautet, dass ein Rückgang der Brustkrebssterblichkeit nicht nach­gewiesen ist.

In IBIS-II sind bisher drei Frauen im Anastrozol-Arm und zwei in der Placebogruppe am Brustkrebs gestorben. Bei einer regelmäßigen Teilnahme an der Mammografie, für die die medikamentöse Prävention kein Ersatz ist, stehen heute die Chancen auf eine Früher­ken­nung gut. Für viele Frauen mit BRCA1/2-Tumoren käme die Prävention vermutlich zu spät, weil die betroffnen Frauen oft vor der Menopause erkranken. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. Februar 2020
Köln – Biomarkertests für Frauen mit primärem Brustkrebs sollen Patientinnen identifizieren, die auf eine adjuvante Chemotherapie verzichten können, weil sie ein niedriges Rezidivrisiko haben. In der
IQWiG identifiziert keine weiteren Biomarkertests zur Entscheidung über eine Chemotherapie bei Brustkrebs
28. Februar 2020
Saarbrücken – Bereits 7 Jahre vor der Diagnose Lungenkrebs kann der Tumor mittels micro-RNAs nachgewiesen werden, die im Blut zirkulieren. Das bestätigt eine Studie, in der spezifische kurze
Biomarker im Blut kündigen Lungenkrebs frühzeitig an
26. Februar 2020
Berlin – Eine fokussierte und abgekürzte Form der Magnetresonanztomografie (MRT) kann bei Frauen mit dichter Mamma signifikant mehr invasive Brusttumoren entdecken als die digitale Tomosynthese. Dies
Fokussierte MRT entdeckt Karzinome in dichter Brust eher als Tomosynthese
10. Februar 2020
Köln – Bei der chirurgischen Behandlung des primären Mammakarzinoms gibt es einen Zusammenhang zwischen der Leistungsmenge und der Qualität des Behandlungsergebnisses. Zu dieser Erkenntnis kommt das
Höhere Fallzahlen führen bei Operationen des Mammakarzinoms zu besseren Ergebnissen
16. Januar 2020
Hamburg – Brustkrebspatienten, die bei der Techniker Krankenkasse (TK) versichert sind, können ab sofort alle von der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) empfohlenen Genexpressionstests
TK schließt Vertrag zu Genexpressionstests bei Brustkrebs
30. Dezember 2019
Boston – Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Deruxtecan, das den HER2-Antikörper Trastuzumab mit einem starken Zytostatikum verbindet, hat in einer Phase 2-Studie ein fortgeschrittenes oder
Trastuzumab-Deruxtecan verlängert progressionsfreies Überleben bei HER2-positivem Mammakarzinom
18. Dezember 2019
Atlanta – Frauen, die sich nach der Menopause zu einer Gewichtsabnahme entschließen und diese erfolgreich umsetzen, könnten ihr Brustkrebsrisiko deutlich senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER