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Ausland

UN-Klimagipfel einigt sich auf Abschlusserklärung

Montag, 16. Dezember 2019

/picture alliance, Paul White, AP

Madrid – Die Weltklimakonferenz in Madrid hat sich gestern nach einer 40-stündigen Verlängerung auf eine gemeinsame Abschlusserklärung geeinigt. Nach zweiwöchigen Verhandlungen erinnerte das Plenum darin alle rund 200 Staaten an ihre Zusage, im nächsten Jahr ihre Klimaschutzziele für 2030 möglichst zu verschärfen.

Noch nie hat eine Weltklimakonferenz ihre Beratungen so lange überzogen wie in diesem Jahr. Erst 40 Stunden nach dem geplanten Ende besiegelte Konferenzpräsidentin Carolina Schmidt die Einigung auf die Abschlusserklärung mit einem Hammerschlag.

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Ziel des Pariser Abkommens ist, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu be­gren­zen. Dafür muss der Ausstoß von Treibhausgasen vor allem aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in den kommenden Jahren drastisch sinken, bisher steigt er aber immer weiter.

Vorgesehen ist, dass 2020 die Staaten ihre nationalen Pläne für den Klimaschutz nach­bessern – das sollte der Gipfel in Madrid vorbereiten. Heftig umstritten war, wie nach­drück­lich die Länder in der Abschlusserklärung ermahnt werden sollen, ihre Zusagen ein­zuhalten.

Vertreter aus 196 Staaten und der EU hatten in Madrid zwei Wochen lang verhandelt. Im Vorjahr hatten sie in Polen ein Regelwerk für den internationalen Klimaschutz vereinbart, dabei aber einen Teil offen gelassen. Es geht dabei um den Handel mit Klimaschutz-Gut­schriften. Das sollte in diesem Jahr geregelt werden. Die Konferenz scheiterte allerdings mit ihrem zentralen Vorhaben. Die Debatte wurde aufs kommende Jahr verschoben.

Die Idee: Wenn ein Land seine Ziele beim Einsparen klimaschädlicher Treibhausgase überer­füllt, soll es Gutschriften verkaufen können. Es gab bis zuletzt aber heftigen Streit, wie genau angerechnet werden soll – auch, damit nicht doppelt gezählt wird. Die Posi­tion vieler Staaten – darunter Deutschland – war, lieber keinen Kompromiss zu machen als einen schlechten.

Luisa Neubauer, führende Aktivistin der Klimabewegung Fridays For Future, erklärte, die Regierungen seien damit gescheitert, ihre Ambitionen der Krisenrealität anzupassen. „Die COP25 lässt uns nach einem Jahr mit beispiellosen Klimaprotesten ohne signifikanten Fortschritt zurück.“

Die Hilfsorganisation Brot für die Welt machte insbesondere den Industriestaaten schwe­re Vorwürfe. „Es ist extrem verantwortungslos, egoistisch und kurzsichtig, dass sie Fi­nanz­zusagen gegenüber den ärmsten Staaten für die Bewältigung von Klimaschäden ver­wehren“, bilanzierte die Organisation.

Sven Harmeling von der Organisation Care fragte: „Wie laut muss noch demonstriert werden, wie viele Warnungen muss die Wissenschaft noch aussprechen, wie viele junge Leute müssen ihre ganz reale Zukunftsangst noch äußern, damit die großen Wirtschafts­mächte sich endlich nicht mehr taub stellen?“

Die internationale Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan sagte: „Die Regierungen müssen sich komplett neu aufstellen, denn das Ergebnis der COP25 ist völlig inakzeptabel.“ Mar­tin Kaiser von Greenpeace Deutschland schrieb, die Klimaschutzkonferenz sei ein „Angriff auf das Herz des Pariser Abkommens“ gewesen. Sie verrate alle Menschen, die weltweit längst unter den Folgen der Klimakrise litten und nach schnellen Fortschritten riefen.

Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats um rund ein Grad aufge­heizt. Und die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetterauf­zeich­nungen. Zu den Folgen zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch Stürme, Überschwemmungen und Starkregen. Geht es weiter wie bisher, läge der Temperaturanstieg Ende des Jahrhunderts bei 3,4 bis 3,9 Grad. Angestrebt werden aber maximal 1,5 Grad, um die gefährlichsten Kipppunkte im Ökosystem zu umschiffen.

Vorgesehen ist schon länger, dass 2020 die Staaten ihre nationalen Pläne für den Klima­schutz nachbessern – das sollte der Gipfel in Madrid vorbereiten. Nun werden die Staaten an diese Zusage erinnert. Der nächste UN-Klimagipfel findet im November 2020 in Glas­gow statt. © dpa/aerzteblatt.de

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