NewsMedizinApps für psychische Gesundheit mit kleinen Effekten in Metaanalyse
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Apps für psychische Gesundheit mit kleinen Effekten in Metaanalyse

Montag, 16. Dezember 2019

Junge Frau verbirgt ihr Gesicht, neben ihr liegt ein Smartphone auf dem Tisch. /taa22, stock.adobe.com
/taa22, stock.adobe.com

Nürnberg/Erlangen – Immer mehr Apps versprechen, die psychische Gesundheit zu verbessern. Wie wirksam solche digitalen Smartphoneanwendungen sind, ist meist unklar. In einer Metaanalyse in npj Digital Medicine konnten Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bei Depressionen einen kleinen Effekt feststellen (2019; doi: 10.1038/s41746-019-0188-8). Etwas effektiver zeigten sich Apps, die Nutzern beim Rauchstopp helfen sollten.

Im Februar 2018 erfassten die Autoren randomisiert kontrollierte Studien (RCT), in denen die Auswirkungen von eigenständigen Apps für die psychische Gesundheit bei Erwachsenen mit erhöhtem Schweregrad untersucht wurden. In die Metaanalyse waren 19 Studien mit 3.681 Teilnehmern einbezogen: 6 Studien zu Depression, 4 zu Angst, 5 zu Substanzkonsum, 4 zu selbstverletzenden Verhalten oder Gedanken daran, 2 zu posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und 2 RCTs zu Schlafstörungen.

Anzeige

Zu den Apps zählten einige Anwendungen, die sich bereits im Appstore befinden, aber auch solche, die noch erprobt werden (zum Beispiel: PTBS Coach, Promillekoll, MoodHacker, IPST). Die gemessenen Effekte beruhen in allen Studien auf Selbsteinschätzungen der Teilnehmer.

Die Effektstärke von Apps bei Depressionen lag mit einer Number Needed to Treat (NNT) von 5,43 im unteren Bereich (Hedges’ g = 0,33, 95-%-Konfidenzintervall 0,10 bis 0,57, p = 0,005). Die Heterogenität der ausgewerteten Studien war im mittleren Bereich (I2 = 59%). Auch beim Rauchverhalten erzielten die Studien ein signifikantes Ergebnis. Um einen Effekt zu bewirken, bedurfte es etwas weniger Appnutzer (NNT = 4,59). Die Effektstärke lag fast im mittleren Bereich (g = 0,39, 95-%-CI 0,21-0,57, P ≤ 0,001, I2 = 0%).

Für Angst, Selbstmordgedanken, Selbstverletzungen oder Alkoholkonsum konnte die Metaanalyse hingegen keine signifikanten Effekte finden (g = -0,14 bis 0,18). Die Effektgrößen für einzelne Studien reichten von g = -0,05 bis 0,14 für PTBS und g = 0,72 bis 0,84 für Schlaflosigkeit.

Die Autoren kommen daher zu dem Ergebnis, dass obwohl einige Studien das Potenzial von Apps zeigten, die Verwendung von Smartphone-Apps als eigenständige psychologische Interventionen nicht empfohlen werden kann. In der Metanalyse wurden Studien untersucht, die in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt worden waren – unter anderem USA, Australien, Schweden und Schweiz.

Gutachter bescheinigen deutschsprachigen Depressionsapps qualitative Mängel

Auch 38 deutschsprachige Depressionsapps wurden bereits 2018 in einem systematischen Review untersucht. Jedoch nicht von Nutzern. Die Qualität bewerteten hier 2 unabhängige Gutachter – bei überdurchschnittlichem Rating (n = 4; Stimmungstagebuch BETA, EnkeApp, Emotion, Back to Job) beurteilten zudem 2 praktisch tätige Verhaltenstherapeuten den Nutzen der App für die klinische Praxis. Das Ergebnis: Die Apps wiesen eine mittlere Gesamtqualität auf. Wirksamkeitsstudien lagen nicht vor.

Im Deutschen Ärzteblatt hatten Forscher der Universität Ulm im vergangenen Jahr (2018) 30 Reviews zu psycho­sozialen Internet- und mobilbasierten Interventionen (IMIs) untersucht. Die Onlineprogramme konnten von Ärzten und Patient in die Behandlung integrieren, oder aber von Patienten alleine umsetzt werden. Auch hier gab es kein überzeugendes Ergebnis: Noch sei die Datenlage heterogen, die Evidenz begrenzt.

Viele Krankenkassen setzen dennoch schon jetzt auf diese IMIs und übernehmen die Kosten.

Psychotherapie im Internet: Jede Kasse bietet ein anderes Programm an

Berlin – Das Angebot Internet- und mobil-basierter Interventionen (IMI) für psychische Störungen nimmt stetig zu. Einige der Anwendungen konnten ihre Wirksamkeit bereits in randomisierten kontrollierten Studien (RCT) nachweisen, berichtete Jan Philipp Klein von der Universität Lübeck diese Woche beim Median Wissenschaftsforum in Berlin. Mindestens eine RCT definieren auch Fachgesellschaften als

Erst kürzlich ist auch eine Metanaanalyse in Obesity Reviews zum Effekt von Apps erschienen, die das Ernährungsverhalten positiv beeinflussen sollen. Die beobachteten Effektstärken lagen im unteren Bereich. Dennoch sind die Autoren dieser Studie vom Potenzial app-basierter Interventionen überzeugt. © gie/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

10. Januar 2020
Hongkong – Nach Monaten teilweise gewaltsamer Proteste zeigt einer Studie zufolge fast jeder 3. erwachsene Hongkonger Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Rund jeder 10. weise
Fast jeder 3. Hongkonger zeigt Zeichen einer Belastungsstörung
10. Januar 2020
Berlin – Die Barmer will pflegenden Angehörigen Papierkrieg ersparen. Versicherte könnten bundesweit einen Pflegeantrag ab sofort auch per App stellen, teilte die Kasse heute in Berlin mit. „Wir
Antrag auf Pflegeleistungen bei der Barmer auch per App
7. Januar 2020
Marburg – Die erfolgreiche Behandlung einer Panikstörung mittels kognitiver Verhaltenstherapie schlägt sich in einer geänderten Hirnaktivität nieder. Das berichten Wissenschaftler um Benjamin Straube
Kognitive Verhaltenstherapie verändert die Hirnaktivität
3. Januar 2020
Marburg – Panikstörung und Depressionen sowie Neurotizismus haben genetische Gemeinsamkeiten. Das berichten Wissenschaftler des Marburger Instituts für Humangenetik in Molecular Psychiatry (2019; doi:
Genetischer Zusammenhang zwischen Panikstörungen und Depressionen entdeckt
2. Januar 2020
Baltimore – Der frühe Kontakt zu Hunden im Haushalt war in einer Kohortenstudie in PLOS One (2019; doi: 10.1371/journal.pone.0225320) mit einem um 1/4 verminderten Risiko verbunden, an einer
Hunde, nicht aber Katzen könnten im Haushalt vor Schizophrenien schützen
18. Dezember 2019
Kiel – Das Landeskabinett von Schleswig-Holstein hat gestern dem von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Heiner Garg (FDP) eingebrachten Gesetzentwurf zur Hilfe und Unterbringung von Menschen mit Hilfebedarf infolge
Schleswig-Holstein novelliert Gesetz zur Unterbringung psychisch kranker Menschen
13. Dezember 2019
Würzburg – Ein „Deutsches Zentrum für Präventionsforschung Psychische Gesundheit“ (DZPP) hat die Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg gegründet. Es soll unter anderem Präventionsprogramme zur
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER