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Medizin

Anwender der Präexpositions­prophylaxe erkranken in Metaanalyse häufig an anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen

Montag, 16. Dezember 2019

Chlamydien /Tatiana Shepeleva, stock.adobe.com
Chlamydien Infektionen gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. /Tatiana Shepeleva, stock.adobe.com

London – Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die Menschen mit hohem Infektionsrisiko vor einer HIV-Infektion schützen kann, verleitet viele Anwender offenbar, den Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD) zu vernachlässigen. Nach einer Metaanalyse in JAMA (2019; 2: e1917134) infizieren sich bereits in den ersten 3 Monaten der PrEP 3/4 der Anwender mit Chlamydien, Gonokokken oder Treponema pallidum.

Die PrEP wird vor allem Personen mit einem hohen HIV-Infektionsrisiko angeboten. In westlichen Ländern sind dies vor allem Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), in Afrika südlich der Sahara auch Frauen mit häufig wechselnden Partnern und Sexarbeiterinnen. Diese Personengruppen haben auch ein erhöhtes Risiko auf andere STD wie Chlamydiose, Gonorrhö oder Syphilis. Das Angebot einer PrEP wird deshalb häufig mit Untersuchungen auf diese Erkrankungen verbunden.

Wie sinnvoll dieses Angebot ist, zeigen die jetzt von Jason Ong von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in London und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnisse aus 88 Studien. Davon wurden 62 Studien in Ländern mit hohem Einkommen und 58 bei MSM durchgeführt.

Schon zu Beginn war fast 1/4 der PrEP-Anwender mit anderen STD infiziert. Ong ermittelt eine gepoolte Prävalenz von 23,9 % (95-%-Konfidenzintervall 18,6 bis 29,6 %). Am häufigsten waren anorektale Infektionen (Chlamydien 8,5 % und Gonorrhö 9,3 %) vor genitalen Infektionen (Chlamydien 4,0 % und Gonorrhö 2,1 %) und oropharyngealen Infektionen (Chlamydien 2,4 % und Gonorrhö 4,9 %).

In den ersten 3 Monaten der PrEP kam es dann zu einem deutlichen Anstieg von Neuinfektionen. Ong ermittelt eine gepoolte Inzidenz von Chlamydiose, Gonorrhö oder früher Syphilis von 72,2 pro 100 Personenjahre (60,5 bis 86,2).

Da die PrEP die Angst vor einer HIV-Infektion nimmt, erscheint ein Anstieg des sexuellen Risikoverhaltens nicht weiter verwunderlich, findet Roger Chou von der Oregon Health & Science University in Portland. Der Editorialist rät deshalb, die PrEP stets mit dem Angebot zur Prävention und Behandlung anderer STD zu verbinden.

Studien aus Deutschland sind nicht in die Metaanalyse eingeflossen. Auch hierzulande dürften PrEP-Anwender, in erster Linie sind es MSM, ein erhöhtes Risiko auf eine STD haben. Die deutsch-österreichischen PrEP-Leitlinien empfehlen deshalb Untersuchungen auf Hepatitis C (alle 6 bis 12 Monate), Syphilis (alle 3 Monate), Gonorrhö (alle 3 bis 6 Monate) und Chlamydien (alle 3 bis 6 Monate). © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Montag, 16. Dezember 2019, 19:53

Keine Überraschung

dass die "PrEP" zu einem Rückgang des Kondomgebrauchs führt, ist doch zu erwarten... da gibt es ein paar HIV-Neuinfektionen weniger, dafür ein paar Tausend STD-Infektionen mit durchaus schweren Folgen mehr...
Avatar #555880
ziebur311265
am Montag, 16. Dezember 2019, 19:31

PrEP + STD-Inzidenz

Wen wundert's? Muß das Rad immer wieder neu erfunden werden? Ich denke, das Geld für die Studien könnte für Anderes besser eingesetzt werden.
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