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Singende Rettungskräfte landen Internet-Hits

Dienstag, 17. Dezember 2019

/dpa

Wittmund – Ein Notfallsanitäter, eine Notärztin und ein Rettungsassistent haben mit ihren selbst geposteten Videos Internet-Hits gelandet. Alle drei machen in humorvoller Weise auf Probleme in ihrem Alltag aufmerksam: Sie klagen über gesetzliche Vorgaben, den Missbrauch des Notrufs sowie fehlende Anerkennung.

„Meine Nummer, die kennt wohl jedes Kind, doch mancher wählt sie auch mal zu ge­schwind“, singt Jan Dreier, der in der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland in Witt­mund Notrufe entgegennimmt. Mit Husten, „und das schon 14 Tage“, verlangten sie „'ne Rettungstrage“.

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Nach Beobachtung des 30-Jährigen sinkt die Hemmschwelle, die Rettungskräfte zu alar­mieren: „Es rief sogar mal eine Frau an, die wollte, dass die Feuerwehr ihr Sandsäcke lie­fert, weil ihr Keller überschwemmt war.“ Dagegen hätten ältere Leute, denen es richtig schlecht geht, oft Scheu, die 112 zu wählen.

Dreier ist völlig überwältigt von den Hunderten Kommentaren zu seinem Zweieinhalb-Mi­nuten-Video. „Lieber Kollege, du sprichst mir aus der Seele!“, heißt es da. Oder: „Gruß aus Bayern. Respekt und gut rübergebracht“.

Oder: „Super gesungen!“ Den Text dichtete er mit seinem Vater Claus Dreier, der Notfall­seelsorger ist und die Gitarrenbegleitung übernahm. „Ich singe sonst auch auf Hochzei­ten“, erzählt der Rettungsassistent. Sein Lied verstehe er als Ergänzung zu den Songs von Notfallsanitäter Felix Peter und Notärztin Doc Caro.

Felix Peter Haehne setzte sich als erster mit einer Ukulele in den Rettungswagen und löste damit den Trend aus. Der 26-Jährige arbeitet für den Arbeiter Samariter Bund (ASB) in Uschlag bei Göttingen. In seinem ironischen Song geht es darum, dass er Patienten aus rechtlichen Gründen häufig nicht helfen darf, obwohl er es könnte.

Die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter an Berufsfachschulen gibt es seit 2014. „Man erlernt Dinge, die lebensrettend sein können und den Patienten schmerzfrei ma­chen“, sagt Haehne. „Man darf es aber später im Einsatz nicht anwenden, das ist total frustrierend, besonders für junge Kollegen.“

Die Länder wollen das ändern. Der Bundesrat verabschiedete im Oktober einen Beschluss zu mehr Rechtssicherheit für Notfallsanitäter, der in den Bundestag eingebracht werden soll. Die Sanitäter sollen nach dem Willen der Länder lebensrettende Maßnahmen in speziellen Fällen auch ohne Beisein eines Notarztes ergreifen dürfen.

Carola Holzner, leitende Oberärztin am Universitätsklinikum Essen, unterstützt das Anlie­gen und antwortete Felix Peter mit einem eigenen Lied. Auch ein Notfallsanitäter sollte etwa bei Unterzuckerung Glucose geben dürfen, meint die promovierte Medizinerin, die als Notärztin in Essen und Mülheim an der Ruhr unterwegs ist.

Schmerzmittel könnten die Fachkräfte ebenfalls geben. „Dafür braucht es keinen Notarzt am Einsatzort. In Deutschland bindet man den Notarzt oft unnötigerweise“, kritisiert die 37-Jährige. „Ich hatte auch schon die Situation, dass der vermeintlich nicht mehr an­sprech­bare Patient mir fröhlich strahlend die Tür öffnete.“

Holzner will mit ihrem Blog „Doc Caro“ Medizin verständlich machen. Auf ihre Homepage hat sie eine Karaoke-Version des Notfallsanitäter-Songs gestellt. Sie hofft auf eine Geset­zesänderung in Berlin: „Dann möchte ich gemeinsam mit Felix Peter vor dem Bundestag singen.“ © dpa/aerzteblatt.de

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