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Politik

Fraktionsspitzen in Baden-Württemberg einigen sich auf Landarztquote

Mittwoch, 18. Dezember 2019

/Thomas Reimer, stock.adobe.com

Stuttgart – Mehr Ärzte sollen sich in Baden-Württemberg künftig auf dem Land nieder­lassen. Die grün-schwarzen Fraktionsspitzen einigten sich heute in Stuttgart auf Maßnah­men, um mehr Landärzte zu gewinnen und damit den massiven Mangel abzufedern. In Baden-Württemberg sind nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung des Landes derzeit rund 600 Stellen für Hausärzte nicht besetzt.

Schon bekannt war, dass es 150 zusätzliche Medizinstudienplätze geben soll. Neu ist: Davon sollen jährlich 75 Plätze für Studienanfänger in der Humanmedizin an junge Men­schen gehen, die Landarzt werden möchten, aber nach dem herkömmlichen Verfah­ren keinen Studienplatz bekamen. Diese Studenten verpflichten sich dann, nach ihrem Ab­schluss in einem Gebiet zu arbeiten, in dem es einen Ärztemangel gibt. Damit wird die von der CDU-Fraktion geforderte „Landarztquote“ umgesetzt.

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Zudem sollen die medizinischen Fakultäten an den Universitäten einen Schwerpunkt ländliche Hausarztmedizin einführen. Allen Studierenden der Humanmedizin steht es nach Angaben der Grünen dann frei, sich im Laufe des Studiums für diesen Schwerpunkt zu entscheiden. „Jeder, der im Verlauf des Studiums merkt, dass er Allgemeinmediziner wer­den will, soll einfach und hürdenarm auf diesen Schwerpunkt wechseln können“, sagte Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz.

CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart lobte den Kompromiss: „Die Landarztquote kommt. Die CDU hat sich hier auch durchgesetzt. Das ist ein großer Erfolg für die Gesundheits­po­litik im Land.“ Die Quote soll nach seinen Worten am besten vom nächsten Wintersemes­ter an gelten. Eigentlich hatte die CDU vorgeschlagen, alle 150 neuen Studienplätze nach dem von ihr vorgeschlagenen Verfahren zu vergeben.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zeigte sich skeptisch hinsichtlich der Quote. „Die Landarztquote ist ein sehr langsames Instrument, das frühestens in zwölf Jahren wirkt“, sagte sie. Man werde aber die gesetzliche Grundlage dazu schaffen und die Maßnahme in 15 Jahren bewerten. „Ich halte es für problematisch, wenn sich junge Men­schen, die 17 bis 18 Jahre alt sind, festlegen sollen, was sie in zwölf Jahren machen“, er­klärte die Ministerin.

„Sicher wird der ein oder andere seine Zukunftspläne noch einmal korrigieren wollen.“ Grundsätzlich dürfe man nicht nur in alten Hausarztmodellen denken. Man müsse viel­mehr fragen, warum nicht mehr junge Leute als Landarzt arbeiten wollten und da anset­zen. Bauer nannte die Themen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kontakt zu Kollegen und Anbindung an die Forschung.

SPD-Gesundheitsexperte Rainer Hinderer sprach von einem faulen Kompromiss, der der Sache nicht dienlich sei. „Die medizinischen Fakultäten, bei denen hier der große Sach­ver­stand liegt, haben einen guten Vorschlag vorgelegt. Dieser wird jetzt aufgrund der Ei­telkeiten der CDU nicht umfassend umgesetzt.“ Die Fakultäten hatten Stipendien ab dem 5. oder 7. Semester von 600 Euro im Monat für Studierende angeregt, die sich verpflichten, später als Landarzt zu arbeiten.

FDP-Gesundheitsexperte Jochen Haußmann kritisierte die Landarztquote auch. „Wer mit Verpflichtungsquoten arbeitet, ist auf dem Holzweg“, sagte er. „Die Menschen sollen aus innerer Motivation im ländlichen Raum arbeiten, weil die Rahmenbedingungen stimmen.“ Das Land müsse diese Bedingungen anpassen. © dpa/aerzteblatt.de

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