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Ärzteschaft

Niedergelassene hätten jeden zweiten Fall in Notaufnahmen betreuen können

Mittwoch, 18. Dezember 2019

/dpa

Berlin – Nur rund die Hälfte der Patienten, die 2018 tagsüber in den Notaufnahmen der Krankenhäuser versorgt wurden, war wirklich ein Notfall. Das geht aus einer Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) hervor. Das Ins­titut wertete dafür bundesweite Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigun­gen (KVen) aus.

Danach sind in Deutschland 4,42 Millionen Patienten im vergangenen Jahr während der Praxisöffnungs­zeiten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser versorgt worden. Mit 45,6 Prozent der Fälle standen traumatologische Behandlungsanlässe an der Spitze.

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„Patienten mit Rückenbeschwerden (8,9 Prozent), mit Magen-Darm-Erkrankungen (8,2 Prozent) und mit fiebrigen Infekten der oberen Atemwege (6,6 Prozent) wären gut von Vertragsärzten zu behandeln gewesen“, hieß es aus dem Zi. Insgesamt waren das rund 24 Prozent der Patienten.

Aus den übrigen Diagnosen (23,9 Prozent) ergebe sich ein uneinheitliches Bild. Nach Ex­pertenschätzungen hätten zwischen 30 und 50 Prozent der in den Kliniken ambulant be­handelten Notfallpatienten auch durch niedergelassene Haus- oder Fachärzte behandelt werden können. Dies wären 2,0 bis 2,5 Millionen Patienten pro Jahr.

Im ärztlichen Bereitschaftsdienst, also außerhalb der Praxisöffnungszeiten, ist es den KVen laut Zi bereits gelungen die Zahl der ambulanten Behandlungen in Krankenhaus­not­auf­nahmen seit 2016 zu senken. Diese seien zwischen 2016 und 2018 um rund 222.000 Fälle zurückgegangen.

Gleichzeitig seien die durch niedergelassene Haus- und Fachärzte im Bereitschaftsdienst behandelten ambulanten Notfälle von 2015 bis 2018 kontinuierlich um rund 360.000 Fälle angestiegen.

Laut dem Zi bleibt jetzt abzuwarten, wie sich das Angebot der KVen auswirkt, die ärztli­che Bereitschaftsdienstnummer 116117 ab dem 1. Januar 2020 rund um die Uhr zu schal­ten und Patienten mit akuten Beschwerden nach einer strukturierten medizinischen Ersteinschätzung ein Versorgungsangebot zu vermitteln. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106024
Mabued
am Donnerstag, 26. Dezember 2019, 21:07

"man hätte" den Patienten in der Praxis betreuen können

Viele Patienten warten mit Gallenkolik, Schwindel, Herzrasen, Hypertonie, AKS … sehr lange, bis sie endlich den Hausarzt kontaktieren - dann wählen sie 3-10 x und erreichen die Praxis nicht, dann muss plötzlich alles sehr schnell gehen und sie rufen über die 112 den Rettungsdienst, der schickt bei stärksten Schmerzen, Bewusstseinsstörung, Herzrasen, sehr hohem Blutdruck... sofort den Rettungs- und Notarztwagen zum "Notfallpatienten". Ich als Notarzt begleite in 70% die "Notfallpatienten" nicht. Es sind alles Hausarzteinsätze - leider habe ich keinen Rezeptblock um etwas gegen die Beschwerden zu verordnen, kann keine Überweisungen zu Fachärzten vornehmen und wenn ich Medikamente i.v. gebe könnte ja auch eine Allergie... auftreten und ich kann nicht noch einmal den Patienten besuchen oder ihn ermuntern, wenn es nicht besser wird, mich erneut zu kontaktieren. Ich bin auch im ÄBD seit 35 Jahren tätig - immer weniger Hausbesuche werden durchgeführt. Ich selber schaffe es oft auch nach 10 Minuten nicht, den Fall einem Hausarzt telefonisch zu übergeben.

Avatar #702027
heike.papenhagen
am Donnerstag, 19. Dezember 2019, 11:00

4,42 Millionen Patienten im vergangenen Jahr während der Praxisöffnungs­zeiten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser versorgt worden

Eine Analyse der Gründe wäre interessant. Aktueller Fall: Frau knickt morgens um 7:00 Uhr beim Gassigehen mit dem Hund mit dem Fuß um. Sofort akute Schmerzen, Fuß und Gelenk sofort stark angeschwollen, Auftreten nicht mehr möglich. Zwecks Behandlung in 5 chirurgischen bzw. orthopädischen Praxen angerufen, um dort akut behandelt zu werden. Antwort aller niedergelassener Vertragsärzte: Aber heute können sie auf keinen Fall kommen, für diese Akutbehandlung wenden sie sich doch an die nächste Notfallpraxis. Wie sich die Betroffene dabei gefühlt hat und welches Vertrauen sie jetzt noch (nicht mehr) in die Ärzte hat, brauch wohl nicht erwähnt werden.
LNS

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