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Medizin

Infektionen weltweit für fast jede achte Krebserkrankung verantwortlich

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Das Immunsystem greift stark durchblutete Tumore an. /Markus Blanke, stock.adobe.com
Das Immunsystem greift stark durchblutete Tumore an. /Markus Blanke, stock.adobe.com

Lyon – Krankheitserreger wie das humane Papillomavirus (HPV), Helicobacter pylori, das Hepatitis B-Virus (HBV) oder das Hepatitis C-Virus (HCV) haben im letzten Jahr weltweit 2,2 Millionen und damit etwa 13 % oder fast jede 8. Krebserkrankung ausgelöst. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) in Lancet Global Health (2019; doi: 10.1016/S2214-109X(19)30488-7).

Chronische Infektionen sind eine allgemein unterschätzte Ursache von Krebserkrankungen. Dabei stuft die IARC 11 Erreger als Gruppe 1-Karzinogene ein. Die meisten Krebser­krankungen werden durch H. pylori ausgelöst. Catherine de Martel und Mitarbeiter vom IARC in Lyon schätzen in einer aktuellen Auswertung der GLOBOCAN-Daten, dass der Magenkeim 2018 für 810.000 neue Krebsfälle verantwortlich war, darunter vor allem Nicht-Kardia-Magenadenokarzinome. Die altersstandardisierte Inzidenz (ASIR) beträgt 8,7 Fälle pro 100.000 Personenjahre.

An 2. Stelle folgen die onkogenen HPV-Varianten, die im letzten Jahr für 690.000 Krebserkrankungen (ASIR 8,0) verantwortlich waren. HBV steuerte 360.​​000 neue Fälle bei (ASIR 4,1) und HCV verursachte 160.000 neue Fälle (ASIR 1,7).

Die übrigen 210.000 Krebserkrankungen entfallen auf andere Krankheitserreger, zu denen das Epstein-Barr-Virus, das Humane T-lymphotrope Virus 1 (HTLV-1), das humane Herpesvirus Typ 8 (HHV8) und einige Parasiten gehören. Das HI-Virus wird nicht zu den Krebsverursachern gezählt, auch wenn die Infektion indirekt über die Immunschwäche Krebserkrankungen fördert, etwa das Kaposi-Sarkom, dessen Auslöser jedoch HHV8 ist und nicht das HI-Virus.

Die Krankheitslast ist global ungleich verteilt. In Ostasien sind H. pylori und HBV weit verbreitet. Besonders betroffen ist China, wo 42 % aller weltweiten Krebserkrankungen durch H. pylori und 69 % aller weltweiten Krebserkrankungen durch HBV auftreten. Bezogen auf die Bevölkerung gibt es allerdings in Südkorea (ASIR 35,2) doppelt so viele H. pylori induzierte Krebserkrankungen wie in China (ASIR 15,6). In Westeuropa liegt die ASIR bei 4,0. Auch Hepatitis B ist vor allem in Ostasien ein häufiger Krebserreger (ASIR 10,5 gegenüber 0,7 in Westeuropa).

HPV-induzierte Krebserkrankungen unterscheiden sich in westlichen Ländern

HPV-induzierte Krebserkrankungen treten vor allem in Afrika südlich der Sahara (ASIR 19,3) auf, wo es kein etabliertes Screening auf Zervixveränderungen gibt. Das Zervixkarzinom ist die häufigste HPV-induzierte Krebserkrankung. Sie sind vor allem in Ländern mit niedrigem Einkommen verbreitet (ASIR 16,1 gegenüber 6,9 in Ländern mit hohem Einkommen).

In westlichen Ländern steigt infolge der veränderten Sexualgewohnheiten die Zahl der HPV-induzierten Krebserkrankungen im anorektalen und im oropharyngealen Bereich. Zahlenmäßig sind sie jedoch von untergeordneter Bedeutung.

HCV-induzierte Krebserkrankungen (vor allem der Leber) sind in Nordafrika häufig (ASIR 12,0), was letztlich die Folge von iatrogenen Infektionen im Rahmen einer von der WHO geförderten Massenbehandlung der Bilharziose ist. Sie haben in den 1960er bis 1980er Jahren eine landesweite Hepatitis C-Epidemie ausgelöst, die auch heute noch andauert. Auch in Japan ist es in der Vergangenheit im Rahmen von medizinischen Behandlungen (Schistosomiasis japonica) zu Infektionen gekommen.

Als weitere Gründe für die hohe HCV-Prävalenz in Japan gelten die finanziellen Ent­schädigungen für Blutspenden bis in die 1960er Jahre und ein intravenöser Methamphetamin-Abusus im Zweiten Weltkrieg. Die ASIR für HCV-induzierte Krebserkrankungen beträgt in Japan 4,1 gegenüber 1,7 in Westeuropa. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 18. Dezember 2019, 22:34

@Pro-Natur

Betrug setzt einen Schaden voraus, der ja nicht entstanden ist: Die Krebsmittel kosten anderswo nicht weniger...
Kick-Backs von Lieferanten anzunehmen, ist für selbständige Unternehmer anderer Branchen völlig legal, die heißen dann "Provision" oder "Treueprämie", nur im Gesundheitswesen ist das strafbar.
Geschädigt wurden allenfalls Wettbewerber der Lieferfirma, sonst niemand...
Avatar #687997
Pro-Natur
am Mittwoch, 18. Dezember 2019, 20:33

2. Versuch

https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2019/Krebstherapie-Offenbar-neues-Betrugsmodell,zytostatika112.html?fbclid=IwAR32ZuUUO3MR3u3cWx0z_zJ59cz_gD4LiuBxVxULg0o_YKS6em1XSyNsar4
Avatar #687997
Pro-Natur
am Mittwoch, 18. Dezember 2019, 20:31

Breaking News -- Krebstherapie: Offenbar neues Betrugsmodell

"Diesmal tragen die Kriminellen weiße Kittel"
https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2019/Krebstherapie-Offenbar-neues-Betrugsmodell,zytostatika112.html?fbclid=IwAR32ZuUUO3MR3u3cWx0z_zJ59cz_gD4LiuBxVxULg0o_YKS6em1XSyNsar4
Avatar #687997
Pro-Natur
am Mittwoch, 18. Dezember 2019, 20:09

Für jeden Erreger eine Impfung!

Man darf nicht vergessen, dass Impfungen bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen in Verdacht stehen. Wer autoimmun reagiert, hat dem Krebs bekanntlich wenig entgegen zu setzen. Gibt es deshalb immer mehr Krebs, weil es immer mehr Impfungen, z.T. Zwangsimpfungen gibt?
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Mittwoch, 18. Dezember 2019, 19:28

Und was bedeutet das?

Nun einfach das hier: Indem die Gesundheit im Allgemeinen und ein funktionierendes Immunsystem im Besonderen vom Vorhandensein der verschiedensten Vitamine und Mineralstoffe abhängen, sollte dieser Gesundheitsquelle mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Indem die Medizin das unterlässt, sollten die Kosten für den Ernährungsberater ebenso von der Sozialversicherung übernommen werden wie das bei den Kosten für ärztliche Behandlung selbstverständlich ist.
LNS

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