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Medizin

Haltung zu Impfungen ist immun gegenüber Informationen

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Injektion in den Oberarm /dpa
/dpa

Konstanz – Geht es um das Thema Impfungen, sind die meisten Menschen immun gegenüber Argumenten, die der persönlichen Einstellung widersprechen: Wer für Impfungen ist, bleibt für Impfungen, wer dagegen ist, bleibt dagegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Fachblatt Vaccine veröffentlichte Untersuchung der Universität Konstanz (2019; doi: 10.1016/j.vaccine.2019.11.038).

Der Psychologe Helge Giese und seine Kollegen untersuchten, wie die individuelle Einstellung zum Impfen – in diesem Fall ging es um die Grippeschutzimpfung – durch Diskussionen und Informationsflüsse im Internet beeinflusst werden. Anders als ähnliche Studien, die Beobachtungsdaten verwendeten, stützte sich die Konstanzer Forscher auf ein kontrolliertes soziales Experiment.

Anhand eines kurzen Fragebogens teilten die Wissenschaftler mehr als 1.800 US-Nutzer der Online-Plattform MTurk ein in Impfgegner, Impfbefürworter und Personen, die der Impfung unentschlossen gegenüberstehen. In die Gruppen der Impfgegner und der Impfbefürworter wurden letztlich jeweils 372 Teilnehmer eingeschlossen. Teilnehmer der Befragung mit einer relativ neutralen Haltung gegenüber der Grippeimpfung wurden herausgefiltert.

Nur Teilnehmer mit einer festen Einstellung gegenüber der Grippeimpfung – sei es pro oder contra – erhielten im Anschluss Botschaften zum Thema Grippeschutzimpfung. Deren Kenntnisnahme mussten sie durch eine Antwort in einem freien Textfeld bestätigen. Anschließend wurden sie aufgefordert, den anderen Studienteilnehmern eine eigene Botschaft zu der Thematik weiterzugeben.

Das Ziel war, die Polarisierung in Online-Kommunikationsketten zu messen, wenn Informationen zu Impfrisiken weitergegeben werden. Entgegen den Erwartungen der Forscher zeigten die Ergebnisse, dass die persönliche Haltung zum Impfen sehr widerstandsfähig gegen Radikalisierung und gegen äußere Einflüsse ist.

Radikalisierung im Internet wird möglicherweise überschätzt

Es stellte sich heraus, dass die Probanden nur solche Informationen kommunizierten, die zu ihren vorgefassten Meinungen passten. Die Studie fand auch keinen Hinweis auf „Echokammereffekte“: Ansichten zur Grippeschutzimpfung wurden in Personengruppen mit einheitlichen Meinungen nicht extremer.

„Positiv gesehen zeigen unsere Ergebnisse, dass die Onlinekommunikation über Impfungen möglicherweise nicht so negativ und alarmierend ist, wie frühere Forschungsarbeiten nahegelegt haben“, schreiben die Autoren um Giese. Für die öffentliche Gesundheit lassen sich aus diesem Befund wichtige Schlüsse ziehen. Insbesondere legt er nahe, dass sich erfolgreiche Gesundheitskommunikation auf Personen konzentrieren sollte, die sich noch keine feste Meinung gebildet haben. © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Mittwoch, 8. Januar 2020, 14:40

Endlich mal ein differenzierter Beitrag...

...von Dr. Pommer, der sich wohltuend von dem Hurra-Geschrei der Impfmaximalisten hier abhebt. Wenn mehr dergleichen käme, hätten die absoluten Impfgegner wenig Angriffsfläche.

Witzig ist jedoch folgendes:
Wenn im Artikel gesagt wird, dass Infos keinen Effekt haben, dann stellt sich die schlichte Frage: Was dann? Die Gene werden es ja wohl kaum sein, die die Einstellung zum Thema prägen.
Wie dem auch sei, also was soll die Panik, wenn mal etwas impfkritisches verbreitet wird, da ist nämlich das Geschrei und die Panik riesengroß. Könnte ja eine Mama auf die Idee kommen, eine Impfung nicht zu machen.
Avatar #88255
doc.nemo
am Freitag, 20. Dezember 2019, 08:38

Anerkannt ist nicht nachgewiesen!

Von Seiten der Impfgegner wird immer wieder die Anzahl „anerkannter“ Impfschäden als „Nachweis“ für die Schädlichkeit von Impfungen angeführt, ohne zu wissen, wie diese Anerkennungen zustande kommen: ein wissenschaftlich und medizinisch eindeutiger kausaler Zusammenhang muss nämlich nicht nachgewiesen sein, es genügt nach §61 IfSG die „einfache Wahrscheinlichkeit“. Dann KANN eine Anerkennung im Rahmen der sogenannten „Kann-Versorgung“ erfolgen. Kurz gesagt bedeutet dies, dass eine versorgungsrechtliche(!) Anerkennung bereits dann möglich ist, wenn ein kausaler Zusammenhang nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden kann - und das ist praktisch immer der Fall. Die Nichtexistenz von etwas ist grundsätzlich nicht beweisbar. Eine Statistik darüber, wie viele Anerkennungen aufgrund eines gesicherten Zusammenhangs und wie viele nur aufgrund der Kann-Regelung erfolgen, gibt es nicht. Als auch versorgungsmedizinisch tätiger Arzt ist mir aber sehr wohl bekannt, dass die weitaus größte Mehrzahl aller Impfschadensanerkennungen im Rahmen dieser Kann-Versorgung erfolgt und nicht aufgrund einer plausiblen Kausalität. Dieses Vorgehen ist politisch gewollt, um die Impfbereitschaft zu erhöhen. Daraus folgt, dass die Anzahl anerkannter Impfschäden KEINERLEI Auskunft über das tatsächliche Risikopotential von Impfungen gibt!

Avatar #737432
Rollkragen
am Freitag, 20. Dezember 2019, 08:29

@Pommer/Impfungen

Sehr geehrter Herr Kollege,
Ihr erster Satz klingt gut und gegen eine kritische Haltung ist nichts einzuwenden. Aber: die Grippeimpfung ist nicht so schlecht und wirkungslos, wie Sie schreiben, könnte aber sicher besser werden. Lesen Sie doch einmal beim RKI nach: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Influenza/faq_ges.html?nn=2375548
Zu HPV: Sie haben sicher die tragischen Fälle beim PEI gemeldet. Was ist dabei herausgekommen? Auch hier finden Sie beim RKI wichtige Infos
https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html
Im Übrigen gehöre ich nicht dem RKI oder dem PEI an, halte es aber für wichtig, dass gerade hier bei aerzteblatt.de fachlich anerkannte Webseiten präsentiert und verlinkt werden. Es tummeln sich ja genügend Impfgegner hier, denen wir nicht das Feld überlassen sollten.
Avatar #771752
catch-the-day
am Donnerstag, 19. Dezember 2019, 22:08

Mainstream-Impformationen sind unvollständig

Es gibt bekanntlich viele Methoden, Informationen zu fälschen.
Eine ist beispielsweise, nur einen bestimmten Ausschnitt zu zeigen.
Wenn beispielsweise der Rückgang der von Inzidenz und Mortalität von Masern seit der Einführung der Impfungen betrachtet, sind Impfungen statistisch beweisbar ein Erfolgsmodell, denn Inzidenz und Mortalität gehen zurück.
Betrachtet man aber auch die Jahrzehnte davor, so sieht man dass dieser Rückgang schon viele Jahre vor der ersten Impfung begonnen hat und dass der Beginn der Impfkampagnen sich statistisch nicht nachweisbar ist.
Insofern ist es wichtig, dass nicht nur alle Studien gleichberechtigt veröffentlicht werden, sondern auch, dass die zeitlichen Zusammenhänge umfassend gesehen werden.
Dazu kommt, dass bestimmte Informationen - nach denen eigentlich logischerweise gefragt werden müsste - nicht, nur sehr unvollständig oder viel zu alt zur Verfügung gestellt werden. Es bedurfte beispielsweise einer Anfrage eines AfD-landtagsabgeordneten um zu erfahren, dass in Rheinland Pfalz 157 Personen regelmäßige Schadenersatz-Zahlungen wegen anerkannten Impfschäden erhalten. Aus anderen Bundesländern ist diese - sich einfach zu ermittelnde - Zahl nicht bekannt, so dass man nur hochrechnen kann und so auf ca. 3.200 Menschen mit anerkanntem Impfschaden kommt.
Leider wird auch nicht erfasst, wie viele Anträge auf Anerkennung von Impfschäden gestellt, aber mangels gutem Rechtsanwalt nicht durchgesetzt werden können.
Wer also unvoreingenommen die Impformationslage anschaut, kommt zu einem anderen Schluss als mein "Vorredner" Dr. Pommer: Impfen ist eben NICHT gut.
Avatar #736261
Dr. Peter Pommer
am Donnerstag, 19. Dezember 2019, 19:50

Erratum

Habe bei der Erstellung meines Beitrages leider ein paar Fehler gemacht - leider gibt es keine Bearbeitungs-Funktion.

Bitte an die Redaktion: diese einbauen!
Avatar #736261
Dr. Peter Pommer
am Donnerstag, 19. Dezember 2019, 19:43

Informationen manchmal auch eigennützig

Informationen gehören zu den großen Erfolgsstorys der wissenschaftlichen Medizin und gehört sicher zu den Behandlungskonzepten der wissenschaftlichen Medizin mit am meisten Menschenleben gerettet.
Um so schlimmer die Glaubwürdigkeit durch profitorientiertes Marketing gefährdet wird. Jahr für Jahr wird die ganz schlecht wissenschaftlich belegte und oft wirkungslose Grippeschutzimpfung (die in einer Studie nicht zu einer Abnahme der Krankheitstage bei Arbeitnehmern geführt hat - ein sehr valider Parameter!) immer wieder auf den Markt gedürckt.

Hinsichtlich schädlicher Zusatzstoffe und Verunreinigung besteht bei der Industrie leider keinerlei Selbstkritik.

Und wenn ein sehr berechtigt kritisches Review um HPV-Impfstof, das zeigt, dass negative Studien einfach nicht veröffentlich wurden, veröffentlicht und verteidigt wird, entläßt man einfach den Autor Prof. Goetzsche aus seinem Amt des Vorstandes des Nordic Cochrane Centers - sicher auf massivsten Druck der Hersteller dieses Blockbusters.
Wohlgemerkt - diese Impfung mag letztlich sich als sehr wertvoll erweisen, aber für die initiale Zulassung habe die Hersteller sich des wissenschaftlichen Vergehens einer Nicht-Publikation ungünstiger Studien schuldig gemacht.

Ein guten Umgang mit zuletzt nicht so überzeugenden Studien hat gerade Novartis demonstriert, das ein neues Asthmamedikament, in das bereits sehr viel Geld geflossen war, deswegen NICHT auf dem Markt bringt.
Die Hersteller der HPV-Impfstoffe hätten vor der Vermarktung noch weitere Studien auflegen sollen. Nach der Markteinführung von Gardasil gingen allein durch meine bescheidenen Hände zwei zuvor gesunde junge Frauen, die nach dieser Impfung ein sonst nicht erklärbares Multiorganversagen erlitten hatten.

Fazit: Impfen ist gut, mehr kritischen Distanz bei diesem Thema noch besser!
LNS

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