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Medizin

Lichttherapie bessert Schlaf, Depressionen und Agitiertheit bei Alzheimer

Donnerstag, 19. Dezember 2019

/chones, stock.adobe.com

Albany/New York – Die Ausstattung von Pflegeheimen mit taghellem Licht zur Synchronisierung des Tag-Nacht-Rhythmus hat in einer randomisierten Studie im Journal of Clinical Sleep Medicine (2019; 15: 1757-1767) die Schlafqualität von Patienten mit Alzheimer-Demenz verbessert. Es kam zu einem Rückgang der depressiven Symptomatik und tendenziell auch der Agitiertheit.

Viele Patienten mit Morbus Alzheimer leiden unter Schlafstörungen. Die Tagesmüdigkeit, eine vermehrte Unruhe am Abend („sundowning“) und vor allem die nächtlichen Wanderungen der Patienten erschweren die häusliche Pflege und sind häufig Anlass für eine Heimunterbringung.

Die Ursache der Schlafstörungen ist nicht bekannt. Hirnforscher vermuten, dass sich Schlafmangel und Krankheit gegenseitig verstärken, da es bei fehlendem Schlaf zu vermehrten Ablagerungen von Beta-Amyloiden kommt.

Mariana Figueiro vom Rensselaer Polytechnic Institute in Troy bei Albany im US-Staat New York vermutet, dass die fehlende Synchronisation des zirkadianen Biorhythmus eine Rolle spielen könnte. Patienten mit Demenzen würden nur noch selten das Haus verlassen und die Innenräume würden in der Regel nicht genug Licht bieten, um das Tageslicht zu ersetzen. Nach der Unterbringung in einem Heim würde sich die Situation meist weiter verschlechtern. Dort komme zur schwachen Ausleuchtung der Räume am Tag noch die Notwendigkeit, Gänge und Räume auch in der Nacht aus Sicherheitsgründen zu beleuchten. Der zirkadiane Rhythmus der Patienten würde dadurch nur noch weiter zerrüttet.

Lampen sorgen für taghelles Licht in Pflegeheimen

Die Forscherin hat deshalb 8 Pflegeheime in New York und in Vermont mit Lampen, Lichtboxen und großen Lichttischen ausgestattet, die in den Räumen für ein taghelles Licht sorgen.

Die 46 Teilnehmer der Studie, 30 Frauen und 16 Männer mit Demenzerkrankungen, wurden über 14 Wochen einem hohen „zirkadianen Stimulus“ ausgesetzt, der die Produktion des Schlafhormons Melatonin am Tag blockieren sollte. Während einer 2. Phase von 14 Wochen wurden die Leuchten soweit gedimmt, dass nach früheren Studien der Forscher eine sichere Synchronisierung des Tag-Nacht-Rhythmus nicht mehr gewährleistet war.

Die 3 primären Endpunkte der Studie waren Schlafstörungen, Depressionen und Agitiertheit der Patienten. Die Schlafstörungen wurden mit dem Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) ermittelt. Patienten oder Pflegekräfte bewerten 7 Schlafeigenschaften mit jeweils bis zu 3 Punkten, wobei eine höhere Punktzahl eine verringerte Schlafqualität angibt. Ein Wert von über 5 Punkten steht für einen schlechten Schlaf. Dieser Zustand wurde zwar nicht erreicht, doch der PSQI verbesserte sich unter der Lichttherapie immerhin von 10,30 auf 6,67 Punkte.

Die Depressionen wurden mit der Cornell Scale for Depression in Dementia gemessen, der 19 Aspekte der Depression beurteilt und einen Wert von 0 bis 12 Punkten annehmen kann, wobei hohe Werte eine vermehrte Depressivität anzeigen. Hier kam es unter der Lichttherapie ebenfalls zu einer signifikanten Verbesserung von 10,3 auf 7,05 Punkte.

Die körperliche Unruhe der Patienten wurde mit dem Cohen-Mansfield Agitation Inventory (CMAI) bestimmt. Er bewertet 29 Verhaltensaspekte mit bis zu 7 Punkten. Ein Gesamtscore von mehr als 45 Punkten gilt als klinisch relevant. Während der Lichttherapie kam es zu einem Rückgang von 42,65 auf 37,14 Punkte. Obwohl der Unterschied deutlich war, wurde das Signifikanzniveau hier nicht erreicht.

Die Studie belegt erstmals die Effektivität einer Lichttherapie. Frühere Studien waren zu widersprüchlichen Ergebnissen gekommen und eine Cochrane-Analyse aus 2014 hielt die Behandlung nicht für evidenzbasiert. © rme/aerzteblatt.de

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Walter-Schuckenberg
am Sonntag, 12. Januar 2020, 09:53

Lichttherapie Demenz

Sehr geehrte Damen und Herren,
dieser Artikel ist sehr interessant. Man sollte gerade bei neuen Einrichtungen, zB. Demenz -Wg oder Tagepflegeeinrichtungen, diese Erkenntnis mehr Wert schätzen. Eine ganz simple Erfahrung, die doch anscheinend viel bewirken könnte. Warum also nicht gleich beim Bau und Einrichtung darauf achten?
Mit freundlichen Grüßen M. Walter-Schuckenberg
LNS

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