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Medizin

Appetitzügler Fenfluramin senkt Anfallsfrequenz bei Dravet-Syndrom deutlich

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Junges Mädchen hat einen epileptischen Anfall und stürzt zu Boden. /madrolly, stock.adobe.com
Beim Dravet-Syndrom treten häufige epileptische Anfälle ab der frühen Kindheit auf. /madrolly, stock.adobe.com

Emeryville/Kalifornien – Der Appetitzügler Fenfluramin, der vor 20 Jahren nach vermehrten Herzklappenfehlern vom Markt genommen wurde, hat in 2 randomisierten Studien im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)32500-0) die Anfallsfrequenz von Kindern mit Dravet-Syndrom deutlich gesenkt. Dass keine schweren Komplikationen aufgetreten sind, wird auf eine vergleichbar niedrige Dosis zurückgeführt.

Das Dravet-Syndrom ist eine seltene angeborene epileptische Enzephalopathie mit häufigen Anfällen ab der frühen Kindheit. Die Erkrankung geht mit schweren neurologischen und auch kognitiven Störungen einher. Die oft mehrmals monatlichen Anfälle gefährden das Leben der Kinder, von denen viele im Status epilepticus oder an einem SUDEP („sudden unexpected death in epilepsy“) vorzeitig sterben.

Mit bisherigen Medikamenten lassen sich die Anfälle häufig nicht verhindern. Bis in die 1990er Jahre wurden viele Patienten „Off-Label“ mit Fenfluramin behandelt, das damals (zusammen mit Phentermin) als Appetitzügler Fen-Phen zugelassen war. Doch Fen-Phen wurde 1997 verboten, nachdem es zu einer erhöhten Zahl von Herzklappenfehlern und schweren pulmonalen Hypertonien gekommen war. Damit mussten auch Neurologen auf den Einsatz von Fenfluramin verzichten. Nur in Belgien blieb das Mittel dank eines königlichen Dekrets verfügbar.

Firma will Zulassung von Fenfluramin bewirken

Die von dort berichteten guten Erfahrungen bewogen eine kalifornische Firma, die sich auf die Entwicklung von Medikamenten für seltene Erkrankungen spezialisiert hat, die erneute Zulassung von Fenfluramin anzustreben. Die dafür notwendigen Studienergebnisse wurden jetzt veröffentlicht.

An den beiden internationalen Studien (eine mit deutscher Beteiligung) nahmen 119 Patienten mit Dravet-Syndrom im Alter von 2 bis 18 Jahren teil, die trotz der Behandlung mit im Mittel 2,4 Antiepileptika im Durchschnitt etwa 40 Anfälle pro Monat hatten. Während der Studie setzten die Patienten ihre bisherige Therapie fort. Ein Drittel wurde zusätzlich mit 0,2 mg/kg Fenfluramin behandelt. Ein weiteres Drittel erhielt 0,7 mg/kg Fenfluramin und die übrigen Patienten Placebo. Der Einsatz von Stiripentol, das ebenfalls zur Behandlung des Dravet-Syndroms zugelassen ist, war nicht erlaubt.

Während der 14-wöchigen Studiendauer kam es unter der höheren Dosierung zu einem Rückgang der Anfallsfrequenz um 74,9 % von anfangs 20,7 auf 4,7 Anfälle pro 28 Tage. Unter der niedrigen Dosierung traten 42,3 % weniger Anfälle auf (von 17,5 auf 12,6 pro 28 Tage).

In der Placebogruppe kam es zu einem Rückgang um 19,2 % (von 27,3 auf 22,0 pro 28 Tage). Wie die „FAiRE DS“ Studiengruppe um Arnold Gammaitoni vom Hersteller Zogenix berichtet, waren die Unterschiede zur Placebogruppe für beide Dosierungen signifikant. Die Reduktion betrug für die höhere Dosierung 62,3 % (95-%-Konfidenzintervall 47,7 bis 72,8) und für die niedrige Dosierung 32,4 % (6,2 bis 52,3).

Länger anfallsfrei mit hoher Dosis

Die klinische Bedeutung der Ergebnisse zeigt sich darin, dass die Patienten unter der höheren Dosis bis zu 25 Tage und unter der niedrigen Dosis bis zu 15 Tage anfallsfrei blieben gegenüber maximal 9,5 Tagen in der Placebo-Gruppe.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten ein verminderter Appetit, Durchfall, Müdigkeit, Lethargie, Schläfrigkeit und eine Gewichtsabnahme.

Bei allen Kindern wurden im Verlauf der Studie Echokardiografien durchgeführt. Störungen von Klappenfunktion und -morphologie oder Anzeichen einer pulmonalarteriellen Hypertonie wurden laut Gammaitoni niemals gefunden. Die Mediziner hoffen, dass dies auch so bleiben wird. Ihr Optimismus gründet sich auf die vergleichsweise geringe Dosierung von 26 mg pro Tag. Der Appetitzügler Fen-Phen war in Dosierungen von bis zu 220 mg eingesetzt worden. © rme/aerzteblatt.de

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