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Medizin

Störungen durch Telefonanrufe können Medikationsfehler begünstigen

Montag, 23. Dezember 2019

/dpa

Philadelphia – Pflegepersonal in Krankenhäusern macht einer Studie zufolge eher Fehler bei der Verabreichung von Arzneimitteln, wenn es durch Telefonanrufe gestört wird. Dies zeigt eine Untersuchung auf einer pädiatrischen Intensivstation mit 55 Betten in den USA. Dies gelte insbesondere in der Nachtschicht und bei geringerer Erfahrung der Pflegekraft, aber auch, wenn Patienten mit hohem Versorgungsaufwand mitbetreut würden, berichten die Autoren in JAMA Pediatrics (2019; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2019.5001).

Der Kinderarzt Christopher P. Bonafide vom Children’s Hospital of Philadelphia und seine Kollegen untersuchten retrospektiv über ein Jahr die Daten von 257 Pflegekräften und den 3.308 Patienten, denen sie Medikamente verabreichten. Insgesamt konnten sie 238.540 Medikamentenverabreichungen analysieren.

Als Unterbrechung galt ein Telefonanruf oder eine Textnachricht auf dem Diensthandy der Pflegekraft in den 10 Minuten unmittelbar vor der Verabreichung der Medikation. Dem Bericht der US-Forscher zufolge lag die Fehlerrate bei 3,1 % (95-%-KI 3,0-3,3), wenn die Pflegekraft ungestört von Anrufen ihre Arbeit verrichten konnte. Wurde sie dagegen durch Telefonanrufe gestört, lag die Fehlerrate bei 3,7 % (95%-KI 3,4-4,0).

Das Risiko für das Auftreten von Fehlern war aber auch durch die Schicht und die Erfahrung des Pflegepersonals mitbestimmt. Bei Pflegekräften mit mindestens 6 Monaten Erfahrung auf einer pädiatrischen Intensivstation hatten Störungen durch Telefonanrufe während der Tagschicht keinen negativen Einfluss (Odds Ratio (OR) 1,02 (95%-KI 0,92-1,13; p=0,73). Bei Pflegekräften mit weniger Erfahrung lag die OR in diesem Fall bei 1,22 (95%-KI 1,00-1,47; p=0,046).

Während der Nachtschicht wirken sich Unterbrechungen durch Telefonanrufe möglicherweise besonders stark auf das Fehlerrisiko aus: Weniger erfahrenes Pflegepersonal machte, unterbrochen durch Telefonanrufe, mit einer OR von 1,53 (95%-KI 1,16-2,03; p=0,003) einen Fehler bei der Medikation. Aber auch bei den Pflegekräften mit mehr als 6 Monaten Erfahrung lag die OR für Fehler in dieser Situation noch bei 1,35 (95%-KI 1,16-1,57; p<0,001).

Darüber hinaus spiele auch das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit der Patienten sowie der Personalschlüssel eine Rolle, berichten die Autoren um Bonafide. Pflegekräfte, die auch für die Medikation von mindestens einem Patienten mit mechanischer Beatmung oder arterieller Katheterisierung verantwortlich waren, hatten ebenfalls ein signifikant erhöhtes Fehlerrisiko (OR 1,21; 95%-KI 1,03-1,42; p=0,02), wenn sie durch Telefonanrufe unterbrochen wurden.

Textnachrichten stören offenbar nicht

Textnachtrichten waren im Gegensatz zu Telefonanrufen nicht mit dem Risiko für Medikationsfehler assoziiert (OR 0,97; 95%-KI 0,92-1,02; p=0,22).

Die Autoren räumen ein, dass kommunikationsbedingte Unterbrechungen im Krankenhaus­alltag nicht vollständig verhindert werden können. Doch, schreiben sie weiter, „Interven­tionen, die darauf abzielen, die Häufigkeit und die negativen Konsequenzen von Unterbrechungen zu verringern, sollten die Tageszeit, die Erfahrung der Pflegekraft, den Personalschlüssel und den Grad an Pflegebedürftigkeit der Patienten berücksichtigen“. © nec/aerzteblatt.de

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