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Million Women Study: Adipositas, nicht aber Bewegungsmangel erhöht Demenzrisiko im Alter

Freitag, 20. Dezember 2019

/New Africa, stock.adobe.com
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Oxford – Frauen, die im Alter von Mitte 50 adipös sind, erkranken im Alter häufiger an einer Demenz. Dies kam in einer Analyse der Million Women Study in Neurology (2019; doi: 10.1212/WNL.0000000000008779) heraus. Körperliche Inaktivität und eine geringe Kalorienzufuhr zeigten dagegen kein erhöhtes Risiko an.

Die Adipositas wird seit längerem als Risikofaktor für Demenzerkrankungen diskutiert. Sie ist eine Komponente des metabolischen Syndroms, das die Entwicklung einer Athero­sklerose fördert. Die Verkalkung der zerebralen Arterien verschlechtert die Hirndurchblutung, was wiederum die Entwicklung von degenerativen Hirnerkrankungen fördert, zu deren Symptomen häufig eine Demenz gehört.

Der Zusammenhang ist in epidemiologischen Studien nur schwer nachzuweisen, da Demenzerkrankungen meist mit einer Gewichtsabnahme einhergehen, die in der präklinischen Phase viele Jahre vor der Diagnose einsetzt. Dies kann dazu führen, dass in epidemiologischen Studien ein niedriges Körpergewicht mit einer Demenz assoziiert ist. Die Epidemiologen nennen dies reverse Kausalität.

Dies war in den ersten Jahren auch in der Million Women Study zu beobachten. An der Studie beteiligten sich fast 1.137.000 Frauen, die bei einem Mammografietermin im Alter von Mitte 50 rekrutiert worden waren. Inzwischen sind 18.695 Teilnehmerinnen an einer Demenz erkrankt.

In den ersten 5 Jahren erkrankten Frauen mit einem ungewöhnlich niedrigen Body-Mass-Index (BMI) von unter 20 kg/m2 fast 3-mal so häufig an einer Demenz wie normal­gewichtige Frauen. Sarah Floud von der Universität Oxford und Mitarbeiter ermitteln ein relatives Risiko (RR) von 2,93, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,18 bis 3,94 signifikant war.

In den folgenden Jahren schwächte sich die Assoziation zunehmend ab und ab dem 15. Jahr ist für Frauen, die im Alter von Mitte 50 adipös waren, ein im Alter erhöhtes Demenzrisiko nachweisbar (RR 1,21; 1,16 bis 1,26).

Bewegungsmangel und eine Unterernährung scheinen dagegen das Demenzrisiko langfristig nicht zu erhöhen. Für beide Faktoren war in den ersten Jahren eine positive Assoziation nachweisbar.

Floud führt dies erneut auf eine reverse Kausalität zurück. Denn Menschen mit einer Demenz bewegen sich bereits im Prodromalstadium weniger, und auch ihre Nahrungsaufnahme ist häufig eingeschränkt. Nach etwa 15 Jahren war dieser Effekt vollständig abgeklungen. Floud ermittelt für die Folgejahre eine RR von 1,05 (1,02 bis 1,08) für Bewegungsmangel und 1,3 (0,94 bis 1,13) für eine geringe Kalorienzufuhr.

Für Frauen in den mittleren Jahren bedeutet dies, dass die Vermeidung von Übergewicht und Adipositas wichtiger ist als Sport, um Demenzerkrankungen im Alter zu vermeiden. Auch eine vermeintlich gesunde Ernährung bleibt ohne Vorteile, solange der BMI zu hoch ist. © rme/aerzteblatt.de

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