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Medizin

Antikörper-Wirk­stoff-Konjugat erzielt bei Urothelkarzinom Remissionen

Freitag, 20. Dezember 2019

Darstellung des Harnsystems. /Ryodiyim, stock.adobe.com
Das Urothelkarzinom geht vom Uro­thel aus meist in die Harn­blase, aber auch in das Nieren­becken, die Urete­ren oder Urethra. /Ryodiyim, stock.adobe.com

New York – Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Enfortumab vedotin, das das Zytostatikum MMAE gezielt zu Krebszellen transportiert, hat in einer Phase-2-Studie im Journal of Clinical Oncology (2019; 37: 2592-2600) bei Patienten mit metastasiertem Urothelkarzinom häufig zu Remissionen geführt. Die US-Arzneimittelbehörde FDA stimmte daher einer beschleunigten Zulassung zu.

Ein lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Urothelkarzinom wird zunächst mit einer platinbasierten Chemotherapie behandelt. Nach dem unvermeidlichen Rezidiv sind die Optionen auf Checkpoint-Inhibitoren (PD-1- oder PD-L1-Hemmer) beschränkt, die jedoch nur selten eine erneute Remission erzielen.

Eine neue Behandlungsmöglichkeit bietet, zunächst nur in den USA, das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Enfortumab. Es besteht aus einem Antikörper, der das Ober­flächenmerkmal Nectin-4 erkennt, das häufig von den Zellen des Urothelkarzinoms exprimiert wird. An den Antikörper gekoppelt ist das Zytostatikum Monomethyl-Auristantin E (MMAE). Es blockiert die Polymerisation von Tubulin, was die Zellteilung von Tumorzellen verhindert. MMAE ist ein effektives Zytostatikum, das jedoch für eine systemische Anwendung zu toxisch ist.

In Verbindung mit dem Antikörper entfaltet MMAE seine Zytotoxizität erst, nachdem das Konjugat von den Tumorzellen aufgenommen wurde. Enfortumab vedotin wurde in Nordamerika und Japan in einer Phase-1-Studie an 125 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom erprobt, die zuvor mit einem Checkpoint-Inhibitor und einer Platin-basierten Chemotherapie behandelt worden waren.

Remission bei 44 % der Patienten

Wie Jonathan Rosenberg vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York und Mitarbeiter kürzlich berichteten, erzielten die Infusionen von Enfortumab vedotin bei 55 Patienten (44 %) eine Remission, die bei 15 Patienten (12 %) komplett war. Die mediane Ansprechdauer betrug 7,6 Monate.

Die hohe Ansprechrate ist erstaunlich, da 80 % der Patienten auf die vorherige Behandlung mit einem Checkpoint-Inhibitoren nicht mehr angesprochen hatten.

Die Verträglichkeit scheint akzeptabel zu sein. Die häufigsten behandlungsbedingten Nebenwirkungen waren Müdigkeit, periphere Neuropathie, Alopezie, Hautausschläge, ein verminderter Appetit und eine Dysgeusie. Die häufigste schwerwiegende Komplikation war eine Neutropenie, die bei 4 % der Patienten auftrat. Therapiebedingte Todesfälle hat es laut Rosenberg nicht gegeben.

Die Zulassung der FDA ist vorläufig und an den Ausgang einer laufenden Phase-3-Studie gebunden. Dort wird die Wirkung von Enfortumab vedotin mit einer konventionellen Chemotherapie an 550 Patienten mit Urothelkarzinom untersucht, bei denen es nach einer Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren zu einem Rezidiv gekommen ist. Der Hersteller hat auch bei der EMA einen Zulassungsantrag gestellt. © rme/aerzteblatt.de

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