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Medizin

Superresistente Shigellen zirkulieren bei MSM in Australien

Freitag, 20. Dezember 2019

Shigel­la sind gramnegative Stäb­chen­bakteri­en, die ei­ne Shigello­se (Ruhr) ver­ur­sachen. Sie verbreiten sich ü­ber Fliegen und werden fä­kal-oral so­wie ü­ber kontaminier­te Le­bens­mit­tel übertragen. /Kateryna_Kon, stock.adobe.com
Shigel­la sind gramnegative Stäb­chen­bakteri­en, die ei­ne Shigello­se (Ruhr) ver­ur­sachen. Sie verbreiten sich ü­ber Fliegen und werden fä­kal-oral so­wie ü­ber kontaminier­te Le­bens­mit­tel übertragen. /Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Melbourne – Die Shigellenruhr, die in Ländern mit prekären hygienischen Verhältnissen eine häufige Ursache von Durchfallerkrankungen ist, tritt in hoch entwickelten Ländern auch bei Männern auf, die Sex mit Männern (MSM) haben. In Australien hat sich in dieser Gruppe in den letzten Monaten ein Stamm ausgebreitet, der gegen alle verfügbaren oralen Antibiotika resistent ist. Bei Reisen könnte der Erreger auch andere Kontinente erreichen, warnen Infektiologen im New England Journal of Medicine (2019; 381: 2477-2479).

Shigellen, die fäkal-oral übertragen werden, sind hoch-infektiös. Schon wenige Bakterien reichen für eine Darmbesiedlung, die nach wenigen Tagen eine wässrige Diarrhö zur Folge hat. Die Infektion bleibt zwar in der Regel auf den Darm beschränkt, es kann jedoch zu profusen Durchfällen mit blutig-schleimigen Stühlen wie bei einer klassischen Ruhr kommen.

Die Erkrankung ist selbstlimitierend. Wegen der hohen Infektiosität und der gelegentlich sehr schweren Krankheitsverläufe wird jedoch zu einer Antibiotikabehandlung geraten, die die Bakterienausscheidung reduzieren und die Krankheitsdauer verkürzen kann. Mittel der Wahl sind Ciprofloxacin und Azithromycin.

Der häufige Einsatz von Antibiotika hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass die oralen Standardantibiotika oft nicht mehr wirken. Es wird deshalb zu einer Resistenztestung geraten. Trotzdem breiten sich die resistenten Shigellen aus. Als einzige Option bleibt dann nur eine intravenöse Therapie mit Ceftriaxon.

In Australien sind seit Februar letzten Jahres Infektionen mit einem derartigen extensiv-resistenten (XDR)-Stamm von Shigella sonnei aufgetreten. Bis Ende Mai diesen Jahres wurden 184 Fälle dokumentiert, von denen 172 bei der Risikogruppe der MSM auftraten.

Die genetischen Stammbaum-Analysen, die Deborah Williamson von der Universität Melbourne durchgeführt hat, deuten darauf hin, dass der Stamm wohl schon sein Anfang 2016 zirkuliert. Da MSM internationale Sexualkontakte haben, könnten die Erreger schnell andere Kontinente erreichen. Williamson rät deshalb dringend, ei einer Infektion immer die Empfindlichkeit der Stämme zu untersuchen.

In Deutschland ist es im letzten Jahr zu 675 Shigellen-Infektionen gekommen, deutlich mehr als im Vorjahr (437 Erkrankungen). Insgesamt sind die Erkrankungszahlen seit Einführung der Meldepflicht jedoch rückläufig. Im Jahr 2001 hatte es noch 1.605 Shigellosen gegeben. Die meisten Infektionen werden auf Reisen in Endemieländer erworben. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #650821
notarzt_berlin
am Sonntag, 22. Dezember 2019, 23:07

PrEP wird zum Problem

Ja. Muss leider zustimmen. Ich kenne niemanden in meinem Umfeld, der PrEP so nutzt wie eigentlich gedacht (Kondom plus PrEP), Ergo mehr mehr STDs und mehr ABx Einsatz ergo mehr Resistenzen...
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 20. Dezember 2019, 20:44

Toll

diese Super-Shigellen sind dann bald auch bei uns - und PrEP sei Dank bald weit verbreitet...
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