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Medizin

E-Zigaretten: Studie bestätigt Vitamin E als Verursacher von EVALI

Montag, 23. Dezember 2019

Eine E-Zigarette, hier ein sogenannter Selbstwickel-Verdampfer, mit Liquid. Im Verdampferkopf wird aus dem flüssigen Liquid der Dampf erzeugt. /picture alliance

Atlanta – US-Behörden haben letzte Woche die Internetseiten von 44 Anbietern illegaler Liquids für E-Zigaretten mit der Cannabisdroge Tetrahydrocannabinol (THC) schließen lassen. Die mit Vitamin E-Acetat gestreckten Liquids sind nach einer Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2019; DOI: NEJMoa1916433) für die schweren Lungenschäden verantwortlich, an denen nach jüngsten Zahlen bis Mitte Dezember 2.506 Menschen erkrankt und 52 gestorben sind (MEJM 2019; DOI: 10.1056/NEJMsr1915313 und MMWR 2019;DOI: 10.15585/mmwr.mm685152e1).

Die Internetläden wurden auf Bestreben der Food and Drug Administration (FDA) und der Drug Enforcement Administration (DEA) geschlossen. Die Behörden waren teilweise durch Interviews mit betroffenen Patienten, teils durch eigene Recherchen auf die Anbieter der THC-Liquids aufmerksam geworden.

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Die FDA hat nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 1.200 Proben aus 31 Bundes­staaten asserviert und untersuchen lassen. Die meisten Proben konnten Patienten zugeordnet werden, die an EVALI („e-cigarette, or vaping, product use associated lung injury“) erkrankt waren. In den Analysen wurde laut FDA keine einzelne Substanz gefunden, die in allen Liquids vorhanden war. Trotzdem erhärtet sich der Verdacht, dass Vitamin E-Acetat der Verursacher der schweren Lungenschäden ist, an denen seit Juli vor allem jüngere Anwender von E-Zigaretten erkrankt sind.

Die Evidenz gründet sich auf die Untersuchung der Bronchiallavagen von 51 Patienten, die in verschiedenen Kliniken in 16 US-Staaten behandelt wurden. Wie Benjamin Blount und Mitarbeiter der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta berichten, wurde bei 48 Patienten (94 Prozent) in der asservierten Bronchialflüssigkeit Vitamin E-Acetat nachgewiesen. Es war bei keinem einzigen von 99 Vergleichspersonen nachweisbar, bei denen an den gleichen Kliniken aus anderen Gründen Bronchiallavagen durchgeführt wurden. Bei den 51 Patienten mit EVALI wurden in der Bronchialflüssigkeit keine anderen potenziellen Toxine identifiziert mit Ausnahme von Kokosnussöl und Limonen (ein monozyklisches Monoterpen), die bei jeweils einem Patienten gefunden wurden.

Von den 50 EVALI-Patienten, für die Labor- oder epidemiologische Daten vorlagen, hatten 47 nachweisbar THC konsumiert. Entweder war die Droge oder seine Metaboliten noch in der Bronchialflüssigkeit nachweisbar, oder die Betroffenen hatten zugegeben, in den letzten 90 Tagen vor Beginn der Krankheit THC-haltige Liquids verwendet zu haben. Bei den anderen drei Patienten kann aufgrund der Krankengeschichte eine andere Diagnose als EVALI nicht sicher ausgeschlossen werden.

Der Anstieg von EVALI-Diagnosen seit Mitte des Jahres korrelierte auch mit dem Nachweis von Vitamin E-Acetat in den beschlagnahmten THC-Liquids. Proben aus dem letzten Jahr hatten noch kein Vitamin E-Acetat enthalten. Es wurde von den Anbietern erst in diesem Jahr den THC-Liquids zugefügt. Blount vermutet, dass Vitamin E-Acetat als Streckmittel verwendet wurde, weil es eine ähnliche Viskosität wie die THC-Öle hat.

Vitamin E-Acetat ist ein zugelassener Zusatzstoff für Nahrungsmittel und Arzneimittel. Die orale Aufnahme und die Verwendung in Dermatika gelten als sicher. Die inhalative Anwendung wurde offenbar toxikologisch bisher nicht untersucht.

Wie die Lungenschäden entstehen, ist nicht klar. Vitamin E-Acetat ist ein Ester von Vitamin E (alpha-Tocopherol) mit einer Essigsäure. Die Essigsäure versieht das Vitamin E-Molekül mit einem langen aliphatischen „Schwanz“. Er könnte die Surfactant-Schicht in den Alveolen durchdringen und sich mit den Phospholipiden in den Zellmembranen verbinden. Dies könnte zur Zerstörung der Surfactant-Schicht führen. Die Folge wäre ein Kollaps der Alveolen.

Nach einer anderen Vermutung könnte das Vitamin E-Acetat-Molekül durch die Erhitzung an den Heizspiralen der E-Zigaretten aufgebrochen werden. Dabei würde ein Keten-Molekül entstehen, das bekanntermaßen toxisch für die Lungen ist.

Ob diese Vermutungen zutreffen, müssen weitere Studien zeigen. Die FDA und die DEA wollen mit der Schließung der Internet-Shops verhindern, dass weitere Personen an EVALI erkranken. Nach den Zahlen der CDC ist es nach einem Peak am 8. September bereits zu einem Rückgang der Erkrankungsfälle gekommen. Ob dies auf eine größere Vorsicht der Anwender oder auf eine höhere Qualität der illegalen Liquids zurückzuführen ist, muss offen bleiben. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #767798
Cryonix
am Freitag, 17. Januar 2020, 20:41

Die CARDIA study

weist diese gegensätzlichen Effekte zwischen alpha- Tocopherolacetat und gamma- Tocopherolacetat indes aber nur bei oraler und nicht bei inhalatorischer Aufnahme nach.

Hat jemand je 1,2-Dipalmitoylphosphatidylcholin (1) und alpha- Tocopherolacetat (2) zusammengerührt und bei 37°C auf dem Magnetrührer beobachtet? Nicht, dass sich dabei geelartiger Pudding bildet…

(1) https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/1_2-Dipalmitoylphosphatidylcholine#section=2D-Structure
(2) https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/alpha-Tocopherol-acetate#section=2D-Structure
Avatar #732154
Christamüller
am Montag, 13. Januar 2020, 11:44

Unterschiedliche Vitamin-E-Acetate mit toxischer und non-toxic Wirkungirkung

Alpha-Tocopherol-Acetat und Gamma-Tocopherol-Acetat haben gegensätzliche Wirkungen auf FEV1 die Hyperreagibilität vermeden, oder hervorrufen können. Die hydroxylierung des Kerngerüststes ist entscheidend für die Ausbildung der Lungenschäden.

The vitamin E isoforms α-tocopherol and γ-tocopherol have opposite associations with spirometric parameters: the CARDIA study
Respir Res. 2014; 15(1): 31.
Published online 2014 Mar 15. doi: 10.1186/1465-9921-15-31
PMCID: PMC4003816
PMID: 24629024

Clinical studies of the associations of vitamin E with lung function have reported conflicting results. However, these reports primarily examine the α-tocopherol isoform of vitamin E and have not included the isoform γ-tocopherol which we recently demonstrated in vitro opposes the function of α-tocopherol. We previously demonstrated, in vitro and in animal studies, that the vitamin E isoform α-tocopherol protects, but the isoform γ-tocopherol promotes lung inflammation and airway hyperresponsiveness.

Avatar #767798
Cryonix
am Dienstag, 24. Dezember 2019, 11:39

Von Seitenhieben

zu sprechen, wäre bei der tendenziösen Darstellung im Artikel schon sehr geschmeichelt.

Das fängt schon bei der völlig unpassenden und deplatzierten Bildauswahl an: dort füllt ein Benutzer aus einem „Longfill“ einen Tröpfler. Ein Longfill enthält 100ml E-Liquid!

Sie wollen allen Ernstes suggerieren, dass in derartigen Emballagen THC-haltige Substanzen erhältlich sind? Womöglich noch, dass diese so in einem Vape-Shop über den Tresen gehen?

Das Corpus Delicti um das es hier geht, sind vorgefüllte, verkapselte Miniaturkartuschen, denn deren Inhalt ist (dort, wo er höchst offiziell verkauft wird) TEURER ALS GOLD!

Preise zwischen 35$ und 65$ - das macht im arithmetischem Mittel genau 50$. Für 0,67ml!

Um nichts anderes geht es seit Juli 2019. Nämlich von Kopisten dieser Offiziell-Ware mit vermeintlich wohltuendem Vitamin E verdünnte und auf dem Schwarzmarkt verhökerten und THICK OIL ATOMIZER genannten E-Joints.

Hat mit einer E-Zigarette nicht das Mindeste zu tun. Die dafür im Artikel aber mindestens dreimal herhalten muss.

Sollte ernsthaftes Interesse an real illustrierendem Bildmaterial bestehen, kann ich hierbei behilflich sein – Bildrechte inkludiert. (Editor Kommentar hierein reicht)
Die gleiche Kritik, aber auch Offerte wird die BZgA mit ihrer Unterseite drugcom.de erhalten.
Frohe Weihnachten!
MfG cryonix
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 24. Dezember 2019, 07:19

Bei mir kommt keine Werbung !

Außerdem sind gerade im Deutschen Ärzteblatt Journalismus und Werbung klar voneinander getrennt. Werbung für ein "ohnehin umstrittenes Vitaminpräperat" ist nicht Gegenstand redaktioneller Erörterungen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #18922
stennes
am Dienstag, 24. Dezember 2019, 05:21

Vitamin und Werbung

Ich halte es für einen schlechten Journalismus im Text eines solchen Artikels eine Werbung für eine ohnehin umstrittenes Vitaminpräperat zu schalten.
LNS

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