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Medizin

Sport kann Krebsrisiko senken

Freitag, 27. Dezember 2019

/UBER IMAGES - stock.adobe.com

Bethesda - Erwachsene, die in ihrer Freizeit körperlich aktiv waren, erkrankten in neun prospektiven Beobachtungsstudien seltener an Krebs. Die Schutzwirkung war laut der Meta-Analyse im Journal of Clinical Oncology (2019; DOI: 10.1200/JCO.19.02407) bereits bei einer mäßigen sportlichen Intensität nachweisbar. Bei einigen Krebserkrankungen nahm die protektive Assoziation mit steigender körperlicher Aktivität zu. Bei anderen Tumoren schwächte sich die protektive Wirkung wieder ab.

Der Zusammenhang zwischen körperlicher Inaktivität und einem erhöhten Krebsrisiko hat sich in den letzten Jahren immer weiter erhärtet. Da Bewegungsmangel ein „modifi­zierbarer“ Risikofaktor ist, könnte vermehrte körperliche Aktivität oder Sport eine vorbeugende Wirkung gegen Krebs haben. In einer früheren Meta-Analyse war ein Team um Charles Matthews von National Cancer Institute in Bethesda zu dem Ergebnis gekommen, dass sich das Risiko von 13 Krebsarten durch körperliche Aktivität senken lässt (JAMA Internal Medicine 2016; 176: 816-825).

Für die aktuelle Publikation haben die Forscher untersucht, welche „Bewegungsdosis“ für eine präventive Wirkung erforderlich ist. Grundlage waren die Daten aus neun prospektiven Kohortenstudien, darunter drei aus Europa. Als Maßstab für die körperliche Aktivität diente das metabolische Äquivalent (MET). Eine Einheit (1 MET) entspricht dem Kalorienverbrauch in Ruhe, etwa vor dem Computer oder Fernseher.

Bei vielen körperlichen Tätigkeiten, etwa beim raschen Gehen, bei der Gartenarbeit oder der Reinigung der Wohnung, wird etwa das Dreifache an Energie umgesetzt (3 MET). Die meisten Fachgesellschaften empfehlen den Erwachsenen 2,5 bis 5 Stunden dieser Tätigkeiten pro Woche, was sich auf 7,5 bis 15 MET summiert.

In diesem Bereich kommt es nach den jetzt von Matthews vorgestellten Daten bereits zu einer krebspräventiven Wirkung. Männer können ihr Dickdarmkrebsrisiko um 8 Prozent (bei 7,5 MET/Woche) bis 14 Prozent (für 15 MET/Woche) senken. Für Frauen ermitteln die Epidemiologen ein um 6 bis 10 Prozent vermindertes Brustkrebsrisiko und ein um 10 bis 18 Prozent vermindertes Risiko auf ein Endometriumkarzinom. In beiden Geschlechtern sinkt das Nierenkrebsrisiko um 11 bis 17 Prozent, das Risiko auf ein Myelom um 14 bis 19 Prozent und das Leberkrebsrisiko um 18 bis 27 Prozent. Beim Non-Hodgkin-Lymphom war nur für Frauen ein Rückgang um 11 bis 18 Prozent nachweisbar.

Die Dosis-Wirkungs-Kurven waren bei Krebserkrankungen in Brustdrüse, Dickdarm, Endometrium sowie beim Adenokarzinom der Speiseröhre linear (beim Ösophaguskarzinom war die Assoziation erst oberhalb on 15 MET/Woche signifikant).

Für Nieren- und Magenkrebs, Leberkrebs und dem Non-Hodgkin-Lymphom bei Frauen war die Assoziation kurvilinear, das heißt, die deutliche Risikominderung im Bereich der mittleren körperlichen Tätigkeit verstärkte sich in höheren Dosierungen nicht weiter. Beim Myelom und beim Rektumkarzinom kam es sogar zu einer Abschwächung. Ebenso beim Kardiakarzinom des Magens und beim Dünndarmkrebs, für die aufgrund der geringen Fallzahlen jedoch für keine „Dosis“ der körperlichen Aktivität eine signifikante Assoziation gefunden wurde.

Intensive sportliche Aktivitäten mit 6 MET oder mehr waren ebenfalls mit einem verminderten Krebsrisiko verbunden. Bei einigen Krebserkrankungen wie dem Endometriumkarzinom oder beim Adenokarzinom der Speiseröhre war die Schutzwirkung (bei gleicher wöchentlicher MET-Summe) stärker ausgeprägt, bei anderen wie dem Nierenkrebs dagegen schwächer. Beim Brustkrebs ging die Schutzwirkung bei höherer „Sportdosis“ wieder verloren. Bei Kopf-Hals-Tumoren war ein tendenzieller Anstieg des Krebsrisikos mit steigender Intensität erkennbar.

Die Studie stieß hier jedoch an ihre Grenzen, was sich an weiten 95-Prozent-Konfidenz­intervallen und fehlenden statistischen Signifikanzen zeigte.

Wie immer in epidemiologischen Studien lässt sich die Kausalität der Assoziationen letztlich nicht beweisen. Auch bleiben die biologischen Wirkungsmechanismen offen. Beim Mammakarzinom könnte die vermehrte körperliche Aktivität über den Rückgang von Sexualhormonen, Insulin und Entzündungsmarkern das Krebsrisiko senken. Beim Leberkrebs könnte es günstige Auswirkungen auf den Glykogengehalt im zentralen Stoffwechselorgan geben. Sport könnte der Entwicklung einer Fettleber entgegenwirken, die über die nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH) in den letzten Jahrzehnten zu einer häufigen Ursache von Leberkrebs geworden ist.

© rme/aerzteblatt.de

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