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Medizin

Hunde, nicht aber Katzen könnten im Haushalt vor Schizophrenien schützen

Donnerstag, 2. Januar 2020

/pololia, stock.adobe.com

Baltimore – Der frühe Kontakt zu Hunden im Haushalt war in einer Kohortenstudie in PLOS One (2019; doi: 10.1371/journal.pone.0225320) mit einem um 1/4 verminderten Risiko verbunden, an einer Schizophrenie zu erkranken. Für bipolare Störungen wurde keine signifikant verminderte Assoziation gefunden und die Anwesenheit von Katzen hatte keine Auswirkungen auf das Erkrankungsrisiko.

Schizophrenie und bipolare Störungen zeigen eine deutliche familiäre Häufung. Dies kann auf genetischen Faktoren beruhen, die jedoch bisher nicht sicher identifiziert werden konnten. Eine familiäre Häufung kann auch auf gemeinsame „Umweltfaktoren“ zurück­zuführen sein. Dazu gehört unter anderem die Anwesenheit von Tieren im Haushalt. Eine protektive Wirkung konnte bereits für allergische Erkrankungen belegt werden. Sie wird auf immunologische Faktoren zurückgeführt. Hunde und Katzen bieten dem Immunsystem in den ersten Lebensjahren wichtige Impulse, die die spätere Entwicklung einer Allergie verhindern kann. Hirnforscher diskutieren derzeit, ob das Immunsystem auch die Entwicklung des Gehirns beeinflusst.

Robert Yolken vom Johns Hopkins Children's Center in Baltimore und Mitarbeiter haben deshalb untersucht, ob die Anwesenheit von Hunden und Katzen im Haushalt das Erkrankungs­risiko auf eine Schizophrenie oder eine bipolare Störung beeinflusst. Die Forscher befragten 1.371 Männer und Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren, von denen 396 an einer Schizophrenie und 381 an einer bipolaren Störung litten. Die 594 Personen der Kontrollgruppe litten nicht an psychiatrischen Erkrankungen.

In den ersten 3 Lebensjahren haben Hunde den größten Einfluss

Tatsächlich ließ sich eine protektive Assoziation nachweisen. Personen, die vor dem 13. Geburtstag im Haushalt Kontakt mit Hunden hatten, erkrankten zu 25 % seltener an einer Schizophrenie. Die Hazard Ratio von 0,75 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,63 bis 0,90 statistisch signifikant. Den größten Einfluss hatte dabei die Anwesenheit des Hundes in den ersten 3 Lebensjahren.

Yolken vermutet, dass verminderte Entzündungsreaktionen in der Abwesenheit von Allergien sich günstig auf Stressantworten und die anschließende Cortisolfreisetzung und Zytokinbildung auswirken, die wiederum die Entwicklung des Gehirns beeinflussen.

Sozioökonimischer Status und Naturnähe als mögliche Einflussfaktoren

Eine alternative Erklärung wäre, dass andere Umweltfaktoren die Assoziation erklären. Der Besitz von Haustieren zeigt häufig eine bessere sozioökonomische Stellung oder auch einen naturnäheren Wohnort an, die auch ohne Haustier das niedrigere Erkrankungsrisiko erklären könnten. Psychiatrische Erkrankungen werden in prekären Familien häufiger manifest und sie sind in städtischen Regionen weiter verbreitet als in ländlichen. Die Forscher haben versucht, diese Faktoren zu berücksichtigen. Es ist aber nicht sicher, dass es ihnen umfänglich gelungen ist.

Interessanterweise hatte eine Katze im Haushalt keinen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Dies widerspricht früheren Annahmen, die in Katzen einen möglichen Risikofaktor gesehen hatten. Katzen sind häufig mit Toxoplasma gondii infiziert. Die Parasiten können bei Menschen das Gehirn befallen. Frühere Studien hatten die Schizophrenie mit einer Toxoplasmose (positiver Antikörpernachweis) und auch mit dem Besitz von Katzen in Verbindung gebracht.

Ein Einfluss auf die bipolare Störung war weder für Hunde noch für Katzen im Haushalt nachweisbar. © rme/aerzteblatt.de

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