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Fast 3.000 Menschen stimmten 2019 einer Gewebespende zu

Freitag, 3. Januar 2020

Präparation der Amnionmembran durch Abziehen der Eihaut von der Plazenta. /DGFG
Präparation der Amnionmembran durch Abziehen der Eihaut von der Plazenta. Im Gegensatz zur Hornhautspende kommt diese Spende aus der Lebend-Gewebespende. /DGFG

Hannover – 40 Prozent der Angehörigen stimmten in 2019 einer Gewebespende zu. Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) konnte dadurch 2.753 Gewebe­spenden realisieren – etwa soviele wie im Jahr 2018. Bundesweit wurden 5.740 Gewebetransplantate zur Transplantation vermittelt, beispielsweise für Hornhaut­transplantate, Herzklappen und Gefäßtransplantate.

In 2018 waren es etwas weniger Spender: 2.732 Menschen. „Spendern, Spenderinnen und ihren Angehörigen gilt unser besonderer Dank“, betont Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Insgesamt gingen 39.132 Meldungen potenzieller Spender aus den Kliniken im Netzwerk bei der DGFG ein. Nach deren Prüfung auf medizinische Kontraindikationen führten die Koordinatoren 7.565 Gespräche, um über die Möglichkeit der Gewebespende aufzuklären. 2.997-mal wurde einer Gewebespende zugestimmt. Die durchschnittliche Zustimmungsquote zur Gewebespende lag damit bei 40 Prozent.

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Einen deutlichen Anstieg konnte die DGFG bei Spenden kardiovaskulärer Gewebe von Herz-Kreislauf-Verstorbenen verzeichnen: Mit 31 Spenden verdreifachte sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr. Bei dieser Spende entnehmen die Koordinatoren zusammen mit einem Arzt das Herz mitsamt der Herzklappen oder auch die großen Blutgefäße. Insgesamt konnte die DGFG in 2019 166 Herzklappen und 111 Gefäße zur Transplantation vermitteln. Diese stammten bisher vor allem aus der Organspende.

Der Bedarf dieser Gewebe in der Transplantationsmedizin ist nach wie vor sehr hoch. Die DGFG hat daher in 2017 ein Programm zur Spende kardiovaskulärer Gewebe (KVG) von Herz-Kreislauf-Verstorbenen initiiert. Denn bei der Spende dieser Gewebe spielt der Hirntod im Gegensatz zur Organspende keine Rolle. Herzklappen und Gefäße können noch bis zu 36 Stunden nach Todeseintritt entnommen werden.

Das Netzwerk der DGFG wächst

Von inzwischen 31 Standorten aus realisieren 49 Koordinatoren die Gewebespende an mehr als 100 Krankenhäusern (von etwa 2.000) deutschlandweit. 2019 kamen das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Universitätsmedizin Göttingen, das Helios Klinikum Wuppertal und das Helios Hanseklinikum Stralsund als neue DGFG-Standorte hinzu. Seit Oktober 2019 ist die Hornhautbank des LMU-Klinikums ebenfalls Teil des DGFG-Netzwerks. 13 Gewebebanken im Netzwerk ermöglichen die Versorgung in ganz Deutschland.

Amnion aus der Plazentaspende

In 2019 konnte die DGFG 39 Plazentaspenden im Rahmen geplanter Kaiserschnittgeburten realisieren (28 in 2018). Aus der Plazenta wird die Amnionmembran gewonnen, die Ärzte vor allem in der Ophthalmologie zur Behandlung der erkrankten Augenoberfläche verwenden, aber auch in der gynäkologischen Chirurgie, Mund-Kiefer-Chirurgie sowie als temporären Hautersatz bei thermischen Verletzungen und Wundheilungsstörungen. Insgesamt 1.802 „Wundpflaster“ kamen 2019 aus diesen Spenden Patienten deutschlandweit zugute.

Am häufigsten ist aber die Hornhautspende. Jeder zweite Patient erhält ein Hornhauttransplantat von der DGFG. 3.605 Patienten konnte die DGFG in 2019 mit einem Hornhauttransplantat versorgen. Im Durchschnitt werden pro Jahr rund 7.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland durchgeführt. „Mehr als jede zweite Hornhaut kommt von der DGFG. Wir können mittlerweile bei der Hornhauttransplantation die meisten Anfragen innerhalb weniger Wochen erfüllen“, sagt Börgel. Unter den vermittelten Hornhäuten waren 383 Hornhautlamellen (LaMEK) für die DMEK-Operation (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty). Hier ersetzen Ärzte nur eine dünne Schicht der Hornhaut, wodurch sich die Sehfähigkeit der Patienten deutlich schneller erholt und das Infektionsrisiko minimal bleibt.

Der Anteil der Organspender, die Gewebespender sind, ist sehr gering. Die Hirntoddiagnostik spielt bei der Gewebespende keine Rolle: 2.386 Gewebespender und damit knapp 90 Prozent sind an einem Herz-Kreislauf-Stillstand verstorben.

Fast jeder Verstorbene kann Gewebe spenden

Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben Augenhornhäuten, Herzklappen und Blutgefäßen auch Knochen, Sehnen, Bänder und Haut. Aus der Lebend-Gewebespende kommt die Amnionmembran.

Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen.

Als unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. © gie/EB/aerzteblatt.de

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